Yakuza-Kredite: Rücktritt bei japanischer Großbank

26. Dezember 2013, 17:34
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Das Finanzinstitut Mizuho hat die japanische Mafia finanziert und trotz entsprechender Kritik jahrelang nichts dagegen unternommen

Tokio - Der Mafia-Skandal kostet den Verwaltungsratschef der japanischen Großbank Mizuho den Arbeitsplatz. Takashi Tsukamoto werde sein Amt im März aufgeben, teilte das Kredithaus am Donnerstag mit. Zugleich kündigte Mizuho umfangreiche Änderungen bei der Aufsicht an. Damit reagiert Japans zweitgrößte Bank auf eine Affäre um Geschäfte mit der Mafia, die die Bankaufsicht bereits zum zweiten Mal zu einer Rüge bewegte. "Wir müssen unsere Firmenkultur ändern", sagte Konzernchef Yasuhiro Sato. Auf die Frage, ob er ebenfalls seinen Posten aufgebe, antwortete er ausweichend.

Die für Verbraucherkredite zuständige Tochter Orient hatte in 230 Fällen Geld an die Mafia verliehen, die in Japan "Yakuza" heißt. Es handelte sich vor allem um Autofinanzierungen. Weil die Bank jahrelang nichts gegen diese Geschäftspraktiken unternahm, griff die Finanzaufsicht ein. Bereits im September war öffentlich geworden, dass die Führung der Bank bereits Ende 2010 von Darlehen über umgerechnet insgesamt 1,4 Milliarden Euro erfahren hatte, die an kriminelle Organisationen vergeben wurden.

Weil Mizuho über mehr als zwei Jahre nichts gegen diese Geschäftspraktiken unternahm, handelte die Bank sich damals eine Rüge der Aufseher ein, die zudem bessere Kontrollen einforderten. Das Untersuchungsgremium kam nach dreiwöchiger Prüfung zu dem Ergebnis, dass das Management die dubiosen Geschäfte nicht absichtlich vertuscht, sondern lediglich deren Bedeutung unterschätzt habe. Die hinzugezogenen Experten halten dem Geldhaus unter anderem zugute, dass massive technische Probleme nach der Tsunami-Katastrophe im März 2011 die Aufmerksamkeit der Konzernspitze stark beanspruchten. Satos Bezüge wurden für ein halbes Jahr ausgesetzt. Insgesamt mussten mehr als 30 Top-Manager Gehaltskürzungen hinnehmen und ein Dutzend frühere Spitzenkräfte einen Teil ihrer Bezüge zurückgeben. (red/Reuters, DER STANDARD, 27.12.2013)

  • Takashi Tsukamoto nimmt den Hut: Bereits im September waren dubiose Geschäfte aufgeflogen.
    foto: reuters/shino

    Takashi Tsukamoto nimmt den Hut: Bereits im September waren dubiose Geschäfte aufgeflogen.

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