Oppositionelle Journalistin in der Ukraine überfallen

25. Dezember 2013, 20:28
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Tetjana Schornowil schreibt für die Oppositions-Website Ukrainska Prawda

Kiew - Eine bekannte Oppositions-Journalistin ist in der Ukraine überfallen und verprügelt worden. Die für ihre kritischen Berichte über Präsident Viktor Janukowitsch bekannte Tetjana Schornowil sei in der Nähe von Kiew mit dem Auto unterwegs gewesen, als sie von Unbekannten überfallen wurde, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

"Der Fahrer des verdächtigen Fahrzeugs begann, sie zur Seite abzudrängen. Als sie anhielt, schlugen mehrere Männer die Scheibe ihres Autos ein, zogen sie heraus und begannen, auf sie einzuschlagen." Anschließend hätten die Täter ihr Opfer in einen Graben geworfen. Die 34-Jährige sei kurz nach Mitternacht in der Nähe ihres Autos gefunden worden.

Schornowil schreibt vor allem für die Oppositions-Website Ukrainska Prawda. Sie hatte sich an den jüngsten proeuropäischen Massendemonstrationen in ihrem Land beteiligt und veröffentlichte mehrere sehr kritische Artikel über Janukowitsch. Dieser verurteilte den Überfall und beauftragte nach Angaben der Präsidentschaft das Innenministerium, die Täter zu finden. Die "erfahrensten Ermittler" seien mit dem Fall beschäftigt, teilte die Polizei mit.

EU besorgt

EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle zeigte sich am Christtag "besorgt über den zunehmenden Druck auf Aktivisten und Journalisten" in der Ex-Sowjetrepublik, deren Regierung vor einem Monat ein Partnerschaftsabkommen mit der EU hat platzen lassen.

Die EU-Delegation in Kiew teilte über Facebook mit, dass der "brutale Angriff" auf die Journalistin Tetjana Schornowil leider nur einer von mehreren Besorgnis erregenden Fällen in jüngster Vergangenheit gewesen sei. "Von Einschüchterungen, physischen Angriffen und dubiosen Anklagen wurde aus verschiedenen Städten berichtet", beklagt die EU-Vertretung. Die Angriffe würden sich gegen Personen richten, die sich für die EU-Annäherung der Ukraine aussprechen.

Kritisch äußerte sich auch der schwedische Außenminister Carl Bildt. "Ich bin zutiefst besorgt über den jüngsten grausamen Angriff auf eine Journalistin in der Ukraine", teilte Bildt am Mittwoch über Twitter mit.

Janukowitsch hatte Ende November offenbar auf Druck Russlands die lang geplante Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgesagt. Seitdem sieht sich die Regierung in Kiew mit anhaltenden Massenprotesten konfrontiert, allerdings gingen die Teilnehmerzahlen an den Demonstrationen zuletzt zurück. (APA, 25.12.2013)

  • Protest am Donnerstag vor dem Innenministerium in Kiew.
    foto: epa/sergey dolzhenko

    Protest am Donnerstag vor dem Innenministerium in Kiew.

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