Mordsschauspiel mit Borowski und dem Engel am "Tatort": Top oder Flop?

Ansichtssache29. Dezember 2013, 17:36
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Manchmal schadet es nicht, die Grundlagen noch einmal zu klären. Zum Beispiel die Frage: Warum morden Menschen? Axel Milberg stellt sich und Studenten in einem Hörsaal diese Frage als Kieler Kommissar Borowski in der Tatort-Folge "Borowski und der Engel". Mit Assistentin Sarah Brandt ermittelt er bei einem Verkehrsunfall. Eine Frau raste mit ihrem Wagen in einen Blumenladen - und in einen davor stehenden jungen Mann. Altenpflegerin Sabrina (Lavinia Wilson) versuchte beherzt, die beiden Unfallopfer zu retten.

foto: orf/ard/christine schröder

Einzig der Zuschauer weiß, dass sie das Unglück überhaupt erst verursacht hat: Sie hat eine Katze auf die Straße gescheucht. Sabrina lebt allein. Im Fernsehen sieht sie sich alte Hollywoodschnulzen an, beim Frisör lässt sie sich wie eine Diva zurechtmachen. Wenn sie zu dem alten Mann, den sie pflegt, "Sie sind einsam" sagt, dann meint sie damit sich selbst.

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foto: orf/ard/christine schröder

Es müssen einige Menschen ihr Leben lassen in diesem Tatort, und immer wird Sabrina, seit dem Unfall als mutige Heldin gefeiert, ihre Hände im Spiel haben. Sie hat sich selbst die Rolle des selbstlosen Engels auf den Leib geschneidert - und manche kommen bei ihrem Schauspiel eben (teilweise buchstäblich) unter die Räder.

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foto: orf/ard/christine schröder

Die Antwort, die dieser spannende, sehr stimmige "Tatort" auf die Eingangsfrage hat, ist diese: Die Gründe, weswegen Menschen morden, sind so vielschichtig und diffus wie die Menschen selbst. Daran muss bisweilen auch die Aufklärung scheitern. Der einzige "richtige" Mord, den Sabrina begangen hat, wird mangels Leiche nie entdeckt. Dafür wird sie zu Unrecht für einen anderen verurteilt. Die Wege des Herrn sind halt genauso unergründlich wie die der Menschen. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 30.12.2013)

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foto: orf/ard/christine schröder

"Eine grandiose Philosophie über Gut und Böse; über Schein und Sein mit Lavinia Wilson in der Hauptrolle, die einem lange in Erinnerung bleiben wird", urteilt Holger Gertz in der "Süddeutschen Zeitung".

Christian Buß schreibt im "Spiegel" über diesen Fall: "Der Film folgt seiner kranken Heldin bedingungslos, registriert dabei noch die monströseste Wendung in dem (zugegeben: überspannten) Plot mit Witz und Zärtlichkeit. 'Love is in the air', egal wie krank sie auch sein mag. Sogar Kommissar Borowski führt sich in dem ungewohnt warmen Klima ganz keck auf."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 29.12.2013)

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