Gentests aus dem Web: "Eklatante Unterschiede"

31. Dezember 2013, 12:49
9 Postings

Eine junge Frau schildert ihre Erfahrungen mit genetischen Tests durch Privatunternehmen

Ende November waren die medizinischen Gentests des US-amerikanischen Unternehmens 23andMe durch die Food and Drug Administration gestoppt worden. Dem Unternehmen wird vorgeworfen keine entsprechende Genehmigung zu besitzen und Nutzer zu verunsichern, da die Ergebnisse ohne ärztliche Interpretation beim Kunden landen. Wie solche Analysen aussehen können, hat Kira Peikoff ausprobiert. Sie ließ ihre DNA von drei verschiedenen Unternehmen auswerten und schilderte ihre Erfahrungen nun in der "New York Times".

Speichel- und Blutproben

Aufgrund familiärer Vorbelastung durch Herzerkrankungen, rheumatoide Arthritis, Alzheimer und Brustkrebs beschloss wie, sich testen zu lassen. Die Tests wurden von 23andMe (vor Einstellung der Tests), Genetic Testing Laboratories (GTL) und Pathway Genomics durchgeführt.

23andMe bot zu dem Zeitpunkt noch um 99 US-Dollar einen Bericht mit 240 Punkten zu Gesundheitsrisiken an, basierend auf einer Speichelprobe. GTL verlangt für die Analyse 285 Dollar und gibt Auskunft über 25 gesundheitliche Risiken. Pathway berechnet für die Informationen zu 24 Krankheitsrisiken 399 Dollar. Für die Analyse bei GTL und Pathway müssen Kunden eine Blutprobe von einem medizinischen Labor bzw. Arzt nehmen lassen.

Starke Abweichungen

Nach etwa zwei Monaten habe Peikoff sämtliche Testergebnisse erhalten, "die Abweichungen waren eklatant". So habe die 28-Jährige laut 23andMe ein doppelt so hohes Risiko an Schuppenflechte und rheumatoider Arthritis zu erkranken wie wie der Durchschnitt. Bei GTL jedoch sei für genau diese beiden Erkrankungen die geringste Wahrscheinlichkeit ausgestellt worden. Bei anderen Ergebnissen hätten die Tests teilweise übereingestimmt, teilweise seien sie ebenfalls stärker auseinander gedriftet.

Keine Standards

Ärzte kritisieren unter anderem, dass es keine Standardisierung gebe, um die Risiken einer bestimmten Erkrankung basierend auf diesen Tests bestimmen zu können. Zudem würden nur Teile der DNA analysiert. Als würde man von einem Buch nur den jeweils ersten Buchstaben einer Seite lesen. Eine komplette Genomsequenz zu analysieren würde um die 3.000 US-Dollar kosten, heißt es in dem Bericht. Hinzu komme, dass die Ursachen vieler Erkrankungen noch nicht endgültig bekannt seien. So sei die genetische Veranlagung nur teilweise verantwortlich.

"Unterhaltung"

23andMe habe die Ergebnisse von Peikoffs Tests nicht kommentieren wollen. Bei GTL werde Kunden geraten, ärztlichen Rat einzuhalten, das Unternehmen schicke die Resultate selbst an einen Mediziner. Pathway gibt an höheren Standards für ihre Tests verpflichtet zu sein als der Mitbewerb. Solange es keine Standardisierung für solche Tests gibt, raten von der NYT befragte Ärzte jedoch, die Ergebnisse nicht ernst zu nehmen. (red, derStandard.at, 31.12.2013)

  • Gentests durch private Unternehmen sind höchst umstritten.
    foto: apa/dpa

    Gentests durch private Unternehmen sind höchst umstritten.

Share if you care.