Auf der Suche nach Geist

27. Dezember 2013, 16:45
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Um die Weihnachtszeit beliebt ist es auch, Priester und Wissenschafter in der Hoffnung auf Gotteserkenntnis aufeinanderzuhetzen

Nicht leicht, noch Originelles zu einem Anlass von sich zu geben, der seit gut zweitausend Jahren mit inbrünstiger Regelmäßigkeit wiederkehrt. Was nicht davon abhält, das Alte stets aufs Neue zu versuchen. Als eines der wenigen gelungenen, wenn auch nicht völlig neuen Beispiele kann man diesbezüglich Anneliese Rohrers in der "Presse" publizierte Erkenntnis nennen: "Weihnachten als Trick der Politik, Proteste ins Leere laufen lassen. Weihnachten muss ja für vieles herhalten und ist bei etlichen Regierungsbildungen schon als Fallfrist für Verhandlungen missbraucht worden, doch selten so vordergründig wie dieses Jahr". Dahinter soll eine ganz raffinierte Strategie stecken, die auszuhecken nur große Geister imstande sind: "Danach wird die Aufregung um und der Protest gegen den Pakt von Rot und Schwarz vorbei sein, wurde allen Informationen zufolge als heimliches Motto ausgegeben."

Allen Informationen aus den Koalitionsparteien und weit darüber hinaus zufolge wird dieser frevelhafte Missbrauch von Weihnachten nicht die Früchte tragen, die die Ausgeber des "heimlichen Mottos" zu ernten hoffen. Ein Abflauen der Aufregung "danach" ist mit Sicherheit nicht zu erwarten, es werden sich höchstens einige unliebsame Überraschungen legen.

In der "Kleinen Zeitung" machte sich der Grazer Philosoph Peter Strasser "auf die schwierige Suche nach dem stillen Glanz des Geistes inmitten geistloser Zeiten". So schwierig war das dann aber gar nicht, man muss nur wissen, wo man suchen muss. "Während die Masse des Volkes, umspült von Wirtschaftswunderparolen und Sozialstaatsversprechungen, sich ganz den 'materiellen Gütern' verschrieben hatte, blieb der Geist die Luxuswährung eines ansonsten konsumorientierten Bildungsbürgertums". Das war in der "Nachkriegswelt".

"Und heute? Der bisherige Wissenschaftsminister, ein hochgebildeter, hochintegrer Mann des Geistes, Geisteswissenschaftler der alten Schule, muss gehen. Diese Maßnahme hat Symbolik" - merk's Spindelegger! Aber zum Glück gibt es Weihnachten. "Der stille Glanz des Geistes - das ist der Geist von Weihnachten inmitten jenes geistlosen Gewimmels, welches unsere Welt zu werden droht, je mehr sie von ameisenartiger Intelligenz beherrscht wird."

Um die Weihnachtszeit beliebt ist es auch, Priester und Wissenschafter in der Hoffnung auf Gotteserkenntnis aufeinanderzuhetzen. Wichtig ist dabei die Auswahl der Personen, um die Weihnachtsstimmung nicht mit Bemerkungen à la Stephen Hawking zu versauen, für die Erschaffung des Universums brauche es keinen Gott. Da hat es der "Kurier" mit dem Quantenphysiker Anton Zeilinger und Caritas-Präsident Michael Landau gut getroffen. Die beiden Herren waren sich einig, dass Gott "kein Lückenbüßer für Dinge, die wir noch nicht erklären können", ist. Ein kleiner Dämpfer blieb aber nicht aus, als Zeilinger gestehen musste: "Ich habe einige Kollegen oder Freunde und Theologen getroffen, die von mir verlangt haben, dass ich aus der Quantenphysik heraus die Existenz eines Gottes beweisen soll. Das ist Unsinn."

Vielleicht klappt es mit dem Zeilinger'schen Gottesbeweis ja bis nächste Weihnachten. Aber keine übertriebenen Hoffnungen, besteht doch das Wesentliche an Zeilingers "Vorstellung von Gott, dass er etwas sehr Mystisches ist".

Ein anderes Angebot des "Kurier" lautete: "Wiens Dompfarrer Toni Faber erklärt die Symbolik, die Mystik und die Traditionen rund um das Weihnachtsfest". "Die Mystik" kam bei dem "charismatischen Kirchenmann" etwas zu kurz, nicht aber die Werbung für die Christmette unter seiner Leitung. Was sich in "Österreich" so las, er werde für "heute, um 24 Uhr, zur Christmette in den Stephansdom bitten" - eine Formulierung, die den Vorkämpfer für ein christliches Europa Michael Jeannée in der "Krone" empört denken ließ: "Der Mann verwechselt die Mitternachtsmette im Dom mit einer Cocktailparty, zu der man 'bittet'".

Schon wollte er schreiben, "Faber hat seinen Beruf total verfehlt. Aber dann erfuhr ich durch dasselbe Blatt, nur zwei Seiten weiter, dass 'Lugner & Katzi zu Weihnachten vereint sind'. Und da fiel es mir wie Schuppen von meinen bezüglich Faber verblendeten Augen, Sie haben Ihren Beruf trotz Omnipräsenz auf Kaviarbrötchen-Verkostungen, Champagner-Schlürffesten und Marchfelderhof-Events nicht verfehlt. Kurzum, Sie sind der Richard Lugner der Kirche".

So ward der Geist doch noch gefunden. (Günter Traxler, DER STANDARD, 28./29.12.2013) 

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