Raubbau finanzierte Taylors Terror

12. August 2003, 14:18
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Wie die UNO dem Präsidenten Liberias die Finanzgrundlage sperrte

Wien - Im Grunde haben die Vereinten Nationen Liberias Präsident Charles Taylor, den anerkannten Gangster, schon im Juli dieses Jahres entmachtet. Die UNO verhängte ein Embargo und verbot den Export von liberianischem Tropenholz, einer der Haupteinnahmequellen des Staates. Die Holzfirma Oriental Timber Cooperation (OTB), die immense Schlägerungen in Südostliberia durchführte und von der UNO auch mit Waffenschmuggel in Verbindung gebracht wurde, zog sich darauf hin zurück und Taylor saß finanziell auf dem Trockenen, da auch mit Blutdiamanten wegen rigider Kontrollen kein Cent mehr zu machen war. Mit jedem Tag wurden daraufhin die Rebellen stärker.

Es begann im Jahr 1999: Der niederländische Geschäftsmann Gus van Kouwenhoven erwarb fünf Konzessionen für Holzschlägerungen vom liberianischen Staat, wobei der zuständige Beamte praktischerweise der Bruder von Präsident Taylor war. Wie groß das Konzessionsgebiet war, blieb wegen fehlendem Kartenmaterial unklar. Die Schätzungen schwanken zwischen 2,5 und vier Millionen Hektar Regenwald, dem letzten zusammenhängenden großen Wald Westafrikas.

Weil van Kouwenhoven die Sache zu groß war, schloss er mit der OTC ein Kooperationsabkommen. Die förderte dann monatlich rund 100.000 Kubikmeter bestes Holz und schlug dafür alle vier Wochen bis zu 4.500 Hektar Wald kahl. Und zwar in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: Wo OTC arbeitete, blieben nicht einmal mehr Büsche stehen. Die Firma werkt mit militärischer Präzision, europäische und amerikanische Holzkäufer zeigten sich von der Effizienz und Verlässlichkeit begeistert. Außerdem ist OTC-Holz spottbillig, die westlichen Verbraucher profitierten von dem Raubbau.

Taylor selbst kassierte allein im Jahr 2000 mindestens 186 Millionen Dollar von der OTC, sein Privatvermögen wurde zu dieser Zeit auf runde zwei Milliarden Dollar geschätzt. Die Waffen, die der Präsident für sein Terrorregime benötigte, wurden von der OTC geliefert, sagen Menschenrechtsgruppen. Zu beweisen ist das jedoch nicht.

Die Einschlaggebiete wurden von eigenen OTC-Sicherheitstrupps kontrolliert, Dörfer abgefackelt und Menschen zum Verlassen ihrer Felder gezwungen. Hinter der OTC, diesem Staat im Staat, steht ein gewisser Joseph Wong und seine Global Star Company, deren Spuren sich in der Hongkonger Connaught Road verlieren.

Bis zum Auftreten von OTC gingen die Vertreter der Holzkonzerne in Liberia davon aus, dass in frühestens 20 Jahren die vermarktbaren Bäume in Liberia erschöpft sein werden. Seit OTC rechnet keiner mehr damit, in den kommenden Jahren noch lohnende Geschäfte in Liberia zu machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2003)

von Gerhard Plott
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