Opa packt und zieht um

30. Dezember 2013, 17:43
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Der Film ist weder rührselig noch sentimental, sondern zeigt einen starken, alten Mann, der positiv in die Zukunft blickt, ohne die Vergangenheit zu verdrängen

Nein, ein Kind von Traurigkeit ist Franz Balassa nicht. Mehr als 60 Jahre war er mit Eta verheiratet, dann ist seine Frau an einem Herzleiden gestorben. Jetzt wagt der 83-Jährige einen Neuanfang. Für die Dokumentation "Vakuum", Montagabend auf Okto, begleitet die junge ­Filmemacherin Judith Zdesar ihren Großvater beim Umzug in sein neues Zuhause und in sein neues Leben.

Zuvor werden Kisten gepackt, Omas Kleidung und ihre Schätze ausgemistet. Sie finden Uhren, Ringe, echte Zöpfe, eine Schachtel mit Kinderspielzeug, Christbaumkugeln, Engel. Lange ruht die Kamera auf Alltagsgegenständen, macht sie dadurch zu etwas Besonderem.

"Die Erinnerungen, die da sind, kann man nicht wegwischen", sagt der Opa. Dabei wirkt er nicht traurig, sondern vielmehr dankbar für die Zeit, die er mit seiner Frau verbringen durfte. Er erzählt von gemeinsamen Erlebnissen mit der "Mutti", lacht verschmitzt, reißt Witze.

Genau das ist die Stärke von Zdesars Film, er ist weder rührselig noch sentimental, sondern zeigt einen starken, alten Mann, der positiv in die Zukunft blickt, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.

Zdesar gewährt intime Einblicke in ihr Familienleben. Verstärkt wird das durch die eingestreuten, verwackelten Vi­deoaufnahmen aus gemeinsamen Reisen mit Eltern und Großeltern. Die Doku kommt ganz ohne Off-Kommentar aus, und das ist gut so.

Besonders berührend ist die Szene, als er im Tiefkühlfach ein Eis findet, das die Oma vor ihrem Tod halb aufgegessen hat. Mit Hingabe isst er es zu Ende. Fast spürt man die Verbindung zwischen den beiden. "Ja, ja. So ist das", sagt der Opa immer wieder. Er hat recht. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 31.12.2013/1.1.2014)

 

  • Franz Balassa, der Großvater von Filmemacherin Judith Zdesar.
    foto: vakuum/judith zdesar/youtube

    Franz Balassa, der Großvater von Filmemacherin Judith Zdesar.

  • Szene aus Judith Zdesars Film "Vakuum".
    foto: vakuum/judith zdesar

    Szene aus Judith Zdesars Film "Vakuum".

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