Zukunft für Asamer dank Bankenverzichts

30. Dezember 2013, 16:42
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Der angeschlagene Baustoffkonzern Asamer kann in geschrumpfter Form weitermachen

Ohlsdorf/Wien - Eine Ära geht zu Ende. Erstmals in der Geschichte des vor 54 Jahren von Hans Asamer in Ohlsdorf, Oberösterreich, gegründeten Unternehmens ist die Eigentümerfamilie aus der operativen Führung des Baustoffkonzerns Asamer verbannt. Manfred, Kurt und Andreas Asamer wechseln in den Aufsichtsrat. Das war Teil der Vereinbarung mit den finanzierenden Banken. Der Restrukturierungsplan des in Schieflage geratenen Baustoffkonzerns sieht außerdem eine deutliche Schrumpfung der Gruppe vor.

Mitte November ist bekannt geworden, dass die in gut einem Dutzend Ländern, darunter Libyen, Polen und Russland, tätige Baustoffgruppe mit bis zu 900 Millionen Euro verschuldet ist. Als sich die Verluste 2012 auf knapp 100 Millionen summierten und die Außenstände kurzfristig stark stiegen, bekamen die finanzierenden Banken kalte Füße. Die insgesamt 17 involvierten Institute unter Führung der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich mahnten einen harten Sanierungskurs ein.

Von den 452 Millionen Euro Umsatz, die 5300 Mitarbeiter der Asamer Holding AG zuletzt erwirtschafteten, werden nur mehr rund 180 Millionen bleiben. Im Wesentlichen sind es die Kies- und Betonaktivitäten in Österreich, der Slowakei und Bosnien, die unter dem Namen Asamer fortbestehen werden. Mit der Geschäftsführung des Kernkonzerns wurde der langjährige Leiter der Division Zement bei Asamer, Klaus Födinger, betraut. Firmen in Osteuropa und in arabischen Ländern (Saudi-Arabien, Emirate) wurden verkauft oder sind gerade in Abwicklung.

Investorensuche

Die Aktivitäten in Libyen und Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, werden in eine separate Holding (AHAG) ausgelagert. Die Verantwortung dafür wurde dem deutschen Sanierer Jörn Trierweiler übertragen, der Ende 2011 zu Asamer gestoßen ist.

In die Unternehmungen, die nicht zum Kernkonzern zählen, sollen Investoren und/oder strategische Partner als Teilhaber eingebunden werden. Speziell gelte das für die Zementwerke in Libyen, teilte Asamer am Montag mit. Trotz der politisch instabilen Verhältnisse entwickle sich der lokale Markt gut. Im zweiten Jahr nach der Revolution seien in Libyen bereits wieder 1,6 Mio. Tonnen Zement produziert und ein positives Ergebnis erwirtschaftet worden. Andreas Asamer, einer der drei bisher im Konzern tätig gewesenen Brüder, will gemeinsam mit Partnern Teile der Ost- und Südosteuropaaktivitäten aus dem Konzern herauskaufen.

Nach Standard-Informationen haben die involvierten Banken auf Teile ihrer Forderungen verzichtet. Als finanzierende Institute für den Kernkonzern von Asamer sind neben der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich noch die Allgemeine Sparkasse Oberösterreich und Raiffeisen International mit von der Partie. Die Mehrzahl der Banken, darunter Bank Austria und Oberbank, sind als Finanzier der Asamer-Gruppe ausgestiegen. Deren Forderungen wurden zum Teil von den drei verbliebenen Instituten übernommen. (Günther Strobl, DER STANDARD, 31.12.2013)

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