Snowden warnt in Video-Botschaft vor totaler Überwachung

27. Dezember 2013, 11:03
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Snowden zieht Vergleich zu Orwell-Roman "1984"

Rund ein halbes Jahr nach den ersten Enthüllungen über britische und US-Geheimdienste hat der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden vor einer vollständigen Überwachung und dem damit verbundenen Verlust der Privatsphäre gewarnt. "Wir haben Sensoren in unseren Taschen, die uns überall hin verfolgen", sagte Snowden in einer zweiminütigen Videobotschaft, die am ersten Weihnachtsfeiertag vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlt wurde.

Vergleich zu 1984

"Ein Kind, das heute geboren wird, wächst ohne Vorstellung auf, was Privatsphäre bedeutet." Der frühere Mitarbeiter des US-Geheimdienstes zog den Vergleich zu George Orwells Roman 1984 über einen totalitären Überwachungsstaat. Die Äußerungen wurden im Rahmen einer alternativen Weihnachtsbotschaft ausgestrahlt, in dem der Sender jährlich auch umstrittenen Vertreter der Zeitgeschichte zu Wort kommen lässt.

Positive Bilanz

In einem Interview der "Washington Post" hatte Snowden, der sich derzeit in Moskau aufhält, eine positive Bilanz über seine Enthüllungen über die Aktivitäten der britischen und US-Geheimdienste gezogen. "Ich habe meine Mission bereits erfüllt", erklärte Snowden. "Ich habe schon gewonnen." Es war das erste direkte Interview, das Snowden seit seiner Ankunft in Russland im Juni gab. Er sagte weiter, sein Ziel sei nicht gewesen, die Gesellschaft zu ändern. Er habe lediglich Impulse geben wollen, damit sie sich selbst ändern könne.

Einschänkungen für NSA

Eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Expertengruppe hatte in der vergangenen Woche Einschränkungen bei einigen wichtigen Spionageprogrammen des Geheimdienstes NSA empfohlen. So soll die NSA künftig nicht mehr selbst die gesammelten Telefondaten speichern. Dies sollten Telefonanbieter oder andere private Firmen übernehmen.

Snowden hatte den Umfang der amerikanischen und britischen Spionageprogramme publik gemacht und damit weltweit für Aufruhr gesorgt. Zu den Abhör-Opfern sollen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff gehören. (Reuters, 27.12.2013)

  • Snowden meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort.
    foto: apa/epa/ho

    Snowden meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort.

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