Lernpausen helfen auch dem Mäusehirn

27. Dezember 2013, 18:45
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Wissenschafter des IST Austria demonstrieren, wie sich Nervenzellen in Mäusehirnen bei motorischen Übungen anpassen und welche Spuren das Training hinterlässt

Klosterneuburg - Bereits 1885 hat der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus herausgefunden, dass bei gleicher Lernzeit mehr im Gedächtnis bleibt, wenn man zwischendurch Pausen macht. Nun sahen Wissenschafter des IST Austria in Klosterneuburg im Mausmodell, dass durch das Training mit und ohne Pausen die Synapsen weniger wurden, sowie die Dornfortsätze an den Purkinjezellen (Neuronen im Kleinhirn), an denen sich die erregenden Synapsen befinden. Doch wenn die Mäuse durchlernen mussten, geschah dies langsamer, und die Veränderungen hielten nicht so lange an, als wenn die Forscher den Nagern Pausen gönnten.

Der Vorteil von Lernpausen liegt also, wie es in der im Magazin PNAS veröffentlichten Studie heißt, offenbar darin, dass die Nervenzellen ihre Verbindungen schneller anpassen und strukturelle Veränderungen länger währen. Allerdings können Schüler, die sich nach besonders langen Pausen sehnen, damit ihre Faulheit kaum rechtfertigen, denn nach einer Stunde Ruhe war zumindest bei den Mäusen das Optimum erreicht.

Auch in einer zweiten, ebenfalls in PNAS veröffentlichten Studie des IST Austria geht es um das Gehirn und seine Lernfähigkeit: Je nachdem, ob sich Eindrücke ins Kurz- oder ins Langzeitgedächtnis brennen, bilden sich die Nervenzellen im Gehirn auf unterschiedliche Art und Weise um, fanden die Forscher. Sie sahen auch, dass Lernpausen solche Nervenzellenveränderungen beschleunigen und dauerhafter machen, berichten sie.

Ein Team um Ryuichi Shigemoto ließ die Mäuse eine motorische Aufgabe üben. Die Tiere mussten ein Bild mit ausgleichenden Augenbewegungen stabilisieren, wenn sich die Umgebung bewegt. Die Wissenschafter untersuchten dabei, was mit den Nervenzellen in den Mäusehirnen geschah. Die Nervenzellen im Kleinhirn reagierten auf das Training, indem sie die Effizienz der Reizleitung verringerten. Nach Angaben der Forscher wurde dieser Prozess schon zuvor mit motorischen Lernprozessen in Verbindung gebracht. Bei einem einmaligen, einstündigen Training wurden dafür vorübergehend die Andockstellen für Botenstoffe weniger, die Signale zwischen Nervenzelle über- tragen.

Tägliche Übungsstunden führten hingegen dazu, dass nicht Andockstellen verschwanden, sondern knapp die Hälfte der sogenannten Parallelfaser-Purkinjezell-Synapsen. Das zeigt, dass kurz- und langfristige Anpassungen unterschiedliche Spuren im Gedächtnis hinterlassen, schrieben die Forscher. (APA/pi, DER STANDARD, 28.12.2013)

  • Artikelbild
    foto: apa/epa/everett kennedy brown
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