Die Kuckuckskinder und die biblischen Plagen

27. Dezember 2013, 19:08
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Von Julya Rabinowich

Das Fest der Liebe liegt - mehr oder weniger dramatisch - nun hinter uns. Für Mensch und Baum lässt sich zusammenfassend sagen: Wir haben es überstanden. Ich Assimilierte habe mich nach emotionalem Ungleichgewicht letztendlich gegen eine Tanne, jedoch für den Ankauf einiger Kugeln in Granatapfelform und für die Einnistung bei Fremdbäumen entschieden.

Im Unterschied zum fleißigen und anständigen Kuckuck legte ich dabei nicht nur mein Kind in anderer Leute Nester, sondern mich als Ganze gleich mit dazu. Nachdem wir dort weiter penibel dem Kuckucksfahrplan folgten und die Gastgeber kahlfraßen, glaube ich, dass diese Gastgeber uns bald nicht mehr mit Kuckuckskindern, sondern im Geheimen mit einer oder vielleicht sogar mit mehreren der biblischen Plagen verglichen haben.

Passt irgendwie eh zu Weihnachten. Finde ich. Ist doch ein Fest des Vergebens und des Nehmens. Bei jener Partei, die dieses Fest nicht nur am 24. oder am 25., sondern angeblich ganz genau 365 Tage im Jahr über ganz Österreich verteilt feiert, meldeten sich verlässlich auch wieder Nächstenliebende zu Wort, die für Ute Bock, die derzeit an einem Schlaganfall laboriert, knapp vor Weihnachten nur Spott und Häme übrighatten.

Man will sich gar nicht mehr fragen, was dazu führt, dass Menschen es nötig haben, sich derart zu gebärden, und andere es nötig haben, diese sich Gebärdenden auch noch zu verteidigen: War ja nicht so gemeint. Die FPÖ ist sowieso verlässlich die Partei der Nichtmeinenden. Genaugenommen die Partei der So-nicht-Meinenden. Da schaut das neue Jahr gleich wieder so alt aus, dass man schreien könnte.

Ich sollte aber weg vom Image der biblischen Plage und dringend etwas optimistischer werden. Biblische Plagen sind nicht so reißend beliebt. Ich nehme mir also vor, etwas mehr Buntzumalen, das neue Jahr betreffend. Ich wünsch mir etwa, dass meine Trommelfelle den Gang durch die Stadt heil überstehen, und zwar bitte auch schon mehrere Tage vor Silvester, da knallen die Ejaculatio-praecox-Sprengköpfe nämlich ihr halbes Sortiment vorzeitig durch die Gegend.

Und dann wünsche ich mir auch noch, dass die vielen Finger, die alle Jahre wieder durch Gärten, Keller und Zimmer fliegen, dieses Mal an den bastelwütigen Pfoten dranbleiben. Und dass das dabei ersparte Geld vielleicht der Ute Bock und ihrer Tätigkeit zugutekommt. Der Frau Ute Bock wünsche ich Genesung und Heilung und ein wenig mehr Respekt ihr gegenüber wünsche ich mir von jenen, die von sich aus sowieso nichts für andere Menschen unternehmen würden, es sei denn, es springt genügend für sie dabei heraus, idealerweise für keine Leistung. Es ist bekanntlich nie zu spät. In diesem Sinne: auf, auf ins neue Jahr. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 28./29.12.2013)

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