Das Glück sitzt in Gloggnitz

31. Dezember 2013, 12:00
46 Postings

Harald Blaschek hat das Glücks-Geschäft fest in der Hand. Warum im Ausland wenig zu gewinnen ist und an China kein Weg vorbeiführt

Wien - An Glücksbringer, sagt Harald Blaschek, glaube er wirklich. Es müsse aber kein rosa Schwein sein. Ein Stein, mit dem er was Besonderes verbinde, tue es auch.

Der Kern des Glücks liegt tief in der Psychologie, das Geschäft damit sitzt in Schlöglmühl in Gloggnitz. Blaschek vereint am Ufer der Schwarza mehr Glücksbringer, als Österreich Einwohner hat. Vor 26 Jahren hat er mit seiner ersten Verkaufsbude begonnen, als Schüler noch, um sein Taschengeld aufzubessern. Heute betreibt er mit 700 Mitarbeitern von Wien bis Vorarlberg zwischen Weihnachten und Silvester 520 Standln. Seine Leute sind in fast jedem Einkaufszentrum vertreten. Rewe, Spar, Libro und Pagro zählen ebenso zu den Kunden wie freie Marktfieranten.

Konjunkturkrisen gehen an ihm schadlos vorüber. Ein Rauchfangkehrer, Fliegenpilz oder Hufeisen um höchstens ein, zwei Euro sind seiner Erfahrung nach bei fast allen Österreichern drinnen. Blaschek importiert sie containerweise zu 98 Prozent aus China. Aus zertifizierten Fabriken, die er unangekündigt besucht, wie er versichert, auch um Kinderarbeit zu verhindern. Von den kleinen österreichischen Spritzgussteil-Firmen hat einer nach dem anderen aufgegeben. Zu kostspielig ist die Fertigung in Relation zum Erlös.

Die Stellung halten im größeren Stil allein Erwin Perzy und Anita Gruber. Ersterer, im Haupterwerb Wiener Schneekugelfabrikant, erzeugt den letzten Silvesterguss made in Austria. Neben allen Umweltrisiken erschweren allerdings steigende Bleipreise das Geschäft - der weltweite Rohstoffboom ließ Quellen für Bleiabfälle versiegen. Anita Gruber lässt viele ihrer rund 1800 Variationen an Glücksbringern von freien Mitarbeitern aus der Region fertigen. An Asien-Importen kommt die steirische Großhändlerin dennoch nicht herum.

Österreicher als Exoten

In den Fabriken Chinas gelten die Österreicher auch nach 20 Jahren der Zusammenarbeit noch als Exoten, erzählt Blaschek. Keiner verstehe, warum er ausgerechnet rosa Schweindln wolle, zumal es ja auch wunderhübsche Pagageien und Schlangen gebe. "Unsere Glücksbringer sind halt ein rein österreichischer Brauch." Klar seien die Leute hier mittlerweile offener für anderes Getier aus Plastik, Glas oder Keramik. Letztlich aber auf einem Container Schildkröten sitzen zu bleiben - das Risiko gehe er lieber nicht ein.

Das nahe Ausland für Ferkel & Co zu gewinnen, haben auch Kollegen aufgegeben. Einst habe er ein Silvesterstandl in Parndorf ergattert und gedacht, damit werde er wohl reich, erinnert sich Marktfahrer und Branchenvertreter der Zunft in der Wirtschaftskammer, Herbert Gartner, und lacht. "Viele Ungarn, Tschechen, Slowaken haben ja auch alles schön gefunden, aber gekauft haben sie nichts."

Blaschek hat jüngst den Sprung in den europaweiten Vertrieb des Drogerieriesen Müller geschafft, wo er es mit Glücksbringern fürs ganze Jahr versucht. Für reine Silvestergaben könne er aber nicht einmal die Deutschen gewinnen. Der Vorteil des österreichischen Spezifikums für ihn: Europas Faschingskonzerne und damit große Rivalen lässt das Geschäft kalt.

Eine Million Euro setzt der Niederösterreicher, der auch über Sozialprojekte fertigen lässt, an den Silvesterständen nach eigener Angabe jährlich um. Allerlei für Halloween und Krampus miteingerechnet, seien es bei zehn ständigen und rund 770 saisonalen Mitarbeitern 2,5 Millionen. Damit beschäftigt ist er das ganze Jahr über, ab Mitte November wird ausgeliefert, geerntet in den letzten Tagen des Dezembers. So ruhig es heuer auch laufe - "an Anspannung und Eigendynamik fehlt's nie." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 31.12.2013)

  • Schlöglmühl in Gloggnitz ist Umschlagplatz für jährlich mehr als acht Millionen Glücksbringer.
    foto: ap/ossinger

    Schlöglmühl in Gloggnitz ist Umschlagplatz für jährlich mehr als acht Millionen Glücksbringer.

Share if you care.