Muslimbrüder in Ägypten: Es funktioniert nicht

Kommentar26. Dezember 2013, 18:27
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Was wahr, was konstruiert ist, wer kann das von außen schon sagen?

Ägyptens Militärführung hat im Juli, mit massiver Unterstützung durch weite Teile der Zivilgesellschaft, die durch Wahlen nach oben gekommene Muslimbruderschaft gestürzt. Das - in etlichen Punkten nachvollziehbare - Argument war, dass die Islamisten dabei waren, das Land in einen dunklen Tunnel zu führen. Längst tut sich jedoch ein neuer auf. Den ansteigenden Terrorismus gegen Staatseinrichtungen und konkret den Anschlag auf die Polizeizentrale in Mansura beantwortet die Regierung, indem sie auf unsicherer rechtlicher Grundlage die Bruderschaft zu einer Terrororganisation erklärt.

Zum Terroranschlag in Mansura bekannte sich eine radikalislamistische Gruppe, die bereits zu Mohammed Morsis Zeiten auf dem Sinai aktiv war. Erst im Herbst nach Morsis Sturz tauchten "Beweise" für Verbindungen zwischen den Brüdern und dieser Gruppe auf - wobei die Militärs Morsi schon vorher vorgeworfen hatten, dass er die Sinai-Terroristen schone. Auch die Hamas-Verbindung, deretwegen Morsi angeklagt wird, gehört in dieses Bild.

Was wahr, was konstruiert ist, wer kann das von außen schon sagen? Was man jedoch sagen kann: Es wird nicht funktionieren. In Syrien stellte "Gesetz 49" im Jahr 1980 die Mitgliedschaft bei der Muslimbruderschaft unter Todesstrafe. 1982 kontrollierten die Ikhwan eine ganz Stadt, Hama, die von der Assad-Führung niedergebombt wurde. Damals interessierte das wenige, heute wäre das anders. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 27.12.2013)

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