Internet als Marktplatz für Weihnachtsflops

27. Dezember 2013, 18:20
46 Postings

Unnütze Geschenke landen im Besenkammerl, werden zu Geld gemacht oder umgetauscht. Das Internet macht die Trennung leichter

Wien - Armin Strbac sieht seit dem Christtag regen Betrieb auf seinem mobilen Flohmarkt Shpock. Rund 100.000 Nutzer tummeln sich täglich auf dem Marktplatz für Kleinanzeigen, rechnet der Mitgründer der App vor; nun sei die Zahl stark nach oben geschnellt. Spielkonsolen, Playstations und Smartphones machen ebenso die Runde wie Shirts und Hosen. "Die Leute haben dafür nach Weihnachten wieder Zeit und Geld. Oder sie schaffen umgekehrt Platz für Neues."

Willhaben.at-Chefin Sylvia Dellantonio stellt sich auf gut 40.000 zusätzliche User pro Tag im Laufe der kommenden Woche ein: Die Österreicher nutzten den Jahreswechsel gern dazu, um den Haushalt zu entrümpeln und mit noch Verwertbarem Kasse zu machen. Ungewollten Geschenken gibt das Online-Portal eine zweite Chance.

Umfragen des Webanzeigen-Betriebs zufolge verstauben missliebige Präsente traditionellerweise zwar überwiegend im Abstellkammerl - um irgendwann vielleicht doch noch an Freunde und Verwandte weitergereicht zu werden. Doch das Internet verändert dieses Verhalten nachweislich.

Keine Studien

Noch nie sei es so einfach gewesen, Ungeliebtes und Unnützes zu Geld zu machen. Bis zu zehn Prozent aller Gaben landen laut Abfragen von Willhaben.at früher oder später wieder auf dem freien Markt. Nicht zuletzt auch, weil im Zuge wachsender Arbeitslosigkeit Haushaltsbudgets mit Monatsende zunehmend knapp werden.

Handfeste Studien dazu gibt es keine. Statistiken der Onlineplattform Ebay, die zu wissen meinen, dass jeder sechste Beschenkte seine Weihnachtsflops verscherbelt, hält René Tritscher von der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer für zu hoch gegriffen. Zumal der Trend zu Gutscheinen übermäßige Fehlgriffe verhindert.

Wer völlig neuwertige Geschenke im Internet loswerden will, versucht es in der Regel mit Preisabschlägen von zehn Prozent. Je geringer das Interesse, desto niedriger wird naturgemäß der letztliche Erlös. Der Großteil der feilgebotenen Waren wechselt innerhalb ei- ner Woche die Besitzer.

Rabattschlachten

Hochbetrieb hat in den letzten Tagen des Jahres freilich auch der stationäre Einzelhandel. Rund ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts läuft zwischen 27. Dezember und Silvester, sagt Tritscher. Die endgültige Bilanz über die Mehrumsätze im Dezember steht Mitte Jänner. Klar ist: Auch wenn Weihnachten für Händler an Gewicht verliert (je größer der Wohlstand, desto mehr wird unterm Jahr ausgegeben): Umsatz, den Betriebe im Dezember liegen lassen, ist in keinem der folgenden Monate aufzuholen. Was die nun einsetzenden harten Rabattschlachten erklärt.

Ein gesetzliches Recht auf Umtausch oder Rückerstattung ihres Geldes haben Konsumenten nur beim Online-Shoppen: Innerhalb von sieben Tagen darf vorbehaltlos retourniert und umgetauscht werden. Beim stationären Einkauf sind sie auf die Kulanz der Händler angewiesen - die aber zumeist groß ist. Probleme sieht Arbeiterkammer-Expertin Gabriele Zgubic eher beim Anspruch auf Gewährleistung bei mangelhaften Geräten. Auch wenn sich Händler hier nicht auf die Hersteller ausreden dürfen - ihre Durchsetzung wird ihrer Erfahrung nach zunehmend erschwert, rausgezögert oder ganz verwehrt. Juristisch dagegen vorzugehen, ist für Konsumenten aufgrund aufwendiger Gutachten allerdings langwierig und teuer. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 28.12.2013)


Wissen:

Gutscheine boomen. Im Detail zeigen sie aber manche Tücke. Unbefristete lassen sich 30 Jahre lang einlösen. Bei befristeten ist die Sache verzwickter: Gratisgutscheine, für einen Kaffee etwa oder das erste Radlservice, dürfen Betriebe individuell für kurze Zeiträume ausgeben.

Lauten sie auf konkrete Eurobeträge, so zeigen jüngste Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes Grenzen auf: Befristungen unter zwei Jahren sind demnach unzulässig. Geht es um keine Dienstleistungen, wie Thermenbesuche, sondern um Geldgutscheine, müssen diese ebenso 30 Jahre lang gültig bleiben, verlangt die Arbeiterkammer. In der Wirtschaftskammer sieht man Betriebe, deren Gutscheine drei bis fünf Jahre einlösbar sind, im Regelfall auf der sicheren Seite. Geht der Aussteller pleite, sehen Konsumenten jedenfalls durch die Finger.

Bei Web-Portalen wie DailyDeal oder Groupon können Gutscheine nach Fristablauf gegen Bearbeitungsgebühren gegen neue eingetauscht werden. (vk)

  • Ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts läuft in den drei Einkaufstagen bis Silvester.
    foto: dpa/kaufmann

    Ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts läuft in den drei Einkaufstagen bis Silvester.

Share if you care.