Experten erwarten deutschen Exportrekord

27. Dezember 2013, 17:34
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Laut einer Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wird Deutschland 2014 einen Rekord beim Export aufstellen

Wien - Die Exportstärke von Deutschland wurde für das Land heuer bereits zum Problem. Der Überschuss bei den Ausfuhren schwäche die Krisenländer der Eurozone, hieß es. Erst im November hatte die EU-Kommission eine Untersuchung der hohen Handelsbilanzüberschüsse der Bundesrepublik gestartet. Überprüft werden soll, ob Deutschland gegen EU-Regeln verstößt. Der Grund: Der Außenhandelsüberschuss eines Landes darf im Durchschnitt von drei Jahren nicht bei mehr als sechs Prozent liegen. Deutschlands Exportplus übersteigt diesen Wert seit 2006.

Diese Debatte könnte jetzt neuen Zündstoff bekommen, denn die deutsche Wirtschaft wird nächstes Jahr voraussichtlich so viel exportieren wie nie zuvor. Damit rechnet zumindest der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), berichtet die Bild-Zeitung. Konkret geht der DIHK von einem Außenhandelsumsatz von 1,45 Billionen Euro aus. Dies würde im Vergleich zu 2013 einem Zuwachs von mehr als vier Prozent entsprechen - und liegt damit deutlich über den Erwartungen für das Wirtschaftswachstum insgesamt. Die Bundesregierung sagt für 2014 ein Plus von 1,7 Prozent voraus. "Das sichert Jobs in Deutschland", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Bild. "Jeder Dritte arbeitet mittlerweile für den Export."

Budgetdefizit höher

Trotz robuster Konjunktur und höheren Steuereinnahmen ist das deutsche Staatsdefizit in den ersten drei Quartalen aber gestiegen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherung gaben bis 30. September zusammen 28,7 Milliarden Euro mehr aus, als sie einnahmen. Das Defizit fiel damit um 5,1 Milliarden Euro höher aus als ein Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Grund dafür ist vor allem der Fehlbetrag der Sozialversicherung. Ökonomen rechnen für das Jahr 2013 am Ende dennoch mit einem kleinen Plus. Ein Jahr zuvor stand noch ein Überschuss von 5,9 Milliarden Euro in der Bilanz.

Schwächer gelaufen ist auch das Geschäft mit Übernahmen - und zwar für Finanzinvestoren. Diese kommen bei deutschen Unternehmen seltener zum Zug. 2013 wurden 101 Firmen übernommen, zeigt eine Studie von Ernst & Young. Das sind sechs Prozent weniger als 2012. Das Geschäft schwächelt damit bereits das fünfte Jahr in Folge. Von 2006 bis 2008 schluckten Investoren noch je rund 180 deutsche Firmen. Der Rückgang ist aus Sicht von Ernst & Young nicht auf mangelndes Interesse der Investoren zurückzuführen, sondern auf die Abneigung deutscher Unternehmen gegenüber den Geldgebern, die der frühere SPD-Chef Franz Müntefering einst abfällig als "Heuschrecken" bezeichnete. (Reuters/red, DER STANDARD, 28.12.2013)

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