Monte dei Paschi: Wie im Mittelalter

Kommentar29. Dezember 2013, 18:04
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Triebfeder, die Kapitalerhöhung ihrer Bank im Jänner 2014 zu verhindern, waren politisches Machtstreben und das Fehlen jeglicher Visionen der Stiftungspräsidentin

Nicht wirtschaftliches Vernunftdenken hat die Entscheidung der Stiftung Monte dei Paschi beeinflusst, die Kapitalerhöhung ihrer Bank im Jänner 2014 zu verhindern. Triebfeder für Stiftungspräsidentin Antonella Masi waren politisches Machtstreben und das Fehlen jeglicher Visionen. Würde die Aufstockung sofort stattfinden, könnte die hochverschuldete Stiftung nicht mitziehen. Sie müsste ihre Dominanz beim Traditionshaus aus Siena abgeben. Seit Jahren hat sie mit gut einem Drittel der Anteile das Sagen. Dies wirkte sich bisher fatal auf das Bankgeschäft aus.

In den vergangenen zwei Jahren hat Monte dei Paschi Milliardenverluste angehäuft und konnte nur dank staatlicher Hilfe vor dem finanziellen Zusammenbruch bewahrt werden. Ein Engagement ausländischer Investoren wäre der Bank höchst gelegen gekommen. Denn sie muss 2014 fast drei Milliarden Euro an Staatshilfe zurückzahlen, um nicht unter die Fittiche des Staates zu geraten.

Die weltweit älteste Bank wurde 1472 in Siena gegründet. Damals war jeglicher Einfluss von außen – wäre er auch nur aus der Nachbarstadt Florenz gekommen – verpönt. Auch 540 Jahre später agiert die Stiftung wie im Mittelalter. Der Bürgermeister von Siena, der bei der Stiftung den Ton angibt, will keinen fremden Einfluss. Die Ablehnung der Kapitalmaßnahme ist nicht nur als Revolte gegen das Management zu werten. Es handelt sich um eine klare Ablehnung gegen die EU-Politik und die Liberalisierung des Bankensystems. Doch mit Provinzialismus und Patriotismus wird sich Italiens drittgrößte Bank nicht retten lassen. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 30.12.2013)

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