Öffentlicher Verkehr in Salzburg rückläufig

Analyse27. Dezember 2013, 18:03
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Verkehrsplattform geht mit Stadtregierung zum Jahresabschluss hart ins Gericht

Salzburg - Im Wahlkampf für die Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen in der Stadt Salzburg im März kommenden Jahres ist die Verkehrspolitik - neben der Wohnungsnot - eines der bestimmenden Themen. Eine Orientierungshilfe für interessierte Wähler ist die traditionell zum Jahreswechsel vorgelegte verkehrspolitische Gesamtbilanz für Stadt und Land Salzburg. Und diese fällt für die Stadtregierung vernichtend aus.

Gemessen an den eigenen Zielvorgaben - Erhöhung des Anteils der öffentlichen Verkehrsmittel am Gesamtaufkommen, Reduktion des motorisierten Individualverkehrs -, hat die Verkehrspolitik völlig versagt. Der Anteil von Bus und S-Bahn am Modal Split liegt nach Angaben des Sprechers der Verkehrsinitiativen, Peter Haibach, derzeit bei rund zwölf Prozent. Vor einem Jahrzehnt waren es noch 16 Prozent, 1994 waren es sogar 21 Prozent.

Anteil der Pkws steigt

Im Gegenzug steigt der Anteil der Pkws unaufhörlich an. Er liegt bei rund 50 Prozent. Einzig die Radfahrer bessern Salzburgs Bilanz auf. Ihr Anteil im Modal Split lag vor zehn Jahren bei etwa 16 Prozent und liegt derzeit über 20 Prozent. Die in dieser Rechnung auf 100 fehlenden 18 Prozent entsprechen dem Fußgängeranteil am Gesamtverkehrsaufkommen.

In dieser Rechnung nicht enthalten sind übrigens die Salzburg-Besucher. Von den geschätzt jährlich etwa 5,5 Millionen Tagestouristen kommen mehr als 70 Prozent mit dem Auto in die Stadt. Auch wenn die beiden Städte nicht so einfach vergleichbar sind, in der Tendenz lohnt ein Vergleich mit der Bundeshauptstadt: Während in Salzburg der Individualverkehr bei rund 50 Prozent Marktanteil hält, rangiert er in Wien mit nur 27 Prozent (Zahlen von 2012) auf Platz drei. 28 Prozent entfallen in der Verkehrsmittelwahl der Wiener in die Rubrik "zu Fuß", der Anteil der Öffentlichen liegt bei 39 Prozent.

Die Salzburger Stadtpolitik übe sich "nur in autofreundlichen Maßnahmen und hat jedwede Ambition auf einen attraktiven öffentlichen Verkehr aufgegeben", fasst Haibach zusammen.

Zwei Autofahrerparteien

Politisch steht vor allem die ÖVP für die Zurückdrängung des öffentlichen Verkehrs. Angeführt von Stadtparteichef und Fahrschulbesitzer Harald Preuner führt die Volkspartei einen erbitterten Kampf gegen das von der schwarzen Landespartei mitgetragene dreimonatige Testprojekt der Landesregierung "Tempo 80" auf der Stadtautobahn von Salzburg-Nord bis zur Grenze Walserberg.

Auf Druck der ÖVP wurden Busspuren sogar wieder aufgelassen. Selbst in den Stadtrandbezirken werden neue Radwege behindert oder wird der Versuch, Schleichwege durch Wohngebiete zu schließen, torpediert.

Aber auch die SPÖ mit Bürgermeister Heinz Schaden an der Spitze setzt weiter auf das Auto. Schaden macht sich für den Ausbau der Altstadtgarage im Mönchsberg von derzeit 1300 auf rund 2000 Stellplätze stark. Geschätzte Kosten: mindestens 24 Millionen Euro. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 28./29.12.2013)

  • Der Durchschlupf beim Haus der Natur in der Altstadt ist nur einer der vielen neuralgischen Punkte im Salzburger Busnetz.
    foto: neuhold

    Der Durchschlupf beim Haus der Natur in der Altstadt ist nur einer der vielen neuralgischen Punkte im Salzburger Busnetz.

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