Wirt serviert "Negerschweiß" und "Mulattenbier"

11. August 2003, 10:23
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Touristen empört über rassistische Getränkekarte in Klagenfurt - für Wirtin ist "nichts dabei"

Klagenfurt – Besondere Kärntner Schmankerln gibt es im gutbürgerlichen Gasthof "Pumpe" in Klagenfurt: Englische Touristen entdeckten "Negerschweiß" und "Mulattenbier" auf der Getränkekarte und konnten es zuerst gar nicht fassen: "Ich habe geglaubt, ich habe das falsch übersetzt", erzählt der Brite.

Zigeunerbraten

An dem, was die englischen Urlauber als "unglaublich rassistisch" empfinden, ist für Wirtin A. Fischer "nichts dabei". Negerschweiß ist laut der Bier-Fibel des Gasthauses eine Mischung aus Bier und Limonade, "Mulattenbier" eine Gemisch aus Stiftsbräu und Leichtbier. Diese Bezeichnungen stehen schon lange in der Karte, erzählt die Wirtin und fragt: "Wenn jemand sich darüber aufregt, dann darf ich ja Zigeunerbraten auch keinen mehr kochen, oder?"

Von deutscher Getränkekarte abgeschrieben

Auch Pumpe-Wirt Ch. Fischer zeigt wenig Sensibilität in Sachen Rassismus: "Ich hab ja auch Bauernschmaus oder Stiftsrichtergulasch auf der Karte", meint Fischer, da sei auch noch niemand auf die Idee gekommen, dass da womöglich Stiftsrichter drin wären. Er selbst hätte diese Namen nicht erfunden, sondern aus einer deutschen Getränkekarte abgeschrieben. "Rassistisch ist das nicht gemeint."

"Neger-Bier"

Schon einmal gab es Aufregung um ein "Neger-Bier", damals gebraut von der Brauerei Ried aus Oberösterreich. Nach Medienberichten ließ die Firma Merkur das Bier aus den Supermarktregalen verschwinden, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Neger-Bier eine "traditionelle Bezeichnung" einer Cola-Bier-Mischung in Oberösterreich sei.

Tradition

Mit Tradition begründet auch Pumpe-Wirtin A. Fischer den Negerschweiß auf der Bierkarte. Jahrelang hätte sich niemand darüber aufgeregt. Sie werde die Begriffe bestimmt nicht aus der Karte nehmen, nur weil sich ein paar "Depperte", die nichts zu tun hätten, darüber echauffierten. Und: "Ich habe ja nichts gegen Neger."

Neue Karte

Nach einer Intervention des Vereines ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) kündigten die Wirtsleute nun doch an, die Getränkekarte "zum nächst möglichen Zeitpunkt" zu ändern. Das werde Anfang 2004 sein, wenn neue Karten aufgelegt werden. Bis dahin bittet Ch. Fischer ZARA schriftlich, ihm "einige nicht diskriminierende Ausdrücke für Getränke" mitzuteilen. "Sie sind darin sicherlich wesentlich versierter und gebildeter als ich es bin! Mit freundlichen Grüßen, Ihr Pumpe Wirt." (Lea Friessner, Michael Simoner, DER STANDARD Prinatausgabe 9/10.8.2003)

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