Putin könnte von Syrien eingeholt werden

Analyse30. Dezember 2013, 18:51
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Moskaus Parteinahme für Assad verschärft die islamistische Bedrohung

Moskau/Wien – Russland hat sein hausgemachtes Problem mit islamistischem Terrorismus – aber seit dem Ausbruch des Kriegs in Syrien kommt noch etwas hinzu: Durch die russische Unterstützung des Assad-Regimes gegen die Rebellen sieht der internationale Jihadismus Moskau auch dort als direkten Gegner.

Die Rebellen werden bekanntlich unter anderem von Saudi-Arabien unterstützt, das zwar sein eigenes Jihadismus-Problem – Al-Kaida und Konsorten betrachten ja das saudische Königshaus als Verräter am Islam –, aber weniger Berührungsängste mit den salafistischen Kämpfern in Syrien hat. In diesem Zusammenhang kursiert seit vergangenem Sommer folgende Geschichte:

Der saudische Geheimdienstchef Prinz Bandar bin Sultan, der als die treibende Kraft der saudischen Syrien-Politik gilt, besuchte im August Präsident Wladimir Putin in Moskau. Dass dabei die russische Unterstützung für Assad zu Sprache gekommen sein soll, erscheint logisch. Die libanesische Zeitung al-Safir – wichtig zu bedenken, dass sie der Hisbollah nahesteht und antisaudisch ist – berichtete, bei dem Treffen habe Prinz Bandar Putin angeboten, für sein Abrücken von Assad Russland bei allen Öl- und Gasproblemen unter die Arme zu greifen.

Bandar, dessen Besuch mit den USA abgesprochen gewesen sein soll, habe Putin auch versichert, dass bei einem Sturz Assads die russischen strategischen Interessen – etwa die russische Marinepräsenz im syrischen Hafen Tartus – garantiert werden könnten: Voraussetzung sei ein russischer Politikwechsel. Doch Putin sei unbeeindruckt geblieben.

Danach gleitet der Bericht – der Bandar in direkter Rede wiedergibt, obwohl es angeblich ein Vieraugengespräch war – ins Verschwörungstheoretische ab: Bandar habe Putin gesagt, dass er ihm eine "Garantie" geben könne, was den Schutz der Winterspiele in Sotschi vor Terrorismus anbelange. "Die tschetschenischen Gruppen werden von uns kontrolliert." Saudi-Arabien könne sie "ab- und anstellen" – und habe deshalb auch keine Angst, dass sie in der politischen Zukunft Syriens nach Assad eine Rolle spielen.

Wer die arabische Diplomatie kennt, kann sich so eine Szene kaum vorstellen. Aber es liegt auf der Hand, dass diese Geschichte im Zusammenhang mit der Terrorwelle in Russland nun wieder auftaucht. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, 31.12.2013)

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