Ein Jahr der Pannen an der Wiener Börse

27. Dezember 2013, 18:32
37 Postings

Der ATX konnte heuer nicht mit anderen Börsenbarometern mithalten. Mitverantwortlich dafür waren ungewöhnlich viele Flops

Wien - Ein gutes Aktienjahr neigt sich dem Ende zu. Der Wiener Leitindex ATX konnte 2013 mit einem Plus von rund fünf Prozent nicht mit dem Gros der europäischen und amerikanischen Börsenbarometer mithalten. Als Gründe dafür werden gerne die konjunkturellen Probleme in Osteuropa und der starke Anteil der relativen schwachen Finanzwerte im ATX genannt. Doch Analysten wie Thomas Neuhold von Kepler-Cheuvreux meinen, dass das Thema Osteuropa von Investoren "neutral" gesehen werde.

Vielmehr hinterließ 2013 eine ziemliche Pannenserie Kursspuren. "Fehler auf Management- und Eigentümerseite zogen sich zuletzt wie ein roter Faden durch", meint beispielsweise Roland Neuwirth, der einen Österreich-Fonds bei der Investmentgruppe Salus Alpha managt. "Da müssen sich einige bei der Nase nehmen." Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Kurse, dass negative Überraschungen das Jahr prägten. Eine Auswahl:

  • Andritz: Der erfolgsverwöhnte Anlagenbauer plagt sich mit einem Problemprojekt zur Zellstoffherstellung in Uruguay, ein Kurssturz im zweiten Quartal war die Folge. Allerdings halten Analysten dem steirischen Konzern den Höhenflug im Vorjahr zugute. Trotz des schlechten Jahres liegt der Wert der Aktie immer noch um rund die Hälfte über dem Niveau von Anfang 2012.

  • RHI: Eigentlich liefe es nicht so schlecht für den auf Feuerfestprodukte für Industrieöfen ausgerichteten Spezialisten. Doch eine Pannenserie bei einem Werk in Norwegen zur Magnesia-Herstellung verhagelt das Ergebnis heuer und wird auch das kommende Jahr belasten. Noch im September wurden die Probleme als gelöst dargestellt, im November machte RHI dann die Schockmeldung. Laut Schätzung der Erste-Analysten wird das Abenteuer 70 Millionen Euro kosten. Dank einer guten Performance im ersten Halbjahr konnte der Kursrückgang heuer auf rund neun Prozent eingegrenzt werden.

  • Lenzing: Ebenfalls im November überraschte Lenzing mit einem Rationalisierungsprogramm, das vor allem am gleichnamigen Stammsitz in Oberösterreich ansetzt sowie mit einer Gewinnwarnung. Analysten meinen, dass der Konzern weiter unbeirrt expandiert habe, als der Preisverfall bei Viskosefasern schon längst eingesetzt habe. Die Sozialkosten belasten das Ergebnis nun zusätzlich.

  • Verbund: Die Errichtung von Gas-Kombikraftwerken zur Stromerzeugung kommt den halbstaatlichen Versorger wegen der niedrigen Großhandelspreise teuer zu stehen. Abschreibungen im steirischen Mellach und in Frankreich kosteten heuer schon fast 700 Millionen. Dazu kommen hohe Wertberichtigungen bei der angeschlagenen italienischen Beteiligung Sorgenia. Ein Sparprogramm und Investitionskürzungen folgten. Analysten rechnen mit einer Halbierung der Dividende.

  • Vienna Insurance Group: Gleich eine Fülle an Problemen in Rumänien und Italien haben in den ersten neun Monaten zu einer Gewinnwarnung und einem Rückgang des Ergebnisses von 29 Prozent geführt, Änderungen im Vorstand folgten. Analysten glauben nicht, dass die Sache ausgestanden ist. Pluspunkt: 2012 zählte VIG zu den Top-Performern.

Stark auf den Index drückt auch Raiffeisen Bank International, die Aktie verlor nach Gewinnwarnung und offenen Fragen zum Kapitalbedarf heuer fast ein Fünftel ihres Wertes. Telekom Austria grub sich noch tiefer ein. Freilich gab es auch positive Ausreißer: Wienerberger legte um mehr als zwei Drittel zu, auch Voestalpine und OMV entwickelten sich erfreulich. Neuwirth hofft 2014 auf einen "Nachzüglereffekt" in Wien. Dem ATX gibt er Kurschancen von zehn bis 20 Prozent. 3000 Punkte sieht Neuwirth als Obergrenze: "Alles darüber ist eine Übertreibung." Neuhold hofft nach den Kapitalerhöhungen von Uniqa und AT&S auf weitere Transaktionen. Die Börse hätte das bitter nötig: Seit 2008 verlor sie drei Viertel des Umsatzes. (as, DER STANDARD, 28.12.2013)

  • Die Wiener Börse enttäuschte heuer.
    foto: reuters/bader

    Die Wiener Börse enttäuschte heuer.

Share if you care.