Kanonenschießen bei Raiffeisen

30. Dezember 2013, 17:22
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Die Zeiten, in denen Raiffeisen interne Konflikte gütlich beilegte, sind vorbei: Zwei Raikas befetzen sich wegen Beschneiungsanlage

Wien - Die Zeiten, in denen Raiffeisen interne Konflikte gütlich beilegte, sind offenbar vorbei. Der Fall einer Rechtsstreitigkeit um die Finanzierung von Beschneiungsanlagen legt nahe, dass der grüne Riese seine Zwerge nicht mehr sonderlich gut im Griff hat. Dem Standard wurden Unterlagen über eine Auseinandersetzung zugespielt, die tief blicken lassen.

Konkret geht die niederösterreichische Raiffeisenbank Baden gegen die Vorarlberger Raiffeisenbank Au vor. Erstere finanziert einen führenden Schneekanonenhersteller, der mehrere Aufträge von den Damülser Seilbahnen erhielt (und Kunde der Raika Au ist). Die Forderungen des Herstellers wurden an die Raika Baden gemäß Kreditvertrag abgetreten. Die Raika Au wiederum stellte den Seilbahnen eine Bankgarantie zur Sicherung der Bezahlung des Kanonenauftrags aus. Kurz vor deren Auslaufen wurde Au im Frühjahr um Verlängerung der Garantie ersucht, was die Raika aber ablehnte. Darauf nahm Baden die noch geltende Bankgarantie in Anspruch. Die Bregenzerwälder verweigern allerdings die Zahlung - es geht um drei Mio. Euro.

Schlichtungsversuch ergebnislos

In der Regel werden derartige Differenzen bei Raiffeisen geschlichtet. Das wurde auch im gegenständlichen Fall versucht. Allerdings verliefen die Gespräche der beiden Banken mit dem Raiffeisengeneralrevisor Ende November ergebnislos. Weshalb die Badener die Klage einbrachten und Au mit Gegenklage konterte.

Auch die ebenfalls beklagten Damülser Seilbahnen setzen sich zur Wehr. Sie geben nun zu Protokoll, dass ihr mittlerweile abgelöster Geschäftsführer die Bankgarantie "im Alleingang", vorbei an Beirat und Gesellschafterversammlung, veranlasst habe. Der abgelöste Manager, der nach dem gescheiterten Versuch zur Erlangung einer neuerlichen Bankgarantie der Raiffeisenbank Au "zu weinen begann und sich verzweifelt über die Situation zeigte", hatte dann bei der Bregenzer Sparkasse mehr Erfolg.

In Summe zeichnete der Ex-Chef der Damülser, die ihn nun als "willfährigen Diener" des Schneekanonenherstellers bezeichnen, für Garantien über 5,2 Mio. Euro verantwortlich. Die Bankgarantie habe nie der Vorfinanzierung des Herstellers gedient, sondern zur Besicherung neuer Kredite. Das sei auch der Raiffeisenbank Baden bekannt, meinen die Seilbahnen. Die niederösterreichische Raika und der Beschneiungsspezialist hätten "in rechts- und sittenwidriger Weise zum Nachteil der Kunden (...) - hier Damüls - zusammengewirkt". (as, DER STANDARD, 31.12.2013)

  • Ein Kanonenauftrag führt zu Zwistigkeiten.
    foto: ap/schaad

    Ein Kanonenauftrag führt zu Zwistigkeiten.

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