Sagt Nein zu unnötigen Versicherungen

Blog26. Dezember 2013, 08:57
194 Postings

Die meisten Angebote sind eine Abzocke und versichern etwas, was der Durchschnittsbürger nicht braucht

Die Nachricht, dass American Express 76 Millionen Dollar als Entschädigung und Strafe zahlen muss, weil es seinen amerikanischen Kunden auf irreführende Weise Versicherungen angedreht hat, hat mich befriedigt.

Jahrelang habe ich als früherer Amex-Kartenhalter darunter gelitten, dass ich regelmäßig aus Deutschland angerufen werde und Verkäufer mir irgendwelche Unfall-, Arbeitslosen- oder Zahlungausfallsversicherungen anbieten. Diese klangen anfangs recht günstig und vorteilhaft, beim etwas längeren Nachdenken entpuppten sie sich als Abzocke.

Auch in Wien erhalte ich von verschiedenen Versicherungsgesellschaften regelmäßig Schreiben mit neuen Versicherungsprodukten, die meist zwischen 10 und 30 Euro Monatsprämie vorsehen und eine Vorsorge für nicht sehr wahrscheinliche Situationen bieten.

Den Vogel abgeschossen hat ein Angebot meiner Kfz-Haftpflichtversicherung, mich gegen ein Abgleiten in den Malus zu versichern - eine Versicherung gegen höhere Versicherungsprämien.

Keine weiteren Verträge

Meine Grundregel lautet: Ich habe bereits eine Lebens-, Haushalts-, Kfz- und Krankenzusatzversicherung – die letztere ist ein Luxus, den ich mir und meiner Familie leiste – und schließe keine weiteren Verträge ab, die mir per Post, Telefon oder anderswie angeboten werden.

Zu viele Versicherungsverträge sind für Verbraucher ein schlechtes Geschäft. Warum? Weil sie ein gutes Geschäft für die Versicherungsgesellschaft ist, die genau weiß, dass die Wahrscheinlichkeiten in ihre Hände spielt.

Viele Konsumenten sind überversichert, weil sie Angst vor Situationen haben und keine nüchterne Risikoabwägung machen. Wer sich ständig gegen mögliche relativ geringe Schäden versichert, zahlt viel mehr, als wer den gelegentlichen Verlust in Kauf nimmt. Darauf haben etwa auch einst Steven Levitt und Stephen Dubner, die Autoren von "Freakonomics", hingewiesen.

Fragwürdige Unfallversicherungen

Auch die oft empfohlene Freizeitunfallversicherung zahlt sich nur für Menschen mit einer Vorliebe für Risikosportarten und Berufen aus, die mit einer körperlichen Behinderung nicht mehr ausgeübt werden können.

Gerade weil die meisten, die solche Versicherungen eingehen, schlechte Risiken darstellen, sind die Prämien sehr hoch. Diese "adverse selection" macht eine Unfallversicherung für Durchschnittsbürger uninteressant.

Ebenso wenig ist eine Rechtsschutzversicherung für die meisten Menschen notwendig. Gerade weil sie Querulanten anzieht, die gerne wenig aussichtsreiche Klagen verfolgen, sind die Prämien für Normalverbraucher im Vergleich zum tatsächlichen Nutzen zu hoch.

Unsinnige verlängerte Garantien

Besonders unsinnig sind verlängerte Garantien für Haushaltsgeräte oder Versicherungen gegen Beschädigung oder Diebstahl von Handys. Entweder tritt der Schadensfall in den wenigsten Fällen ein, oder aber sind die Bestimmungen so, dass die Versicherung meist einen Weg findet, den Schaden nicht zu begleichen.

Das gilt übrigens auch für die inzwischen bei jeder Flug-Onlinebuchung aufdringlich angebotenen Reisestornoversicherungen. Diese sind ohnehin in vielen Kreditkartenpaketen inkludiert, ohne dass es der Kunde weiß.

Ein weiterer Fehler ist, dass man bei Kauf eines Neuwagens eine Vollkaskoversicherung abschließt und diese nicht nach spätestens zwei Jahren storniert. Danach steht der Nutzen in keinem Verhältnis mehr zu den Kosten.

Gleichmut beim Verlust des Fahrrads

Selbst auf die Fahrrad-Diebstahlversicherung verzichte ich inzwischen und setze lieber auf ein wirklich starkes Schloss. Bloß muss man dann bereit sein, den Verlust des Fahrrads im Fall der Fälle mit relativer Gleichmut zu akzeptieren und sich nicht darüber zu ärgern, dass man es nicht versichert hat.

Wer das nicht aushält, ist mit einer Versicherung besser dran – als Abgabe für den Erwerb seelischer Ruhe. (Eric Frey, derStandard.at, 26.12.2013)

  • Die oft empfohlene Freizeitunfallversicherung zahlt sich unter anderem nur für Menschen mit einer Vorliebe für Risikosportarten aus.
    foto: reuters/christian hartmann

    Die oft empfohlene Freizeitunfallversicherung zahlt sich unter anderem nur für Menschen mit einer Vorliebe für Risikosportarten aus.

Share if you care.