Hirsch Servo wird komplett übernommen

27. Dezember 2013, 18:10
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Lifemotion legt ein Übernahmeangebot für den Kärntner Verpackungshersteller Hirsch Servo. 24 Millionen Euro Schulden werden übernommen. Die Banken fallen um 26 Millionen Euro um

Wien - Lifemotion S.A., die erst vor wenigen Tagen 51 Prozent am trudelnden Kärntner Verpackungshersteller und Maschinenkonzern Hirsch Servo erworben hat, legt nun ein Übernahmeangebot für die gesamte Gesellschaft. Zum Preis pro Aktie von 3,92 Euro. Zuletzt lag der Kurs bei 4,80 Euro.

Lifemotion S.A. wird von dem gebürtigen Wiener Matthias Calice kontrolliert, "der auf eine langjährige Tätigkeit bei internationalen Investmentfonds zurückblicken kann, wo er großen Unternehmen zum Turnaround verhalf", heißt es in einer Aussendung. Lifemotion ist eine in Melide (im Schweizer Tessin) registrierte Unternehmensberatung. Calice nannte Lifemotion im Standard-Gespräch "sein Akqusitionsvehikel", es sei kein "anonymer Fonds". Er beobachte Hirsch Servo seit einiger Zeit und sei davon überzeugt, dass das Unternehmen mit einer neuen Kapitalstruktur wieder wachsen werde.

Nun soll ehestmöglich eine Hauptversammlung einberufen werden, um die Aufsichträte, die nach Zwistigkeiten erst im November neu bestellt wurden, abzuberufen und Calice sowie Johannes Klezl und Oliver Markl in das Kontrollgremium zu berufen. Laut Firmen-Compass ist Calice zudem im Aufsichtsrat von Stözle Oberglas, Markl ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Verum.

Gesellschafterdarlehen

Lifemotion gab Hirsch Servo ein gegenüber den Gläubigern nachrangig gestelltes Gesellschafterdarlehen über fünf Mio. Euro. Weiters wurden 24 Mio. Euro Hirsch-Bankschulden für einen symbolischen Euro übernommen. Um den Rest - mehr als noch einmal so viel, denn Hirsch Servo stand mit mehr als 50 Mio. Euro in der Kreide - fallen die Banken um: Die Kreditforderungen wurden gegenüber den Gläubigern nachrangig gestellt, hieß es in der heutigen Pflichtmitteilung.

Per Ende Juni schrieb Hirsch Servo einen Verlust von 3,9 Mio. Euro, bei einem Umsatz von 88 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2013/14 kehrte der Konzern in die schwarzen Zahlen zurück. Die prekäre Kapitalsituation hat sich etwas verbessert. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich zum Ende des Quartals auf 7,4 Prozent, nach nur 1,3 Prozent Ende Juni 2013. Zu verdanken war dies dem Einspringen der Gläubigerbanken, die einem Forderungsverzicht über fünf Mio. Euro sowie der Stundung von Tilgungen und Zinsen bis Mitte 2015 zustimmten. (cr, DER STANDARD, 28.12.2013)

  • Der Verpackungshersteller produziert in Österreich, Ungarn, Polen, Slowakei, Italien und Rumänien.
    foto: hirsch servo

    Der Verpackungshersteller produziert in Österreich, Ungarn, Polen, Slowakei, Italien und Rumänien.

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