Österreichischer Chefverhandler vor den Vorhang

Kopf des Tages29. Dezember 2013, 18:25
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Stephan Klement leitet die iranischen Atomgespräche

Fotos mit ihm sind gar nicht so einfach zu finden: Da steht er in der zweiten Reihe, hinter EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton, die gemeinsam mit dem amerikanischen und dem iranischen Außenminister in die Linse blickt. Aber wenn Ashton nicht dabei ist, leitet der Österreicher Stephan Klement die Atomgespräche. Er ist es dann, der mit den Iranern verhandelt und die Gruppe der P-5+1 (die Uno-Vetomächte und Deutschland) koordiniert, im Dezember in Wien und heute, Montag, wieder in Genf.

Wenn man den Werdegang von Stephan Klement ansieht - der 1966 in Graz geboren wurde, wo er das Lichtenfelsgymnasium besuchte -, bleibt man gleich einmal beeindruckt bei seiner Studienzeit hängen. Im Februar 1995 schließt Klement in Wien sein Studium der Theoretischen Physik (Complex Dynamical Systems) summa cum laude ab, nur fünf Monate später macht er seinen Doktor in Jus. Letzteres habe er ja eigentlich nur seinem Vater, dem Anwalt, zuliebe studiert, sagte er - in der Verwandtschaft sind alle entweder Juristen oder Ärzte. Sein Dissertationsthema an der juridischen Fakultät - der Atomwaffensperrvertrag - wird aber gleichzeitig zur Schnittstelle zwischen seinen beiden Fächern.

Danach hätte es auch eine Universitätskarriere werden können: Ein Jahr verbringt Klement als Schrödinger Research Fellow an der Universität in Southampton. 1997 dockt er jedoch in der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an, von dort geht es weiter in die EU, nach Brüssel, Luxemburg und wieder Brüssel - allerdings unterbrochen von einem Jahr beim Beratungsunternehmen McKinsey in Athen. Das ist wohl seinem Griechenlandfaible geschuldet, wo er seit mehr als vierzig Jahren seine Sommer verbringt, in einem kleinen Dorf auf Chalkidike. Das hat dazu geführt, dass er neben Englisch und Französisch, Italienisch und Spanisch auch Griechisch spricht.

In seiner jetzigen Funktion als "Chefberater" für das iranische Atomdossier in der Abteilung Strategische Planung des Diplomatischen Dienstes der EU ist Stephan Klement seit fast drei Jahren. Die Frage, was er in seiner Freizeit macht, ist seither eine eher theoretische. Gern betreibt er Sport - bis vor kurzem lief er Marathon, und zwar "sehr schnell". Der unverheiratete Vater zweier Töchter (acht und siebzehn) liest auch gern und beschäftigt sich mit Psychologie. Anzunehmen, dass er das in seinem Verhandlerjob gut brauchen kann. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 30.12.2013)

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