Rainer Hazivar: "Noch nie hat jemand in meine Beiträge gepfuscht"

Chat8. Jänner 2014, 10:37
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Man darf bei Politiker-Antworten "generell nicht allzu viel erwarten", sagt der neue "ZiB 1"-Moderator - Im Chat stellte er sich den Fragen der Leserinnen und Leser

Seit Anfang 2014 moderiert Rainer Hazivar an der Seite von Nadja Bernhard die "ZiB 1" um 19.30 Uhr. "Mir hat noch nie jemand, weder von innen noch außen, in meine Beiträge gepfuscht", sagt er im derStandard.at-Chat. Beruflich versuche er "so neutral wie möglich zu sein, und ich hoffe, das gelingt". Hazivar: "Ich bin mit keinem aktiven Politiker per du, einzige Ausnahme: die Wiener Umweltstadträtin, die kenne ich schon sehr lange." Er selbst will "sicher nicht" in die Politik gehen wie sein Vorbild Josef Broukal.

Was er als Erstes ändern würde, wäre er ORF-Chef? "Alle Projekte, die in der Schublade liegen, finanzieren und auf Sendung bringen - ich weiß schon, dass das im Moment schwierig ist." Er nutzt Twitter "als Recherche-Instrument mit einem Account unter dem Namen meines Opas". Armin Wolf auf Twitter sei "unerreicht, einzigartig, und das wird aus meiner Sicht auch so bleiben.

Nachwuchsjournalisten empfiehlt er: "Es ist nie wichtig besonders viel zu können, aber es empfiehlt sich, wenigstens irgendetwas besonders gut zu können." (red, derStandard.at, 8.1.2013)

ModeratorIn: Wir begrüßen Herrn Hazivar zum Chat und freuen uns auf Ihre Fragen und eine spannende Stunde.

Rainer Hazivar: Ich freue mich mit und darf auch alle sehr herzlich begrüßen, diesmal zur ungewohnten Tageszeit.

UserInnenfrage per Mail: Verstehen Sie, dass der Präsentator der ZiB die Medien gar so aufregt?

Rainer Hazivar: Ist das so? Ich denke, es ist weniger Aufregung als Aufmerksamkeit für jemanden der täglich aus dem Kastl lacht und die Umstände meines Einstiegs waren ja auch nicht ganz alltäglich.

UserInnenfrage per Mail: Was schätzen Sie an Broukal, den Sie als Vorbild für die Zeit-im-Bild-Moderation genannt haben?

Rainer Hazivar: An Broukal schätze ich besonders, dass er einen Standpunkt hatte, den er nicht all zu sehr heraushängen hat lassen und außerdem war er handwerklich perfekt. Aber mein wirkliches, echtes, uneinholbares Vorbild ist der ehemalige Journal-Moderator Werner Löw.

UserInnenfrage per Mail: Wurden Sie womöglich zum "ZiB"-Präsentator gemacht, damit Sie keine "bösen" Beiträge mehr machen?

Rainer Hazivar: Naja, das würde wohl für jeden gelten, der im Rennen war, denn sämtliche andere Kandidaten sind im Laufe ihrer Zeit auch schon anderen Leuten auf die Zehen gestiegen.

ModeratorIn: Hatten Sie in der Zeit der Auswahl Kontakt mit Wrabetz?

Rainer Hazivar: Ja, das gehört selbstverständlich dazu und auch mit anderen Chefitäten - kein Wunder, die wollen halt wissen, worauf sie sich da genau einlassen.

ModeratorIn: Sie sind ja bekannt für kritische Beiträge, gingen schon welche nicht auf Sendung, weil sie zu kritisch waren?

Rainer Hazivar: Nein, das ist mir echt wichtig. Ich mache das schon mehr als 20 Jahre und mir hat noch nie jemand, weder von innen noch außen, in meine Beiträge gepfuscht.

UserInnenfrage per Mail: Wenn Sie ORF-Chef wären: Was würden Sie als erstes ändern?

Rainer Hazivar: Alle Projekte, die in der Schublade liegen finanzieren und auf Sendung bringen - ich weiß schon, dass das im Moment schwierig ist.

UserInnenfrage per Mail: Wie schätzen Sie die Nachrichtensendungen auf ATV oder Puls 4 ein? Was gefällt Ihnen, was nicht?

Rainer Hazivar: Die Nachrichten bei den Privaten sind optisch 1A, inhaltlich ist da noch jeden Tag Luft nach oben.

UserInnenfrage per Mail: Welche Nachrichtensendungen aus Deutschland oder der Schweiz schauen Sie am liebsten?

Rainer Hazivar: 10 vor 10 im Schweizer Fernsehen, weil die extrem unaufgeregt sind.

UserInnenfrage per Mail: Wen würden Sie am allerliebsten interviewen? Und was wäre dann die erste Frage?

Rainer Hazivar: Den Kriminalpsychologen Thomas Müller. Und die erste Frage bei ihm ist immer: Wer ist der Täter?

iloveski: Würden Sie gerne mal Herrn Stronach interviewen? Wie würden sie vorgehen?

Rainer Hazivar: Für meine Beiträge habe ich Herrn Stronach schon öfters interviewt, am Wahlabend zum Beispiel. Da war er eher schmähstad.

UserInnenfrage per Mail: Werden Sie künftig auf twittern? Was sagen Sie zu Armin Wolfs Twitter-Engagement?

Rainer Hazivar: Armin Wolf auf Twitter ist unerreicht, einzigartig und das wird aus meiner Sicht auch so bleiben. Davon abgesehen nutze ich Twitter als Recherche-Instrument mit einem Account unter dem Namen meines Opas.

UserInnenfrage per Mail: Wie geht es Ihnen damit, dass Sie abends nicht mehr frei haben?

Rainer Hazivar: Als ich war ZiB2-Redakteur in den vergangen sechs Jahren. Für mich ist die jetzige Situation eine substantielle Verbesserung.

UserInnenfrage per Mail: Wie lange brauchen Sie für die Vorbereitung der ZiB um 19.30 Uhr?

Rainer Hazivar: Sage ich nicht. Aber davon abgesehen ist das Entscheidende, am Vormittag den STANDARD und die anderen Zeitungen gelesen zu haben und insgesamt informiert zu sein, ist wie in der Schule, wer im Unterricht nicht geschwätzt hat, tut sich beim Lernen vor der Prüfung leichter.

Lala4: Gibt es internationale Nachrichtensendungen oder -sender (außer das schon genannte 10 vor 10), die Sie für sich persönlich als Vorbild sehen?

Rainer Hazivar: Nein, die anderen kochen auch nur mit Wasser, was bruchstückhaft größeren Sendern besser gelingt, sind die Nischenprodukte wie Nachrichtensendungen mit mehr Reportagen und höherem Magazinanteil, aber die tagesaktuellen Sendungen gleichen der Zeit im Bild von der Machart.

glutrausch: Was haltern sie von der Doppelmoderation? Ist idese wirklich notwendig? Die Tagesschau zB kommt mit nur einem/r Moderator/in aus?

Rainer Hazivar: Die Doppelmoderation ist das Um-und-Auf der Zeit im Bild 1 und das unterscheidet uns wohltuend von den Mitbewerbern. Ich hoffe, dass sich das nie ändert.

Paul Platon: Sind eigentlich noch Sport-Nachrichten relevant für die ZiB?

Rainer Hazivar: Natürlich. Schauen Sie sich die Zuschauerzahlen am 6. Jänner der Vier-Schanzen-Tornee an. Die haben ähnlich viel Zuseher wie die Zeit im Bild gehabt.

hans.maulwurf@huegel.at: was halten sie davon, dass eine PK zum Michael Schumacher Unfall live im TV und auf derstandard.at übertragen wird?

Rainer Hazivar: Solange es bei einer PK bleibt und vielleicht noch einer nach seiner Genesung, ist es in Ordnung. Dass die Frau Schumacher gestern Journalisten bitten muss, sie nicht zu belästigen, ist als Journalist beschämend.

ManDi77: Früher war die ZIB auf beiden Sendern zu sehen. Fanden Sie die Reduktion auf ORF2 gut oder eher schlecht?

Rainer Hazivar: Prinzipiell ist das schon okay, dass der ORF seinen Nachrichten diversifiziert, aber es ist schon klar, dass die Zeit im Bild das viel zitierte Flaggschiff des ORF bleiben soll um diese Tageszeit, aber den Kollegen auf ORF1 wünsche ich für ihre sehr liebevoll gemachten Beiträge insbesondere im ZiB-Magazin mehr Zuseher.

ite ad lucem: Was halten Sie von der Art, wie der ORF Eugen Freund in Pension geschickt hat?

Rainer Hazivar: Das wäre auch anders gegangen, aber schlussendlich hat er doch einen würdigen, wenn auch sehr ausführlichen Schlussakkord setzen können. Sein Abgang hinterlässt eine Lücke, aber die der anderen Kollegen, die nun ebenfalls in Pension gehen, wie z.B. Georg Dox oder Gerhard Roth, leider auch.

H_M: Ist die Zib1 auch für junges Publikum interessant? Und falls nicht - was tun?

Rainer Hazivar: Also aus eigener Erfahrung weiß ich, dass für all jene mit kleinen Kindern diese Tageszeit nicht unbedingt vor dem Fernseher verbracht wird, aber abgesehen davon sollte die Zeit im Bild 1 für alle interessant sein, egal wie alt sie sind und dass auch die ZiB1 mit der Zeit gehen muss und sich daher auch ständig verändern sollte, ist selbstverständlich und wir arbeiten daran.

Hassan Lembeck: da die (nicht nur) österreichische politik nlp-bedingt zunehmend fragen ausweicht, haben sie da nicht schon mal einen wunsch auf einen reversiven günther neukirchner: "wos soi de depperte antwort?!"

Rainer Hazivar: Prinzipiell sollte man sich auf beiden Seiten des Mikrophons gut benehmen und sich die Herrn Neukirchner, Pacult oder Rogan nicht als Vorbild nehmen. Als Journalist bleibt einem nur nachzufragen. Man darf bei den Antworten generell nicht all zu viel erwarten.

OrnellaMutig: Mit wie viel % ihrer Interviewpartner sind sie per du?

Rainer Hazivar: Beim Interview 0 Prozent, so sie älter als 16 Jahre alt sind und ich bin mit keinem aktiven Politiker per du, einzige Ausnahme die Wiener Umweltstadträtin, die kenne ich schon sehr lange.

UserInnenfrage per Mail: Wo würden Sie sich politisch verorten?

Rainer Hazivar: Also beruflich versuche ich so neutral wie möglich zu sein und ich hoffe, das gelingt auch.

UserInnenfrage per Mail: Stimmt es, dass Sie sich als Student für die AG engagiert haben?

Rainer Hazivar: Ja. Ich war Fakultätsvertretungsvorsitzender bei den Wiener Juristen, das war 1987-1989 und das war eine total spannende und völlig andere Zeit. Ich möchte betonen, dass aus meiner ÖH-Generation kein einziger bei irgendeiner Partei gelandet ist.

Renegade Hardware Ltd.: Sehen sie sich, wie Ihr Vorbild Broukal, auch einmal in der Politik?

Rainer Hazivar: Sicher nicht.

Renegade Hardware Ltd.: Würden Sie es nachträglich als beruflichen Vorteil ansehen, hätten Sie ihre Studien abgeschlossen?

Rainer Hazivar: Also die offzielle Antwort ist, dass ich natürlich jedem empfehle sein Studium abzuschließen und die inoffizielle ist: Nein.

Roy_Kienast: Was haben sie konkret gemacht um so weit zu kommen? Was denken sie waren die wichtigesten Schritte auf dem Weg zum ZIB-Moderator?

Rainer Hazivar: Auf der Zielgeraden hat das mit dem ZiB2-Faktencheck im letzten Wahlkampf sicher sehr geholfen und dass ich seit 1994 (damals Wien Heute) immer wieder moderiert habe.

UserInnenfrage per Mail: Wer hat Sie gefragt, ob Sie die Zeit im Bild präsentieren wollen und wer hat Ihnen gesagt, dass Sie tatsächlich der Nachfolger von Freund werden?

Rainer Hazivar: Beides der Chefredakteur.

Aux armes, citoyens: Wie lebt man mit dem ungeheuerlichen Vorwurf von Michael Jeannée dass man zu perfekt ist?

Rainer Hazivar: Ich bin so dermaßen freundlich aufgenommen worden in den Medien, auch hier im STANDARD-Forum, dass ich mich über den einen Ausfaller bestenfalls wundere, mich aber keinesfalls beklage.

37350b28-5767-43f7-bb7d-e1127b71575d: Denken Sie, dass wenn die ZIB mehr Sendezeit zur Verfügung gestellt bekommen würde, die Qualität der Sendung noch mehr gesteigert werden könnte?

Rainer Hazivar: Ein bisschen mehr Zeit würde nicht schaden, aber die Kollegen von Wetter und Sport haben durchaus auch wichtige Dinge mitzuteilen und bei besonderen Ereignissen macht der ORF seine Sendeflächen ja eh auf.

DoNuT: Wie werden sie es mit "Schmähs" und Spontanaktionen alà A.Wolf halten? Hat Humor in einer Nachrichtensendung einen Platz?

Rainer Hazivar: Wichtig ist, dass nicht alle das selbe machen und außerdem ist es leichter, Schmähs oder Spontanaktionen zu machen, wenn man gerade ein hartes Interview absolviert hat. Ich selber will mich vor allem am Anfang zurückhalten, der Respekt ist noch ziemlich groß.

IncontinentIceweasel: Haben Sie auch das Problem, wie zB Lehrer, dass viele Stunden Ihrer Arbeitszeit nicht sichtbar sind? Stichwort: "Du hackelst ja eh nix, liest nur am Abend ein paar Nachrichten vor"?

Rainer Hazivar: Die paar Unfreundlichkeiten gehören zum Geschäft, kommen aber echt total selten vor und alle, die es ernst meinen, wissen ja auch, dass z.B. ein Fußballer auch nicht nur 90 Minuten in der Woche arbeitet.

kaljakoppa: Würden Sie gerne etwas am derzeitigen ZIB 1-Konzept ändern? Zum Beispiel Live-Gäste einladen?

Rainer Hazivar: Da bin ich noch zu sehr ehemaliger ZiB2-Redakteur, ausführliche Interviews dauern seine Zeit und würden den Rahmen der ZiB1 sprengen und sollten daher weiterhin in den guten Händen der ZiB2-Moderatoren bleiben.

kaljakoppa: Würden Sie gerne Armin Wolf interviewen und was würden Sie ihn fragen?

Rainer Hazivar: Mit der Frage tue ich mir nun ein bisschen schwer, ich bin Jahre lang schräg gegenüber von ihm gesessen, da fehlt mir einfach die Distanz.

Facialbook: Herr Hazivar, kritische Stimmen – gerade auch im STANDARD-Forum – meinen, Sie hätte eine "Neigung zum Nuscheln". Wie gehen Sie mit Kritik dieser Art um, gibt es Coaches beim ORF, die regelmäßig Feedback geben?

Rainer Hazivar: Also zuerst einmal bitte ich um Verständnis, wenn es mir vor lauter Aufregung noch ein wenig die Sprache verschlägt. Und ja, es gibt ziemlich strenge Trainer, die einem recht forsch erklären, dass man beim Reden den Mund aufmachen soll. Und zwar ziemlich weit.

UserInnenfrage per Mail: Wie lange sitzen Sie in der Maske?

Rainer Hazivar: Immer etwas kürzer als die bemühten Maskenbildnerinnen es gerne hätten, aber ich tu mir leicht, da ich auf die Frage "Was machen wir mit den Haaren?" immer mit einem kurzen "Bitte nichts." antworten kann.

Renegade Hardware Ltd.: Tragen Sie während der Sendung neben Sakko auch eine passende Hose, oder ist das (weil nicht sichtbar) unnötig?

Rainer Hazivar: Ich trage während der Sendung immer einen vollständigen Anzug und Prada-Schuhe. Sowohl das Gewand als auch die Schuhe sind weitaus schöner als ich.

Edi Rudlinger: würde es sie nicht reizen neuer dancing star zu werden?

Rainer Hazivar: Ich war zwar Ellmayer, habe aber alles was mit Tanzen zu tun hat damit und damals umfassend erledigt. Bei der jetzigen Staffel zittere ich selbstverständlich mit meinen Kolleginnen Lisbeth Bischof und Andrea Puschl mit und hoffe, dass die beiden ins Finale kommen und dann möge die Bessere gewinnen.

Dominik Reiter: Welchen Ratschlag/Überlebenstipp haben Sie für Nachwuchsjournalisten?

Rainer Hazivar: Es ist nie wichtig besonders viel zu können, aber es empfiehlt sich, wenigstens irgendetwas besonders gut zu können.

UserInnenfrage per Mail: Im Kopf des Tages im STANDARD konnte man lesen, dass Sie gerne in Triest sind. Was gefällt Ihnen so an Triest?

Rainer Hazivar: Entspannte Stadt und zu Silvester der unschlagbare Vorteil, dass es dort im Normalfall um zehn Grad mehr hat als hier.

RakaJam: Ihr Leben wird verfilmt; wie lautet der Titel?

Rainer Hazivar: "Anchorman 3" aber Will Ferrell hat immer noch die Hauptrolle.

ModeratorIn: Wir bedanken uns bei Rainer Hazivar für das Kommen und bei den UserInnen für die zahlreichen Fragen. Schönen Tag noch!

Rainer Hazivar: Von mir ebenfalls ganz besonders, Nadja Bernhard und ich erwarten Sie heute nicht um 19.30, da sind nämlich die anderen dran.

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