Landesjagdgesetze: Föderale Gurkenkrümmung

Kommentar26. Dezember 2013, 18:25
60 Postings

Das Zauberwort, mit dem die unterschiedlichen Schonzeiten zu erklären sind, heißt Föderalismus

Wäre man ein Schneehase, ein Schneehahn oder wäre man ein Haselhahn, müsste man nach Salzburg ziehen. So wie die Debatte um die Novelle zum Jagdgesetz dort derzeit steht, dürfte die ganzjährige Schonzeit aufrecht bleiben. In Tirol hingegen ist man als Schneehuhn seines Leben nicht sicher: Von 15. November bis Jahresende darf geschossen werden. Auch Haselhahn und Schneehase sind im Tirolerischen bejagbar. Als niederösterreichischer Haselhahn sollte man einen Umzug nach Salzburg ebenfalls in Erwägung ziehen: Im September und im Oktober wird die Luft bleihaltig.

Von der Frage, ob eine reine Trophäenjagd zeitgemäß ist, einmal abgesehen: Die Salzburger Jägerschaft mag nicht einsehen, warum ihr etwas verwehrt bleibt, was wenige Meter hinter der Landesgrenze erlaubt ist. Irgendwie haben die Grünröcke an der Salzach damit ja recht. Das Ökosystem im Pinzgau unterscheidet sich von jenem im Zillertal nicht wesentlich. Das Zauberwort, mit dem die unterschiedlichen Schonzeiten zu erklären sind, heißt Föderalismus. Jagdgesetze, Jugendschutz, Bauordnungen, der Föderalismus kennt viele solcher Absurditäten.

Es gibt gute Gründe, Politik und Verwaltung nahe an den Bürgern anzusiedeln. Aber inhaltlich nicht begründbare Differenzierungen sind für alle Zentralisten ein willkommenes Propagandainstrument. Etwa so wie die sprichwörtliche Gurkenkrümmung für die EU-Gegner. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 27.12.2013)

Share if you care.