Zustand von Schumacher leicht verbessert

31. Dezember 2013, 11:14
907 Postings

Ärzte wagen nach zweiter OP weiterhin keinerlei Prognosen - "Wir haben etwas Zeit gewonnen" - "Es liegt noch ein langer Weg vor ihm" - Zustand des Formel-1-Rekordweltmeisters weiter ernst

Grenoble - Der Gesundheitszustand des schwer verunglückten ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher hat sich leicht verbessert. Dennoch befindet sich der 44-Jährige weiterhin in einer kritischen Verfassung. Nach einer erneuten Kopfoperation ist die Gesamtsituation aber zumindest "etwas besser unter Kontrolle", wie die Ärzte im Klinikum Grenoble am Dienstagvormittag mitteilten.

Schumacher ist aber auch nach dem rund zweistündigen Eingriff, bei dem ein Hämatom im Gehirn entfernt wurde, nicht außer Lebensgefahr. Er befindet sich weiterhin im künstlichen Koma. Man könne aber von einer Stabilisierung des Gesamtzustandes sprechen, erklärten die Ärzte bei einer Pressekonferenz.

"Die Situation ist jetzt unter besserer Kontrolle als gestern, wir können aber nicht sagen, dass er außer Gefahr ist", betonte der Chef der Anästhesie-Abteilung, Jean-Francois Payen. "Wir haben mehr Zeit gewonnen. Die kommenden Stunden sind aber von entscheidender Bedeutung", bekräftigte der Mediziner. "Wir arbeiten uns Stunde für Stunde voran." Es gebe Phasen der Stabilität, dann aber auch wieder Veränderungen.

Ärzte überrascht von OP-Möglichkeit

Schumacher hat immer noch weit verbreitete Blutgerinnsel im Gehirn. Es sei wirklich nicht der Zeitpunkt, um Vorhersagen zu treffen. Die anderen Hämatome seien unter anderem schwer zugänglicher als das, welches bei der zweiten Operation entfernt wurde.

Der Innendruck in Schumachers Schädel konnte durch den Eingriff gegen 22.00 Uhr am Montagabend aber gemindert werden. Dass Schumachers Zustand sich so entwickelt hatte, dass die Operation möglich wurde, hatte die Ärzte nach eigener Aussage selbst überrascht. Es hatte ein Überdruck im Schädel vorgelegen, der größte Besorgnis ausgelöst hatte, erklärte Payen.

Ein Scan habe aber gezeigt, dass ein Eingriff möglich sei. Nach Absprache mit den behandelnden Ärzten und der Familie von Schumacher - neben Frau Corinna mit den beiden Kindern sind auch Bruder Ralf und Vater Rolf vor Ort - nahmen die Mediziner diesen umgehend vor. Dabei wurde ein Bluterguss in der linken Hirnseite entfernt.

"Wir müssen realistisch sein. Die ganze Familie ist sich im Klaren darüber, dass die Situation kritisch ist", betonte Professor Gerard Saillant, der als Freund mit nach Grenoble gereist ist. Er kennt Schumacher seit vielen Jahren und behandelte den siebenfachen Weltmeister nach dessen schwerem Rennunfall 1999 in Silverstone.

Angeblich Helm gebrochen

Der lebensgefährliche Unfall auf Skiern passierte am Sonntagvormittag in Meribel. Schumacher hatte unmittelbar vor seinem schweren Skiunfall einem auf der Piste gestürzten Freund geholfen. Anschließend sei Schumacher in den Tiefschneebereich zwischen zwei Pisten gefahren, berichtete seine Managerin Sabine Kehm am Dienstag in Grenoble unter Hinweis auf Schilderungen von Begleitern.

Dort sei der 44-Jährige beim Ansatz zu einer Kurve gegen eine Felsen gefahren und in die Luft geschleudert worden. Kopfüber sei er dann auf einen Felsen gestürzt, sagte Kehm vor Journalisten.

Damit wurden erstmals Details des Unfalls bekannt, der sich am Sonntagvormittag in Meribel ereignet hatte. Schumacher war demzufolge nicht mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Nach "Bild"-Informationen war bei dem Aufprall sein Ski-Helm gebrochen. Dies berichtete das Blatt und zitierte einen Retter mit den Worten: "Als wir zur Unfallstelle kamen, war sein Helm gespalten." Das konnten die Ärzte aber nicht bestätigen.

Schumacher war unmittelbar nach dem Unfall ansprechbar, aber verwirrt. Er wurde letztlich in die renommierte Traumatologische Abteilung des Universitätskrankenhauses von Grenoble gebracht. Weil sich der Zustand des Kerpeners verschlechtert hatte, wurde Schumacher dort umgehend notoperiert. Wie dramatisch die Situation vor allem am Montag noch war, wurde bei der Pressekonferenz am Dienstag deutlich. "Wir sind etwas weniger besorgt als gestern", meinte Saillant. "Wir wollen diese Schlacht gewinnen."

Nicht markierte Piste

Der Unfall am Sonntagvormittag auf einer nicht markierten Piste in Meribel habe sich mit hoher Geschwindigkeit ereignet, betonten die Ärzte angesichts der Schwere der Kopfverletzungen. "Sein Helm hat ihn geschützt. Jemand, der diesen Unfall ohne Helm gehabt hätte, hätte es wohl nicht bis ins Krankenhaus geschafft", sagte der Leiter der Anästhesie-Abteilung, Jean-Francois Payen.

Die Anteilnahme für Schumacher riss unterdessen nicht ab. Auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton ist mit seinen Gedanken bei ihm. "Denke heute an Michael Schumacher und bin dankbar, für alles, was er für die Clinton Foundation und andere gemacht hat", schrieb Clinton beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich bete für ihn und seine Familie." Der spanische Fußball-Nationalspieler Cesc Fabregas vom FC Barcelona twitterte: "Alle Kraft für #MichaelSchumacher, wir sind alle bei Dir". (APA/sid, 31.12.2013)

  • In der Grenobler Klinik wird um Michael Schumachers Leben gekämpft.
    foto: epa/valat

    In der Grenobler Klinik wird um Michael Schumachers Leben gekämpft.

  • Die Ärzte können noch keine Prognosen stellen.
    foto: reuters/pratta

    Die Ärzte können noch keine Prognosen stellen.

  • Auf dieser Piste soll Schumacher gestürzt sein.
    foto: apa/ebener

    Auf dieser Piste soll Schumacher gestürzt sein.

Share if you care.