Busroute verkürzt: Aufregung um den 260er

27. Dezember 2013, 19:35
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Passagiere beklagen erhebliche Zeiteinbußen durch Umwege mit anderen Öffis

Wien - Für viele Schüler aus Wiens Süden bot die Buslinie eine oft direkte Verbindung zur Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Mödling, der mit 3500 Schülern wohl größten Schule Europas. Die Höhere Bundeslehranstalt für Tourismus und wirtschaftliche Berufe in der Wiener Bergheidengasse lag auf der Route des 260er. Und Schüler, Arbeitspendler und Pensionisten aus der südlichen Umgebung Wiens schätzten die Busverbindung von Mödling durch das südliche Wien bis zur U4-Station Hietzing.

Gründung einer Bürgerinitiative

Seit Mitte Dezember verkehrt der Bus nur noch von Mödling bis zur U6-Endstation Siebenhirten, dem südlichsten Verkehrsknotenpunkt für Öffis. Das veranlasste verärgerte Fahrgäste zur Gründung einer Bürgerinitiative und zur Sammlung von 2600 Unterschriften gegen die Kürzung der Linie. "Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben", sagt Wolfgang Bernhuber, grüner Gemeinderat in Maria Enzersdorf. "Viele Fahrgäste müssen zwei- bis dreimal öfter umsteigen, um ihr Ziel zu erreichen, und erhebliche Zeiteinbußen hinnehmen. Da steigen sie lieber - wenn möglich - wieder aufs Auto um." Auch der Bus 265 von Mödling zum Südtiroler Platz fährt als neue Endstation nur noch Siebenhirten an.

"Wir bitten schon um Verständnis, dass wir nicht für jeden einzelnen Fahrgast die beste Lösung finden können", sagt Georg Huemer, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR). "Insgesamt haben wir mit dem neuen Verkehrsangebot aber eine Verbesserung hingekriegt."

Der Plan, der den Routenänderungen zugrunde liegt, ist folgender: Fahrten mit Vorortebussen durch Wien sollen vermieden und stattdessen Verkehrsknotenpunkte an den Stadtgrenzen angesteuert werden. Bei der erstbesten Gelegenheit sollen die Fahrgäste dann in Schnell- und U-Bahn-Linien umsteigen. Eine Einsparungsmaßnahme sei das nicht. Bei anderen Linien sei etwa die Taktfrequenz erhöht worden.

U6 an Kapazitätsgrenze

Die schnellere Verkehrsanbindung an die U-Bahn-Endstationen hat aber auch einen Haken: Denn laut Verkehrsplanern stößt vor allem die U6 in den Stoßzeiten längst an ihre Kapazitätsgrenzen, auch andere Linien sind überlastet. Der Anstieg an Öffi-Nutzern auch durch die 365-Euro-Jahreskarte wird von der rot-grünen Stadtregierung als Erfolg bezeichnet, andererseits gibt es für einen Großausbau öffentlicher Verkehrslinien keinen Masterplan. Die in Bau befindliche U1-Verlängerung nach Oberlaa wird als primäres Ziel verfolgt. Eine Linie U5 zwischen Hernals und Gudrunstraße ist laut Bürgermeister Michael Häupl (SP) bis zumindest 2025 kein Thema. Und auch eine Verlängerung der U2 in den Süden ist nicht fixiert.

Dabei wird für Wien in den kommenden Jahren ein Wachstum von jährlich etwa 25.000 Menschen prognostiziert. Entlang und in der Nähe der einstigen 260er-Trasse zwischen Siebenhirten und Hietzing sollen in Stadtentwicklungsgebieten tausende neue Wohnungen entstehen. "Das Zeichen für potenzielle Öffi-Nutzer ist verheerend", sagt Bernhuber, der als Initiator von "Rettet den 260er" für die Erhaltung kämpft. "Bei der Haltestelle in Maria Enzersdorf hängt noch nicht einmal ein neuer Fahrplan. Da fährt der Bus noch bis Hietzing." Sein grüner Parteikollege und Wiens Verkehrssprecher Rüdiger Maresch unterstützt die Forderung nach Wiedereinführung der ursprünglichen Linie.

Beim VOR weiß man über Härtefälle Bescheid: über Schüler des Sportgymnasiums Maria Enzersdorf oder der HTL Mödling, die statt keinmal bis zu dreimal umsteigen müssen. Das Prinzip, stadtgrenzennahe Verkehrsknotenpunkte anzusteuern, werde aber weiter verfolgt, sagt VOR-Sprecher Huemer. Auch Haltestellen von beliebten Pendlerbussen, die die U-Bahn-Station Karlsplatz ansteuern, könnten an den Stadtrand verlegt werden. Aber nicht von heute auf morgen, wird versichert. So würde über die Buslinie von Oberwart nach Wien erst 2019 diskutiert werden. (David Krutzler, DER STANDARD, 28./29.12.2013)

  • Der 260er hat als neue Endstation Siebenhirten.
    foto: h.o.

    Der 260er hat als neue Endstation Siebenhirten.

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