Festnahme in Schmiergeldaffäre um deutsche Waffen

31. Dezember 2013, 08:22
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Ehemaliger Repräsentant des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann soll 750.000 Euro Schmiergeld gezahlt haben

München - In Griechenland ist im Zusammenhang mit einer Schmiergeldaffäre der frühere Repräsentant eines großen deutschen Rüstungskonzerns verhaftet worden. Wie die Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA am Montag meldete, handelt es sich um den Unternehmer Dimitris Papachristos, der um das Jahr 2000 für das Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in Athen gearbeitet habe. 

Der wegen Bestechlichkeit angeklagte frühere Leiter des Direktorats für Rüstungsbeschaffungen, Antonis Kantas, hatte Papachristos letzte Woche in seiner Aussage namentlich genannt.

750.000 Euro Schmiergeld

Demnach soll Papachristos ihn mit 750.000 Euro für den Kauf von 24 Panzerhaubitzen vom Typ PZH2000 durch die griechische Armee geschmiert haben. Die Waffensysteme sollen den griechischen Staat im Jahr 2001 fast 200 Millionen Euro gekostet haben. Laut seiner Aussage hatte Kantas von 1997 bis 2002 ungefähr acht Millionen Euro Schmiergelder für verschiedene Rüstungsaufträge in Milliardenhöhe erhalten.

Beim Verkauf von 170 Panzern vom Typ Leopard 2 für insgesamt 1,7 Milliarden Euro aus Deutschland nach Griechenland soll nach Presseinformationen Schmiergeld geflossen sein. Ein ehemaliger Spitzenbeamter des Verteidigungsministeriums in Athen habe dies bei der dortigen Staatsanwaltschaft ausgesagt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Samstagsausgabe.

Antonios Kantas, der im Ministerium von 1992 bis 2002 das Direktorat Rüstung geleitet hatte, legte demnach kurz vor Weihnachten ein umfassendes Geständnis ab. Er habe zugegeben, für Waffeneinkäufe aus Deutschland, Frankreich, Russland, den USA und Israel insgesamt acht Millionen Euro Schmiergeld kassiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Athen wolle nun offenbar gegen zahlreiche weitere Verdächtige ermitteln.

14 Millionen auf Geheimkonto

Kantas war Mitte Dezember verhaftet worden, nachdem die Behörden auf Geheimkonten von ihm fast 14 Millionen Euro entdeckt hatten. Der frühere Spitzenbeamte räumte dem Bericht zufolge ein, dass das Vermögen aus Schmiergeld stammte, das er zinsbringend angelegt habe. Für das Panzergeschäft mit der deutschen Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann (KMW) habe er von einem griechischen KMW-Vertreter 1,7 Millionen Euro bekommen. Den Mittelsmann, der jetzt ebenfalls zu den Verdächtigen zählt, nannte Kantas laut "Süddeutscher Zeitung" mit Namen.

Krauss-Maffei Wegmann teilte auf Anfrage der Zeitung mit, man habe weder an Kantas noch an sonst jemanden "Schmiergeld gezahlt oder zahlen lassen". KMW verpflichte alle Mitarbeiter und Geschäftspartner, sich strikt rechtmäßig zu verhalten. Der Auftrag aus Griechenland sei sorgfältig überwacht worden. Der Kaufvertrag datiere vom 20. März 2003. Griechenland sei dabei nicht von Kantas vertreten worden, erklärte Krauss-Maffei Wegmann.

Nach den Erkenntnissen der Athener Ermittler soll der ehemalige Rüstungsdirektor allerdings zuvor für die Ausschreibung des Milliarden-Auftrags zuständig gewesen sein und so großen Einfluss auf die spätere Vergabe gehabt haben. Die 170 Panzer wurden Ende des vergangenen Jahrzehnts von KMW geliefert und sind inzwischen bis auf wenige zehn Millionen Euro bezahlt. Das Unternehmen KMW, das früher Kraus-Maffei hieß, hat über Jahrzehnte hinweg mehr als 5000 Leopard-Panzer gebaut und in zahlreiche Länder geliefert.

Auch U-Boot-Geschäfte betroffen

Kantas nannte dem Blatt zufolge bei seiner Vernehmung weitere Geschäfte mit deutschen Firmen, für die er Schmiergeld bekommen habe. Es sei dabei um die Modernisierung von U-Booten der Poseidon-Klasse durch die Unternehmen Rheinmetall und Atlas sowie um das Flugabwehrsystem Asrad von Rheinmetall gegangen. Rheinmetall gehört wie KMW zu den führenden deutschen Rüstungsfirmen.

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt seit längerem wegen mutmaßlicher Bestechung griechischer Amtsträger durch Rheinmetall und Atlas bei Poseidon und Asrad. Im Zuge dieser Untersuchung war auch das Rheinmetall-Büro in Athen durchsucht worden. Dadurch kam die Staatsanwaltschaft Kantas auf die Spur. (APA, 28.12.2013)

  • Exportschlager 'Panzerhaubitze 2000'
    foto: epa/maurizio gambarini

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