Mädels, ist die Schule wirklich "super"?

27. Dezember 2013, 14:18
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Vicky und Flora sind Freundinnen seit Kindergartentagen. Im September erzählten sie von ihren ersten vier Schulstunden. Jetzt ziehen sie Zwischenbilanz

Als Vicky im vergangenen September von derStandard.at zum Gespräch über ihr erstes Jahr in der öffentlichen Volksschule gebeten wurde, waren ihre Erwartungen an die "Frau Lehrerin" und die kommenden Wochen in der Drachenklasse groß: "Super wird's werden", zeigte sich die Siebenjährige motiviert.

Ähnlich Flora, die rund 500 Meter entfernt, in der erst heuer eröffneten Montessori-Privatschule begonnen hat. Ihrer Vorstellung nach würde sie am Jahresende "kochen" und "putzen" gelernt haben - und auf viele Ausflüge zurückblicken.

Jetzt, vier Monate später, ziehen die beiden getrennt voneinander Zwischenbilanz.

"Ferienhausübung"

"Am liebsten mag ich rechnen. Und lesen", berichtet Vicky. Die Leidenschaft fürs Schreiben will wohl erst entdeckt werden. Immerhin hat sie bereits eine Menge Buchstaben gelernt: "M, A, L" zählt sie detailliert auf und ergänzt "E, R, I, N, S, D" und "U, du musst das U noch hinschreiben" besteht sie auf genaue Dokumentation des erworbenen Wissens. Plus rechnen kann sie "bis 20". Und damit das auch richtig sitzt, hat sie viele Seiten "Ferienhausübung" bekommen, mit ein bisschen was von allem: Lesen, Schreiben, Rechnen.

Gemütliches Frühstück

Hausübungen sehen bei Flora anders aus: Die einzig verpflichtende Aufgabe jeden Tag ist es, ein reichhaltiges, gemütliches Frühstück einzunehmen, verrät die Mama. Darüber hinaus kann natürlich jeder rechnen, lesen und schreiben so viel er mag. Das Versprechen, ohne schwere Schultaschen auszukommen, hat die Schule aber gehalten: Floras Rucksack, den sie im September nur deswegen bekommen hat, weil alle ihre Freunde ein Bücher-Transportmittel bekommen haben, steht seit dem unbenutzt im Zimmer.

Plusrechnen kann Flora schon bis 20, minus rechnen "auch ein bisschen", lesen und schreiben hat sie aber viel lieber. Und ja, auch putzen kann sie jetzt mit Putzmitteln. Und "besser bügeln" und "mehr reden mit Fremden Leuten". Das mache sich auch zu Hause bemerkbar, freut sich die Mama. Flora räume öfter als früher den Tisch ab, das schmutzige Geschirr in den Geschirrspüler und auch die Gewandberge in ihrem Zimmer sind verschwunden.

Schulbeginn

Wenn Vicky kurz vor acht Uhr in die Klasse der öffentlichen Volksschule kommt, gibt sie erst einmal die Hausübung ab. "Dann können wir spielen bis es läutet." Danach heißt es hinsetzen und leise sein, der Unterricht beginnt.

Flora beginnt ihren Tag in der Montessorischule mit einem Glas Wasser (worüber die Lehrerin genaue Aufzeichnung führt) und "brain gymnastics". Bitte was? DerStandard.at recherchiert und stößt auf eine Reihe von Bewegungsabfolgen, die bei der sensomotorischen Koordination helfen sollen. Bis neun Uhr wird gemalt, erst dann fängt der Schultag offiziell an. Da schreibt die Lehrerin dann ins Tagebuch, was Flora in den kommenden Stunden alles machen soll. "Wenn ich fertig bin, bekomme ich ein Hakerl."

Die Rolle der Lehrerinnen (eine englischsprachige Lehrkraft und eine deutschsprachige Begleitlehrerin) ist eine zurückhaltende. Sie zeigen den Kinden in so genannten "Darbietungen" wie das Montessorimaterial genützt werden kann. Und sie helfen bei Fragen. Ob alleine, zu zweit oder in der Gruppe gearbeitet wird, entscheiden die Kinder selbst.

Befund bestätigt: Schule ist super

Und wie ist das mit den Ausflügen? Immerhin war Flora zu Schulbeginn so stolz auf ihr Busticket. Sie bilanziert zufrieden: Einmal Naturhistorisches Mueum, zwei Mal wandern, vier Mal eislaufen. "Und einmal sind wir unsere Straße entlang gegangen und haben den Menschen Dankeskarten in die Briefkästen geworfen, weil sie nette Nachbarn sind."

Auch Vicky war eislaufen. "Und in der Kirche." Das beste an der Schule? Wenn sie in der großen Pause hinaus zum Waldspielplatz gehen kann. Was weniger gut gefällt: "Wenn ich mich im Hort immer nach der ersten Zeile von der Hausübung anstellen muss, damit sie schauen, ob alles stimmt. Das nervt."

Auch Flora erlebt Hochs und Tiefs: "Ich tu gern malen, kochen, singen und in den Garten gehen." Aber nicht immer: "Außer, wenn die Buben den Fußball haben. Dann haben wir Mädchen keinen Ball. Es gibt nämlich nur einen." Und einen zweiten Ball will die Lehrerin nicht, weil es sonst zu wild wird. (Karin Riss, derStandard.at, 27.12.2013)

  • "Einmal sind wir unsere Straße entlang gegangen und haben den Menschen Dankeskarten in die Briefkästen geworfen, weil sie nette Nachbarn sind", erzählt Vicky von einem ihrer Ausflüge.
    foto: riss

    "Einmal sind wir unsere Straße entlang gegangen und haben den Menschen Dankeskarten in die Briefkästen geworfen, weil sie nette Nachbarn sind", erzählt Vicky von einem ihrer Ausflüge.

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