Aufregung um Securitys im Spital

30. Dezember 2013, 17:50
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Volksanwalt: Einsatz menschenrechtlich bedenklich

Wien - Die Arbeit privater Sicherheitsleute im Schubhaftzentrum sorgte zuletzt für Aufregung, nun beanstandet die Volksanwaltschaft die Beschäftigung von Security-Diensten in Spitälern. Die Ö1-Journale berichteten am Montag, dass Sicherheitsdienst-Mitarbeiter laut einem internen Papier vom Menschenrechtsbeirat der Volksanwaltschaft in psychiatrischen Spitalsabteilungen und Pflegeheimen teils sogar die Medikamenteneinnahme überwachen sollen oder dabei helfen würden, Patienten im Bett zu fixieren. Nach Ansicht des Menschenrechtsbeirats ist das verboten und menschenrechtlich bedenklich.

Fast jedes Spital hat laut Volksanwaltschaft schon Wachdienstmitarbeiter im Einsatz. Auch Susanne Drapalik vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) gibt an, dass jedes Schwerpunktkrankenhaus in Wien bereits eigenes Wachpersonal beschäftige. Ein bis vier Sicherheitsmitarbeiter pro Haus seien es, je nach Größe der Einrichtung.

KAV weist Vorwürfe zurück

Expertenkommissionen haben laut Volksanwalt Günther Kräuter vor allem in Wien und Oberösterreich gehäuft bedenkliche Beobachtungen gemacht. Private Sicherheitsdienste sollen teils auch bei medizinischen oder Betreuungstätigkeiten eingesetzt worden sein. Drapalik wies die Vorwürfe zurück: "Ich kann Ihnen versichern, dass Securitys keine pflegerischen oder ärztlichen Handlungen setzen", sagte sie dem STANDARD.

"Was vorkommen kann, ist, dass Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes auf Anweisung eines Arztes oder von pflegerischem Personal zur Hilfe gerufen werden" - beispielsweise wenn Patienten, teils unter Drogen- oder Alkoholeinfluss, in erregtem oder psychotischem Zustand seien. Dass Mitarbeiter der Sicherheitsdienste auch ohne Anweisung von ärztlicher oder pflegerischer Seite Patienten festhalten, "kann ich ausschließen", sagte Drapalik. Generell habe sich aber das Aggressionsverhalten von Patienten verändert, was - neben Problemen mit Diebstählen - Sicherheitsdienste nötig mache.

Wolfgang Höfer, Geschäftsführer der NSA-Security, die im Wiener Otto-Wagner-Spital rund um die Uhr vier Mitarbeiter im Einsatz hat, sagte Ö1, das Sicherheitsunternehmen sei dazu da, im Rahmen der Nothilfe sowohl Patienten als auch das Personal vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen. Die Mitarbeiter seien aber für den Krankenbereich speziell ausgebildet, um bei der Deeskalation helfen zu können. (spri, DER STANDARD, 31.12.2013)

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