Haban-Überfall: Zweiter Verdächtiger in Italien festgenommen

30. Dezember 2013, 12:55
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Aufgrund österreichischen Haftbefehls von 2002 - Freilassung, weil er 2003 in Italien freigesprochen wurde

Rom - Im Fall um den erschossenen Geschäftsführer des Wiener Innenstadt-Juweliers Haban vor 15 Jahren ist am 27. Dezember ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Der 38-jährige Andrea S. wurde von den Carabinieri in Poggio Renatico nahe der norditalienischen Stadt Ferrara vorübergehend verhaftet, berichteten italienische Medien und die Gratiszeitung "Heute".

Festnahme wegen mehrerer Delikte

Die Festnahme bezog sich auf einen vonseiten Österreichs aufrechten Haftbefehl aus dem Jahr 2002. Bereits zuvor wurde ein Komplize des 38-Jährigen, Michele D., in Gewahrsam genommen. Österreich hatte via Interpol nach D. gefahndet. Die Festnahme erfolgte wegen mehrerer Delikte.

Andrea S. - das österreichische Bundeskriminalamt bestätigte seine Festnahme vor drei Tagen - wurde laut italienischen Medien zunächst in die Strafanstalt Ferraras eingeliefert. S., der in Poggio Renatico lebt, wurde jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, wie ein Richter des Berufungsgerichts von Bologna der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mitteilte. Die Freilassung wurde aufgrund der Tatsache beschlossen, dass S. letztinstanzlich vom Kassationsgericht in Rom 2003 vom Vorwurf freigesprochen worden war, den Juwelier Siegfried Goluch damals erschossen zu haben.

"Mein Mandant ist frei, steht jedoch den österreichischen Justizbehörden zur Verfügung. Wir vertrauen darauf, dass der Fall so rasch wie möglich geklärt wird", betonte der Rechtsanwalt des Verdächtigen, Alessandro Cristofori, nach Angaben der ANSA. Laut Thomas Vecsey von der Staatsanwaltschaft Wien sei man in Kontakt mit den italienischen Behörden. Allerdings könne man im EU-Raum nicht zweimal wegen desselben Delikts vor Gericht stehen. Vor über einer Woche wurde bereits Michele D. in Bologna verhaftet, der ebenfalls in den Fall Haban verwickelt war, aber auch wegen weiterer Delikte gesucht wurde.

Mit Kopfschuss getötet

Ein mutmaßlicher Komplize der beiden, Massimiliano F., wurde Anfang 2003 in München festgenommen und nach Österreich ausgeliefert. Hierzulande wurde der Standpunkt vertreten, dass die italienische Entscheidung das Wiener Verfahren nicht berühre, da der Fall zu keinem Zeitpunkt an Italien abgetreten worden war. In Wien wurde F. wegen des Überfalls auf den Juwelier Haban schließlich der Prozess gemacht - und F. wurde 2004 wie schon in Italien 2003 rechtskräftig freigesprochen.

Der Juwelier Goluch war am 9. Mai 1998 in Anwesenheit von zwei Kunden bei einem Raubversuch im Juweliergeschäft Haban in der Wiener City durch einen Kopfschuss aus einer Pistole getötet worden. (APA, 30.12.2013)

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