Und plötzlich ist Herr Diethart ein Favorit

31. Dezember 2013, 15:44
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"Es funktioniert, dass ich den Kopf ausschalte", sagt Thomas Diethart, der die Quali fürs Neujahrsspringen gewann. Gregor Schlierenzauer hingegen hat ein Problem

Garmisch-Partenkirchen - Wäre da nicht ein gewisses Konzert, so ginge das Jahr, das neue, mit dem Skispringen in Garmisch-Partenkirchen los. Jedenfalls beginnt am Mittwoch die Jagd auf Simon Ammann, der in Oberstdorf gewann und also nach einer der vier Schanzen die Gesamtwertung anführt. Ammann siegte bereits 2011 in Garmisch, er traut sich einiges zu, sieht sich aber "nicht als Tourneefavorit". Das nennt man Tiefstapeln. In der Qualifikation am Dienstag hinterließ Ammann einen guten Eindruck, aber bei weitem nicht den besten.

Der beste Eindruck und also 2000 Euro Prämie gingen auf das Konto des mittlerweile bekanntesten Michelhauseners, auf das Konto von Thomas Diethart. Der 21-jährige Niederösterreicher zeigte einen wunderschönen Flug, den weitesten noch dazu (141,5 m), er verwies den polnischen Weltcupleader Kamil Stoch und den Kärntner Thomas Morgenstern auf die Plätze. "Ich kann es auch nicht erklären", sagte Diethart. "Es wird natürlich schwieriger. Aber noch funktioniert es, dass ich den Kopf ausschalte."

Vier Österreicher sind insgesamt einstellig platziert, Cheftrainer Alexander Pointner sagt, dass er jedem von ihnen de Gesamtsieg zutraut. Diethart hat als Dritter die beste Ausgangslage, doch auch mit Morgenstern (5.), Michael Hayböck (7.) und Gregor Schlierenzauer (9.) ist zu rechnen. Für Morgenstern und Schlierenzauer spricht die Erfahrung, vor allem jene, die Tournee bereits gewonnen zu haben. Morgenstern könnte seinen Erfolg von 2011 wiederholen, Schlierenzauer sogar den dritten Gesamtsieg in Serie landen. Der Tiroler liegt bereits 20 Punkte zurück, doch trauen ihm alle Gegner noch den Sprung an die Spitze zu. "Dazu muss mir aber in Garmisch schon einiges aufgehen", sagt Schlierenzauer selbst.

Schlierenzauers Kritik an "Lukenschieberei"

Ob etwas aufgeht, ist nach der Qualifikation einigermaßen fraglich. Schlierenzauer landete im geschlagenen Feld, und er sagte: "Ich hab noch immer Probleme mit meiner Hocke in der Anfahrt, das muss ich in den Griff bekommen." Wohingegen Diethart seine gute Form aus Oberstdorf mitgenommen hat. Mittlerweile dürfte sein Name auch allen Punkterichtern ein Begriff sein. In Oberstdorf hatten die Bewertungen mehrfach Anlass zur Diskussion gegeben, diese Diskussion wurde dann von jener über die "Lukenschieberei" verdrängt.

Schlierenzauer, der den Ausdruck prägte, beschwerte sich über die Jury, die den Anlauf manchmal recht willkürlich verkürzt oder verlängert. Springer, die von einer unteren Luke starten, bekommen nach einer ausgeklügelten Formel etliche Punkte gutgeschrieben, die von einer oberen Luke freilich kaum wettzumachen sind. So will der internationale Skiverband (FIS) verhindern, dass sich Bewerbe wie früher endlos hinziehen. Freilich nimmt sie in Kauf, dass es für die Zuschauer im Stadion wie daheim kaum noch nachvollziehbar ist, wie ein Klassement zustandekommt. Es passiert, und es passiert immer öfter, dass ein Sieger früher gelandet ist als etliche der Platzierten.

Einen Springer, der in Topform und "bei sich" ist, ficht solche Diskussion nicht an. "Ich fühle mich wohl in meiner Rolle", sagt Simon Ammann, der Gejagte. "Und ich mich in meiner", sagt Thomas Diethart, der Jäger. (Fritz Neumann aus Garmisch-Partenkirchen, derStandard.at, 31.12.2013)

Ergebnisse der Qualifikation für zweiten Bewerb der Vierschanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen (Mittwoch, 14.00 Uhr/live ORF eins):

1. Thomas Diethart (AUT) 144,8 Punkte (141,5 m) - 2. Kamil Stoch (POL) 142,5 (139,5) - 3. Thomas Morgenstern (AUT) 138,5 (136,0) - 4. Peter Prevc (SLO) 137,6 (138) - 5. Robert Kranjec (SLO) 135,8 (136,5) - 6. Anders Bardal (NOR) 135,6 (136,5) - 7. Simon Ammann (SUI) 133,5 (135) - 8. Michael Hayböck (AUT) 132,1 (134,5). Weiter: 15. Gregor Schlierenzauer (AUT) 128,8 (132,5) - 23. Andreas Kofler 124,7 (128,0) und Wolfgang Loitzl 124,7 (130,5) - 25. Stefan Kraft 124,0 (131,0)

K.o.-Duelle der Österreicher:

Jarkko Määttä (FIN) - Kofler, Jurij Tepes (SLO) - Loitzl, Michael Neumayer (GER) - Schlierenzauer, Andreas Wellinger (GER) - Hayböck, Karl Geiger (GER) - Morgenstern, Ronan Lamy Chappuis (FRA) - Diethart

 

 

  • Thomas Diethart hat weiter Aufwind.
    foto: reuters/dalder

    Thomas Diethart hat weiter Aufwind.

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