Insider: Die NSA geht in ihrer Datenflut unter

27. Dezember 2013, 09:55
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Ex-NSA-Programmierer: "Was sie machen, setzt sie selbst außer Gefecht, eben weil sie all diese Daten sammeln"

All jene, die sich Sorgen um die allumfassende Wissensfülle des US-Geheimdienstes NSA machen, können beruhigt durchatmen. Mit dieser frohen Botschaft wartet William Binney auf. Und Binney müsste es eigentlich wissen. Schließlich hat er an den Computerprogrammen mitgeschrieben, die die US-Sicherheitsbehörde zum Ausspähen des Internetverkehrs rund um den Globus einsetzt. Es sei schon richtig, dass die NSA zu viel wisse. Die Spionagebehörde wisse sogar so viel, dass sie nicht mehr verstehen könne, was sie eigentlich vor Augen hat. „Was sie machen, setzt sie selbst außer Gefecht, eben weil sie all diese Daten sammeln", führte Binney im September auf einer Datenschutzkonferenz im schweizerischen Lausanne aus.

William Binney hatte mehr als dreißig Jahre lang für die NSA gearbeitet, bevor er 2001 in den Ruhestand ging. Hätte er beim Militär gedient, wäre er dem Rang nach als General geführt worden. Und Binney zieht eine verheerende Bilanz:

Gigantische Speicherzentren entstehen

Die NSA geht in nutzlosen Daten unter. Diese überbordende Informationsflut hindert die Agenten daran, in berechtigten Fällen angemessene Aufklärungsarbeit zu leisten. Sie werden dermaßen mit Daten überschwemmt, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr effektiv erfüllen können. Und gleichzeitig stelle dieser riesige Datenberg eine unwiderstehliche Versuchung dar, ihr Wissen zu missbrauchen.

Der Warnung des altgedienten Insiders wurde fast kein Gehör geschenkt. Übertönt wurde sie von der Diskussion über rechtliche Fragen, die die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden über das weltweite Abgreifen von Informationen en Masse durch den US-Geheimdienst aufgeworfen haben. Snowdens Offenbarungen haben mittlerweile dazu geführt, dass die aggressiven Vorgehensweisen der amerikanischen Geheimdienstagenten auf den Prüfstand gestellt werden.

Doch vorerst lässt sich den einmal entfesselten Informationsfluten nicht so schnell Einhalt gebieten. Ständig branden neue Datenwogen zu Telefonverbindungen, zu Geldüberweisungen und alle möglichen Informationen an, so dass die NSA mehr Platz braucht, um all die Daten, die sie sammelt, auch zu verwahren. Ein neues Speicherzentrum, das gerade im US-Bundesstaat Utah errichtet wird, wird einmal in der Lage sein, mehr als 100.000 Mal so viel Inhalt zu fassen wie in der Kongressbibliothek in gedruckter Form vorliegt, berichten externe Experten.

Dass auch NSA-intern die Sorge umgeht, die eigenen Agenten könnten in der Datenflut ertrinken, machen einige Dokumente klar, die Snowden herausgegeben hat. In einem internen Papier aus dem Jahr 2012, in dem die Erfahrungen des Dienstes mit der Standortverfolgung ausländischer Mobilfunkanrufer zusammengefasst werden, heißt es: Die Bemühungen „übertreffen unsere Fähigkeit, Daten aufzunehmen, zu verarbeiten und zu speichern".

Im März 2013 ersuchten einige NSA-Mitarbeiter um die Erlaubnis, im Rahmen eines Programms namens „Muscular" weniger Daten sammeln zu dürfen. „Der relativ geringe Aufklärungswert, den es enthält, rechtfertigt das schiere Sammelvolumen nicht", hatten sie vorgebracht, wie aus einem weiteren Dokument hervorgeht.

In Reaktion auf Anfragen, was denn an Binneys Behauptungen dran sei, lässt eine NSA-Sprecherin wissen, die Behörde „sammle nicht alles. Aber was wir brauchen, sind die Werkzeuge, um Informationen über ausländische Widersacher zu sammeln, die der Nation und ihren Verbündeten Schaden zufügen wollen." Bestehende Überwachungsprogramme seien von „allen drei Regierungsbereichen" abgesegnet worden und jeder Bereich "spielt eine Rolle bei der Kontrolle", fügt sie hinzu.

Schaffung von „intelligenter Software"

In einer Mitteilung, die sein Rechtsanwalt weitergeleitet hat, kommentiert Snowden: „Wenn dein Arbeitsablauf jeden Morgen damit beginnt, in einem Heuhaufen von sieben Milliarden unschuldigen Menschenleben herumzustochern, dann wird dir etwas durch die Lappen gehen. Wir blenden die Leute mit Daten, die wir nicht brauchen."

Ein US-Präsidialausschuss hatte Anfang des Monats empfohlen, die Sicherheitsbehörde solle damit aufhören, die Telefonverbindungsdaten aller Amerikaner en Gros zusammenzutragen. Die US-Regierung könne das gleiche Ziel dadurch erreichen, dass sie bei den Telefongesellschaften gezielt Anfragen stellte, schloss das Gremium.

Der Ausschuss befürwortete zudem die Schaffung von „intelligenter Software". Damit ließen sich die Informationen bereits einordnen, während sie gerade gesammelt würden. Derzeit würden noch „ungeheure Datenmengen zusammengetragen und erst dann klassifiziert, nachdem sie in Speichersysteme kopiert" wurden. Vertreter der US-Regierung sind derzeit dabei, die Empfehlungen des Gremiums zu prüfen.

Davon unabhängig soll eine weitere Arbeitsgruppe im neuen Jahr ihre eigenen Erkenntnisse vorlegen. Außerdem haben US-Abgeordnete mehrere Gesetzesentwürfe eingebracht, um die Praxis der NSA, Daten zu sammeln und zu nutzen, zu ändern.

Der „bürokratische" Bericht des Präsidialausschusses habe ihn nicht sonderlich beeindruckt, sagt der 70-jährige Binney, der von seiner Pension lebt und gelegentlich öffentliche Auftritte absolviert, um über seine Arbeit bei der NSA zu reden. Allerdings wäre „es schon recht sinnvoll", wenn die Kontroverse dazu führe, dass „intelligente Software" eingeführt und eine Gruppe zur technologischen Überwachung ins Leben gerufen würde, die der NSA und der Bundespolizei FBI ungehindert „an die Wäsche gehen" könnte.

Die NSA hat ihre allumfassenden Überwachungsprogramme bisher stets verteidigt. Sie seien grundlegend für den Kampf gegen den Terrorismus. Doch wer sich mit zu vielen Daten belastet, könnte sich in diesem Kampf selbst ein Bein stellen, bringen Binney und eine Hand voll Kollegen schon seit langem vor. Die Sorge treibt sie um, seitdem sie Ende der neunziger Jahre bei internen Streitigkeiten den Kürzeren zogen, Instrumente zum Schutz der Privatsphäre bei der Internetüberwachung zu entwickeln.

Eigentlich durfte nur das FBI Amerikaner ausspähen

Damals hatte die Spionagebehörde schwer damit zu kämpfen, sich auf die neuen digitalen Zeiten einzustellen. Hatten die Agenten des Spähdienstes bis dahin vorwiegend analoge Signale, etwa bei Funk- und Satellitenübertragungen, abgefangen, galt es nun, sich zu versierten Meisterdetektiven im sich herausbildenden digitalen Universum zu wandeln.

Sie sei „sehr beunruhigt" gewesen, als ihr 1997 bei Treffen im Hauptquartier der Behörde in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland klar geworden sei, „in welch schlechter Verfassung wir waren", gesteht Diane Roark, die zum Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses gehörte und mit der Überwachung der NSA betraut war.

Den einzigen Hoffnungsschimmer, den sie ausmachen konnte, entdeckte sie in einem abgelegenen NSA-Bereich, der sich Sigint Automation Research Center nannte. Dort arbeitete Binney. Er war 1965 zusammen mit einem Kader junger Mathematiker zu der Spionagebehörde gestoßen. Sie waren angeheuert worden, um die mathematisch immer komplexer werdende Welt der Verschlüsselungen und Kodes zu knacken. Als Roark die NSA inspizierte, entwickelte Binney gerade zusammen mit dem Leiter des Forschungszentrums neue Methoden, um den Internetverkehr unter die Lupe zu nehmen.

„Unser Ansatz war es, uns auf die bekannte Terroristengemeinde zu konzentrieren, die hauptsächlich im Ausland saß", erinnert sich Ed Loomis, der das Forschungszentrum führte. „Allerdings waren wir auch an allen Gesprächen interessiert, die sie mit irgendjemandem in Amerika führten."

Von Rechts wegen war der Vorstoß knifflig. Innerhalb Amerikas ist nur das FBI dazu befugt, derlei Informationen einzuholen. Und die FBI-Beamten müssen in der Regel außerdem einen Richter davon überzeugen, dass es gute Gründe gibt, eine Ausspähaktion zu starten.

US-Metadaten sollten verschlüsselt werden

Loomis sorgte sich darum, dass die geltenden Vorschriften zu restriktiv seien und die Fähigkeit der NSA, Terroristen zu schnappen, behindern könnten. Deshalb tüftelten er und Binney zusammen ein System aus, das sie „ThinThread" nannten. Mit Hilfe des Programms schöpften sie Informationen aus dem Internet ab, sortierten dabei Inhalte aus, die US-Bürger betrafen, und konzentrierten sich auf die übrig gebliebenen Metadaten - also die Angaben an wen und von wem die Informationen im Internet geflossen waren.

Um das Sammeln der Daten im Griff behalten zu können, legten die beiden NSA-Mathematiker das ThinThread-Programm so aus, dass Informationen innerhalb von "zwei Etappen" im Umkreis eines verdächtigen Bösewichts abgegrast wurden. Das System war also so ausgerichtet, dass es automatisch diejenigen Menschen herauspickte, die mit "schmutzigen Nummern" oder möglichen Terroristen Kontakt aufnahmen. Und außerdem wurde der Personenkreis gemeldet, der wiederum zu ihnen in Kontakt trat.

Als sie ThinThread entwickelten, ließen sich Binney und Loomis zudem von der Überzeugung leiten, dass der Einflussbereich des Programms eingeschränkt werden und die Privatsphäre der Amerikaner geschützt bleiben müsse. Binney fand einen Weg, um sämtliche amerikanischen Metadaten zu verschlüsseln. Gemäß ihrem Entwurf durften Mitarbeiter der NSA die Informationen auch nur dann entschlüsseln, wenn ihnen eine richterliche Anordnung dazu grünes Licht gab, die das Gericht für die Überwachung der Auslandsaufklärung ausgestellt hatte. Das Gericht kontrolliert diejenigen Aktivitäten der NSA, die US-Bewohner betreffen.

Doch ThinThread kam nie zur Anwendung. Justiziare der Behörde weigerten sich, ein Verbot zu lockern, jeglichen Kommunikationsaustausch in den USA aufzuzeichnen. Damals habe es übereinstimmend geheißen, Binney habe „das Herz am rechten Fleck", aber die Technologie sei noch nicht so weit, erinnert sich Dickie George, ein führender NSA-Beamter, der 2011 in Pension ging.

ThinThread hätte die Aufgabe, für die das Programm entwickelt worden war, sehr wohl erfüllen können, darauf beharren Binney und Loomis. Aber Loomis wurde angewiesen, das Projekt abzubrechen. Stattdessen, so wurde ihm mitgeteilt, würde die NSA ein Überwachungsprogramm namens Trailblazer finanzieren. Es würde extern von Subunternehmern entwickelt, ließ man ihn wissen.

NSA ging im Geheimen vor

Binney, Loomis und ein weiterer NSA-Mitarbeiter, Kirk Wiebe, waren derart empört über die Entscheidung ihrer Vorgesetzten, dass sie ihren Rückzug ankündigten. Zum 31. Oktober 2001 würden sie die NSA verlassen, kündigten die drei Männer an.

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 überdachte Binney seinen Entschluss zuerst noch einmal. Aber schließlich schied er doch, wie geplant, aus dem Dienst aus. Denn zwischenzeitlich sei ihm zu Ohren gekommen, dass die Spionagebehörde seine Technologie zur Metadatenanalyse nun doch zum Einsatz bringen wollte, um Jagd auf Terroristen zu machen. Allerdings habe es da einen ganz großen Unterschied gegeben: Die Vorkehrungen zum Schutz der Privatsphäre, mit denen die Daten amerikanischer Bürger vor illegalen Zugriffen geschützt werden sollten, seien nämlich aus den Entwürfen gestrichen worden, berichtet er.

Im Jahr 2002 traten die drei ehemaligen NSA-Mitarbeiter und Roark an den Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums heran. Sie ersuchten ihn darum, zu ermitteln, ob der Entschluss, ThinThread einzustellen und Trailblazer zu finanzieren, auf angemessene Art und Weise zustande gekommen sei.

Doch auch das Trailblazer-System zur Datenfilterung ist nie umgesetzt worden. Stattdessen gingen NSA-Vertreter im Geheimen vor. Sie sicherten sich die Unterstützung für eine ganze Reihe von Programmen, um ohne richterliche Anordnung Telefon- und Internetinhalte anzuzapfen. Sie verschafften sich ein ähnliches Plazet für das Sammeln und Analysieren von Metadaten fast jedes einzelnen US-Telefongesprächs und Zugriff auf weite Bereiche des Internetaustauschs.

Während sich Binney an sein Rentnerdasein gewöhnte, zogen die Ausspähaktionen des NSA langsam größere Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahr 2006 machte Mark Klein die Arbeitsweise der Spione publik. Der Techniker des US-Telekomriesen AT&T hatte Dokumente durchsickern lassen, die zeigten, dass sein Arbeitgeber mit der NSA zusammenarbeitete und das Internet mit Hilfe einer Technologie durchforstete, die dem von Binney und Loomis entwickelten System ähnlich war. Die Tageszeitungen New York Times und Baltimore Sun berichteten über die Schnüffelmethoden des Geheimdienstes und gingen dabei auch auf ThinThread ein. Die NSA-Spione gerieten immer stärker ins Visier externer Kritiker.

Drake sieht sich als Sündenbock

Der damalige US-Präsident George W. Bush ließ das Abhören ohne richterliche Anordnung kurzzeitig stoppen. Doch dann wurden Teile des Programms legalisiert, nachdem der US-Kongress ein neues Gesetz verabschiedet hatte. Die Analyse von Metadaten wurde unterdessen im Geheimen fortgeführt.

Vertreter der US-Regierung argwöhnten, die drei früheren NSA-Angestellten und Roark seien in die Enthüllungen über die Vorgehensweise der Spione verwickelt, wie aus Regierungspapieren hervorgeht. FBI-Beamte schnappten sich alle vier. Ihn hätten sie sogar mit vorgehaltener Waffe aus der Dusche geholt, erzählt Binney. Beim US-Justizministerium konnte niemand für eine Stellungnahme zu dem Vorfall erreicht werden.

Weder Binney, Loomis, Wiebe noch Roark wurden eines Fehlverhaltens angeklagt. Aber das FBI machte sich bald darauf an die Verfolgung von Thomas Drake. Der NSA-Mitarbeiter hatte das ThinThread-Programm befürwortet. Im Jahr 2010 klagte die Staatsanwaltschaft ihn an, das Spionagegesetz gebrochen zu haben. Er habe als geheim eingestufte Dokumente „vorsätzlich zurückbehalten", lautete der Vorwurf. Drake bekannte sich in einem Punkt für schuldig und räumte ein, einen Regierungscomputer über die ihm erteilte Befugnis hinaus benutzt zu haben. Die Regierungsbeamten „wollten ein Exempel an mir statuieren, sie wollten den Pfahl der nationalen Sicherheit genau durch mich hindurch rammen und mich dann auf der Dorfwiese zur Schau stellen als Strafe dafür, dass ich ihnen den Spiegel für ihre Vergehen und ihren Machtmissbrauch vorgehalten habe", wettert Drake

Die FBI-Razzien und die Anklage Drakes ärgerten Binney. Er beschloss, seine Bedenken publik zu machen. Im April 2012 hielt er bei einer Veranstaltung, die als „Surveillance Teach-in" angekündigt war, im Whitney Museum of American Art in New York einen Vortrag.

In seinem kurzärmeligen Hemd und in Jeans hob sich Binney wie ein großväterlicher Professor von der Menge versammelter Aktivisten ab, von denen einige Guy-Fawkes-Masken trugen, die das Internetkollektiv Anonymous salonfähig gemacht hat. „Ich hatte mich auf Bedrohungen aus dem Ausland konzentriert", sagte er. „Leider nahmen sie nach dem 11. September meine Lösungen her und richteten sie gegen dieses Land und jeden, der darin wohnt."

Snowden-Material stützt Binneys Behauptungen

Was Binney behauptete, ließ sich nur sehr schwer erhärten. Selbst Loomis, der Miterfinder von ThinThread, konnte sich nicht vorstellen, dass dieselben NSA-Justiziare, die sich geweigert hatten, selbst kleinste Abwandlungen an dem Verbot jeglicher Aufzeichnungen von US-Gesprächen vorzunehmen, nach seinem Abschied von der Spionagebehörde plötzlich viel stärker in die Privatsphäre eingreifende Überwachungsmaßnahmen gebilligt hätten. "Nach all den Kämpfen, die ich mit diesen Leuten ausgefochten habe, konnte ich es einfach nicht glauben, dass sie sich um 180 Grad gegen das Gesetz gestellt hätten", sagt er.

Im August 2012 veröffentlichte die Regisseurin Laura Poitras einen achtminütigen Online-Dokumentarfilm über Binney. Sie bezeichnete ihn als Whistleblower. Snowden habe das Video gesehen, sie kontaktiert und mit einer Lawine unveröffentlichter Dokumente überschüttet, berichtet Poitras.

Ein Teil des Materials, das Snowden durchsickern ließ, stützt die Behauptungen Binneys. So finden sich zum Beispiel detaillierte Beschreibungen der beiden geheimen Metadaten-Überwachungsprogramme der NSA - zum einen die massenweise Sammlung von Telefonverbindungsaufzeichnungen und zum anderen das Analyseprogramm für die Internetkommunikation. Die Geheimdienstbehörde hat diese Dokumente nicht angefochten.

Nach Angaben der US-Regierung wurde das Internetprogramm im Jahr 2011 beendet, doch die Massenspeicherung von Telefondaten laufe auch jetzt noch weiter.

Die Sicherheitsbehörde verfüge über die gerichtliche Bewilligung, ohne richterliche Anordnung Anfragen nach massenhaften Telefonaufzeichnungen in der "dritten Etappe" vorzunehmen, hatte John C. Inglis, der stellvertretende Direktor der NSA, im Juli vor US-Abgeordneten zu Protokoll gegeben. Wird das Umfeld eines einzigen mutmaßlichen Terroristen in der „dritten Etappe" analysiert, könnte die NSA möglicherweise die Aufzeichnungen von mindestens einer Million Menschen durchkämmen.

Snowden zollt Binney Respekt

Binney sagt, er habe den NSA-Vertretern geraten, „niemals über zwei Etappen hinauszugehen". Er habe Abgeordnete und ein Kontrollgremium eindringlich aufgefordert, die Erfassung von Daten auf „zwei Etappen" zu beschränken, und ein technisches Überwachungsteam einzusetzen, das die Behauptungen der Spionagebehörde über ihre Sammelmethoden und die Verwendung der Informationen prüfen solle.

Der Präsidialausschuss hat vorgeschlagen, die massenweise Sammlung von Telefon-Metadaten komplett einzustellen. Stattdessen sollten die Telefongesellschaften die Aufzeichnungen speichern und sie nur dann herausgeben, wenn ihnen eine gerichtliche Verfügung vorliegt.

US-Präsident Barack Obama wird in den kommenden Wochen darüber entscheiden, welche Empfehlungen des Gremiums er umsetzen will. Die Vorschläge sind nicht bindend.

In den vergangenen Monaten ist der pensionierte NSA-Programmierer Binney fast überall wie ein Held begrüßt worden. Snowden lässt aus seinem russischen Exil über seinen Rechtsanwalt ausrichten, er habe „gewaltigen Respekt" vor Binney, der „alles getan hat, was er, den Regeln entsprechend, tun konnte".

Bei der Datenschutzkonferenz in Lausanne saß Binney während seiner Rede im Rollstuhl. Sein rechter Fuß war ihm im Februar wegen einer Infektion amputiert worden, die seine Knochen erfasst hatte und schwer zu bekämpfen war, weil er an Diabetes leidet. Im August brach die Infektion erneut aus, und die Ärzte waren gezwungen, sein rechtes Bein unterhalb des Knies abzunehmen. Sein linkes Bein war bereits 2010 unter dem Knie entfernt worden.

„Ich werde zu alt für dieses Zeug", sagt er. „Ich werde alles tun, was ich kann."

  • Fort Meade: Das Hauptquartier der NSA
    foto: ap

    Fort Meade: Das Hauptquartier der NSA

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