Der Aufschwung soll sich niederschlagen

26. Dezember 2013, 21:45
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Deutschlands Skisprung lechzt nach einer erfolgreichen Vierschanzentournee. Der österreichische Chefcoach Werner Schuster hat die Gastgeber der ersten Tourneehälfte endgültig aus dem Abgrund geholt und gleich mehrere Anwärter auf Spitzenplätze

Oberstdorf - Zwölf Jahre nach dem letzten Gesamtsieg - Sven Hannawald 2001/02 als bisher Einziger mit vier Einzelerfolgen - und sechs Jahre nach dem letzten Podestplatz - Michael Neumayer 2007/08 als Dritter - hofft Deutschlands Skisprung bei der 62. Auflage der deutsch-österreichischen Tournee, die am Sonntag in Oberstdorf anhebt, nicht zu Unrecht auf ein Comeback unter den besten Drei der Gesamtwertung. Das Team des Vorarlberger Cheftrainers Werner Schuster führt aktuell den Nationencup vor Polen und Österreich an. Vier deutsche Springer - Andreas Wellinger (zweimal), Marinus Kraus, Richard Freitag und Severin Freund, der in Lillehammer gewann - standen in dieser Saison bereits auf dem Podest.

Am ehesten Freund wird von deutscher Seite zugetraut, Gregor Schlierenzauer den Hattrick zu verwehren. Der 25-jährige Niederbayer gilt mental als hinreichend gefestigt, vier Springen en suite sein Können zu zeigen. In der Vorsaison begann er die Tournee mit einem starken dritten Platz in Oberstdorf, landete aber schließlich nur auf Rang 13 der Gesamtwertung. "Wir brauchen einen guten Start. Das ist die halbe Miete. Zuletzt hatten wir das, haben es aber nicht durchgezogen", sagt Coach Schuster, der die Deutschen 2008 übernommen und aus einem regelrechten sportlichen Abgrund geholt hat.

Nachdem sich der Kleinwalsertaler zu Beginn mit Routiniers am absteigenden Ast wie Michael Uhrmann, Georg Späth, Stephan Hocke und Ex-Superstar Martin Schmitt zu behelfen hatte, springen dem 44-Jährigen aus den Stützpunkten nun Talente sonder Zahl bei. Das größte Potenzial wird Wellinger zugemessen, der in der Vorsaison, als 17-Jähriger, mit mehreren Podestplätzen fulminant in seiner erste Weltcupsaison gestartet war und bei der Vierschanzentournee als zweitbester Deutscher nach Neumayer (6.) Neunter werden konnte, dann aber ein wenig einbrach.

Für diese Saison stärkte sich der Oberbayer aus Ruhpolding mit dem Gesamtsieg beim Sommer-GP. Noch gebricht es Wellinger ein wenig an Konstanz, Schuster ist aber voll des Lobes: "Es ist immer die beste Kombination, wenn Talent auf Training trifft. Er ist definitiv weiter. An einem guten Tag kann er alle schlagen, auch wenn die extreme Leichtigkeit des Vorjahres weg ist." Der Jungspund selbst übt Bescheidenheit: "Wenn ich bei der Tournee mit den Sprüngen zufrieden bin, ist die Platzierung zweitrangig."

Schmitts letztes Naja

Seine 18. und definitiv letzte Vierschanzentournee springt Martin Schmitt. Der Zehnte der Vorsaison fand zumindest Aufnahme in die nationale Gruppe für die Bewerbe in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Nach dem Neujahrsspringen muss Schuster jedoch sein Aufgebot für die Springen in Innsbruck und Bischofshofen von 13 auf sieben Athleten reduzieren, Schmitt droht also eine Zweischanzentournee. "Ich will mich in einer guten Verfassung präsentieren. Letzten Winter ist das ja ganz gut gelungen", sagt der 35-Jährige, der Olympiasieger (Team 2002), Weltmeister (viermal) und Weltcupsieger (zweimal), aber nie Tourneesieger war. Bisher reichte es nur zu zwei dritten Plätzen. (sid, lü, DER STANDARD, 27.12.2013)

  • Werner Schuster bedient die deutsche Fahne an den Schanzen dieser Welt seit 2008. Der Coach aus Vorarlberg ist völlig unumstritten.
    foto: reuters/dalder

    Werner Schuster bedient die deutsche Fahne an den Schanzen dieser Welt seit 2008. Der Coach aus Vorarlberg ist völlig unumstritten.

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