Simon Polt trinkt wieder was

Ansichtssache27. Dezember 2013, 16:24
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Wien - Der neue Polt beginnt, wie der alte immer war: "Simon trink' ma was!" Es darf zugeprostet werden - auf Wein, Mord und Melancholie. Nach zehn Jahren radelt Simon Polt wieder durchs Weinviertel und kehrt ein, wann immer es sich anbietet. 

foto: orf/epo film/oliver roth

Der ORF verfilmt Alfred Komareks Serienkommissar unter der Regie von Julian Pölsler in der bereits fünften Ausgabe. Begleitet von stimmungsvollen Vivaldi-Trompetenklängen frönt man dem Leitthema, je nach Bedarf genussvoll oder besoffen. Sogar der Ermittler ist zunächst nicht vor polizeilichem Zugriff sicher: "Deinen Alkoholspiegel möcht' ich gar nicht wissen." Keine Angst, ein Schmäh.

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foto: orf/epo film/oliver roth

Land und Leute

Der fünfte Polt ist nicht nur in der Dramaturgie wie erste, zweite, dritte, vierte, sondern auch hinsichtlich der vorbildlichen Tourismuswerbung für das Land Niederösterreich, das 150.000 Euro zur Koproduktion von Epo-film, ORF und Arte drauflegte. 588.000 Euro steuerte der Fernsehfonds  bei. Landeshauptmann Erwin Pröll lobt die positiven Werbeeffekte der Serie: "Das Weinviertel wird durch diesen Film mit der herrlichen Landschaft und mit der Lebensart weit über unser Land hinaus transportiert." Sein Stolz ist nicht ganz schlüssig zu erklären, im Polt ist das nordöstliche Niederösterreich ein Landstrich voll arger Trunkenbolde.

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foto: orf/epo film/oliver roth

Über die Leitthemen Mord und Wein werden die kommunalen Probleme der Gegenwart verhandelt: Die Volksschule ist geschlossen, die Exekutive verbürokratisiert, der Menschheit Würde im Keller. Da bleibt nur das Saufen. Bosheit und Rache regieren, Gewalt und Mord hat auch das Unschuldsland erfasst.

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foto: orf/epo film/oliver roth

Damit solch' Unbequemlichkeiten nicht ganz so brühwarm rüberkommen, wird wie gehabt lustvoll durch die Weinberge geradelt, der Vergangenheit gedacht, Schweinsbraten mit Sauerkraut und "sündhaft flaumige Erdäpfelknödel" serviert, dazu VW-Käfer und Steyr-Traktoren gelenkt. Das ist wohlig anzuschauen, ebenso das stimmige Ensemble: Neben dem wein-rotbackigen Erwin Steinhauer sind das Fritz Karl, Elisabeth Orth, Simon Schwarz, Cornelius Obonya, Hans-Michael Rehberg, Michou Friesz.

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foto: orf/epo film/oliver roth

Irgendwann dreht sich die Angelegenheit im Kreis, da übernimmt Gemischtwarenhändlerin Hilda (Orth) das Ruder und sorgt für scharfes Zielwasser - statt Wein wird Schnaps gereicht: "Und owe damit!"

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foto: orf/epo film/oliver roth

Es hat schon schlechtere Landkrimis gegeben. Wohlsein. (Doris Priesching, DER STANDARD, 28./29.12.2013)

"Polt", Samstag, 28. Dezember, 20.15 Uhr, ORF 2.

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