Verleger pochen auf Steuer für Web-Konzerne

27. Dezember 2013, 11:49
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VÖZ-Präsident Kralinger plädiert für Wertschöpfungs- und Online-Werbeabgabe - Regierung gut beraten, "der Medienpolitik mehr Bedeutung beizumessen" - Journalisten-KV "Leuchtturm" 2013

Wien - Mit einem "umfangreichen Forderungskatalog" an die Bundesregierung geht der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ins neue Jahr. Dringendste Punkte sind VÖZ-Präsident Thomas Kralinger zufolge Wertschöpfungs- und Online-Werbeabgabe sowie Reform der Presseförderung. Da die "Digitalisierung das Geschäftsmodell traditioneller Medienhäuser ins Wanken" bringe, müsse man gemeinsam Antworten finden.

Wobei Kralinger mit Kritik am medienpolitischen Programm der Regierung nicht hinterm Berg hält. Diese sei sich der "existenziellen Bedeutung dieser Frage" offenbar nicht bewusst. "Medien sind wesentliche Eckpfeiler jeder Demokratie. Daher wäre auch unsere Bundesregierung gut beraten, der Medienpolitik mehr Bedeutung beizumessen." Entsprechend befremdet reagierte Kralinger auf Werbeschaltungen öffentlicher Stellen bei Unternehmen wie Google oder Facebook, "die mit ihrem Geschäftsmodell unserem Medienstandort Schaden zufügen".

Wertschöpfungs- und Online-Werbeabgabe

Mit Wertschöpfungs- und Online-Werbeabgabe sollen allen voran diese global agierenden Konzerne zur Kasse gebeten werden. Akut sei die Bedrohung, dass am Ende des Transformationsprozesses heimische Verlierer und eine Handvoll Gewinner stünden, "deren Firmenzentralen sich jedoch nicht in Österreich befindet", so Kralinger. "Wenn die Regierung Interesse an einer vitalen vierten Säule der Republik hat, muss sie für Zeitungen und Magazine im Web Rahmenbedingungen schaffen, in denen sie sich wirtschaftlich entwickeln können."

Konkrete Ergebnisse erwartet sich der VÖZ auch bei der Presseförderung. Mit der Anfang 2013 veröffentlichen Evaluierungsstudie würden praxistaugliche Empfehlungen für eine Reform auf dem Tisch liegen. Diese sei aber nur dann sinnvoll, wenn ausreichend Budgetmittel zur Verfügung gestellt werden. "Sehr genau auf die Finger schauen" wolle man wiederum dem ORF bei seinen Online-Aktivitäten. Dessen Argument, dass seine App-Angebote nur ein Prozent der Gesamtdownloads ausmachen, ist für Kralinger ein "Affront gegenüber allen privaten Medienbetrieben, die die Entwicklung von Apps ohne ORF-Gebührenmittel finanzieren müssen".

Journalisten-KV "Leuchtturm" 2013

Der "medienpolitische Leuchtturm" 2013 war aus Sicht des VÖZ die Einigung auf den neuen Journalisten-Kollektivvertrag. Seit mehr als einem Jahrzehnt habe es nicht mehr so viele Journalisten im Kollektivvertrag gegeben wie heute, eine "beachtliche Leistung unserer Medienhäuser". Zudem diene der KV als Vorbild für andere Medienunternehmen, wobei Kralinger etwa den ORF in die Pflicht nimmt. Online-Mitarbeiter niedriger zu entlohnen dürfe "gerade für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine Strategie sein, um seine sogenannten 'kommerziellen Marktteilnehmer' auszustechen".

Weiters rechnet der VÖZ-Präsident mit dem Abbau von Doppelgleisigkeiten in den Redaktionen. "Ich bin überzeugt, in absehbarer Zeit wird es hierzulande nur mehr verschränkte Newsrooms geben." Schließlich sei es eine "Vergeudung von Ressourcen", würde doppelt an der gleichen Geschichte gearbeitet werden. "Dieser teure Kraftverlust innerhalb der Redaktionen kann mit dem neuen KV der Vergangenheit angehören." (APA, 27.12.2013)

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