Finnisches Oulu kämpft sich aus der Nokia-Depression

28. Dezember 2013, 12:29
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Microsoft plant Großinvestition in neues Daten-Zentrum - Ehemalige "Nokianer" finden gute Jobs

Im Winter wird es im finnischen Oulu kaum hell. Wegen des Niedergangs von Nokia fürchteten viele, dass sich nun auch die Aussichten der Stadt mit 200.000 Einwohnern rapide verdunkeln. Einst war der Handypionier der weitaus größte private Arbeitgeber. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum arbeiteten einst 5.000 Beschäftigte. Seit Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft sind es weniger als 2.500.

Arbeitslosenquote bei sechzehn Prozent

Trotz der Jobverluste sieht es für Oulu inzwischen gar nicht mehr so finster aus. Zwar erreichte die Arbeitslosenquote im Sommer 16 Prozent und damit den höchsten Wert seit Finnlands Finanzkrise Anfang der 1990er Jahre. Doch nun macht sich Zuversicht breit, da Firmen verstärkt Interesse an der Stadt zeigen.

Daten-Zentrum von Microsoft

Die wirtschaftliche Erholung scheint mehr als greifbar für Oulu, das 600 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Helsinki liegt und wo die Temperatur im Jahresschnitt nicht über zwei Grad Celsius hinausgeht. Die Stadt gilt als aussichtsreichster Kandidat für das neue Daten-Zentrum von Microsoft. Der US-Softwaregigant hat bereits angekündigt, nach der Übernahme von Nokias Handysparte in der ersten Jahreshälfte 2014 rund 250 Millionen Dollar (180,98 Mio. Euro) in solche Zentren in Finnland zu investieren.

Ehemalige “Nokianer“ finden neue Jobs

Schon jetzt finden immer mehr ehemalige "Nokianer" neue Jobs. Der frühere Manager Pasi Leipala beispielsweise ist inzwischen Chef des Design- und Softwareentwicklers Haltian mit nunmehr 70 Angestellten. Im vergangenen Jahr konnte man die Zahl der Mitarbeiter noch an einer Hand abzählen. "Das Beste an Oulu ist, dass hier so viele gut ausgebildete Leute leben. Es ist einfach, einige der besten Talente einzustellen", sagt Leipala.

Broadcom zeigt Interesse

Dies scheint auch Broadcom zu reizen. Der US-Chipkonzern dürfte, so wird erwartet, die finnische Modem-Sparte des japanischen Unternehmens Renesas Electronics kaufen und dann einen Großteil der Mitarbeiter übernehmen. Und ein weiterer Hoffnungsschimmer zeichnet sich ab: Nokias Netzwerksparte NSN, die nach dem Microsoft-Deal mittlerweile für den Großteil des Geschäfts steht, denkt darüber nach, die Belegschaft aufzustocken.

Finnische Bildungspolitik

Oulus Wiederauferstehung ist auch eine Folge der ambitionierten finnischen Bildungspolitik, deren Ziel es ist, die Bevölkerung von 5,4 Millionen Menschen wettbewerbsfähig zu halten. Beim jüngsten OECD-Test zu den Lese- und Rechenfähigkeiten landeten die Finnen hinter den Japanern auf Platz zwei. Selbst nach finnischen Maßstäben gilt Oulu dank seiner angesehenen Universitäten als Vorreiter. Nun soll die Entwicklung der Stadt dem ganzen Land Mut machen, das für 2013 mit einer leicht schrumpfenden Wirtschaft rechnet. Langsam kommen rund um Oulu auch traditionelle Branchen wie Forstwirtschaft und Maschinenbau wieder in Schwung. Unternehmen wie der Spezial-Gerüstebauer Kymppi-Eristys setzen auf den Export und machen damit gute Umsätze.

Kopfhörer zur Bekämpfung von Winterdepressionen

Während im Sommer die Luftgitarren-Weltmeisterschaft für Touristenschlangen sorgt, wollen findige Geschäftsleute in Oulu nun aus der dunklen Jahreszeit Profit schlagen. Der frühere Nokia-Ingenieur Antti Aunio gründete zusammen mit einem Freund die Firma Valkee, die Kopfhörer zur Bekämpfung von Winterdepressionen herstellt. Mehrere Kapitalgeber haben sich bereits gefunden. Sie sind überzeugt von der Erfindung, die helles Licht über den Ohrkanal an bestimmte Hirnregionen leitet. Das soll in düsteren Monaten die Stimmung heben. (APA, 28.12.2013)

  • Nach der Nokia-Ära: Die finnische Stadt Oulu kämpft. Mit Erfolg.
    foto: reuters

    Nach der Nokia-Ära: Die finnische Stadt Oulu kämpft. Mit Erfolg.

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