Weimarer Würstchen, Schiller und Goethe am "Tatort"

Ansichtssache26. Dezember 2013, 18:29
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Ja, für eine gute Wurst kann man schon zum Mörder werden. Vor allem dann, wenn die Chefin der Wurstfabrik sowieso eine ganz böse ist, die keiner so recht mag. Frau Hoppe wurde entführt und ermordet.

foto: ard/mdr

Der MDR lässt erstmals Christian Ulmen als Kommissar Lessing und Nora Tschirner als hochschwangere Ermittlerin Kira Dorn ("Die ist stur, die arbeitet, bis die Wehen kommen" ) ran an den "Tatort" im Ersten. Ganz klassisch geht es dabei in Weimar zur Sache.

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Goethe und Schiller oder eine Verfolgungsjagd in der Kutsche durch die schnuckelige Innenstadt dürfen da freilich nicht fehlen. Den Tourismusverband wird es freuen. Ein wenig übertreiben es die Autoren dann  doch, wenn sie einen Verdächtigen Jägers Abendlied von Goethe zitieren lassen. Wir erinnern uns an den Deutschunterricht: "Im Felde schleich ich still und wild, gespannt mein Feuerrohr."

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Dass die Folge "Die fette Hoppe" dann doch nicht allzu provinziell gerät, liegt vor allem an den Dialogen.

Wenn etwa Dorn ihren Kollegen Lessing anfährt mit "nun mal nicht so halbschwanger" oder der Sohn der Metzgerin "Mutti schaut gern Tatort" sagt, hat das schon etwas sehr Komisches, ohne allzu sehr in der Klamaukkiste des Ermittlerteams aus Münster zu wühlen.

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Der Ulmen/Tschirner-"Tatort" war zunächst als einmalige Event-Folge geplant. Jetzt hat MDR-Intendantin Wille zumindest eine zweite Folge aus Weimar in Auftrag gegeben. Sehr begrüßenswert. Nur: Sollte der Weimarer "Tatort" in Serie gehen, wünscht man sich  neben den humorigen Dialogen dann doch auch eine spannende Krimihandlung. Die nämlich bleibt bei der Premiere ein wenig auf der Strecke. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 27.12.2013)

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Im ORF wird dieser "Tatort" am Donnerstag übrigens nicht ausgestrahlt, dort läuft derweil das "Traumschiff".

"Der neue 'Tatort' aus Weimar mag für das deutsche Fernsehen insgesamt ein kleiner Schritt sein, für den verantwortlichen MDR ist er ein großer", schreibt Christian Buß im "Spiegel".

Und Holger Gertz urteilt in der "Süddeutschen Zeitung" so: "Die Episode ist natürlich eine Parodie. Manchmal tut es etwas weh. Aber manchmal tut es - nach einem Jahr eisern geführter Tatort-Qualitätsdebatten - auch ein bisschen gut, wie unaufgeregt Ulmen und Tschirner ihre Wurst- und Wortwitze verstreuen."

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 26.12.2013)

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