Der stärkste Einsteiger der Ligageschichte

Blog24. Dezember 2013, 15:13
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Noch immer mischt Bozen in der Spitzengruppe der Eishockeyliga mit. Auf die Kärntner Klubs warten ein Derby-Doppel und eine Reise nach Bosnien.

Die letzte vorweihnachtliche Runde der Erste Bank Eishockey Liga brachte am Sonntag einen Wechsel an der Tabellenspitze: Da die Vienna Capitals in Salzburg erstmals seit 24. November oder neun Spielen wieder eine Niederlage einstecken mussten, nutze der EHC Linz die Gunst der Stunde und kletterte mit einem 4:3-Sieg in Innsbruck auf Platz eins.

Längster Streak seit zwölf Jahren

Der Meister von 2012 kam in den vergangenen Wochen immer besser in Fahrt, seit der Länderspielpause Anfang November gewannen die Black Wings zwölf ihrer 15 Spiele. Zuletzt verließ das Team von Rob Daum das Eis neun Mal hintereinander als Sieger, brachte dabei ein beeindruckendes Torverhältnis von 43:15 zustande und schwimmt damit bereits auf der zweitlängsten Erfolgswelle der immerhin 769 EBEL-Spiele umfassenden Klubgeschichte: Nur in der Spielzeit 2001/02 dauerte eine Siegesserie der Oberösterreicher länger, nämlich elf Runden.

Überzeugt hat Linz zuletzt vor allem in der Offensive: Goalgetter Brian Lebler hat seinen bereits im Vorjahr herausragenden Toreschnitt pro Spiel noch einmal leicht gesteigert, Andrew Kozek schließt die vom abgewanderten Danny Irmen hinterlassene Lücke im Powerplay und die Neuzugänge Brad Moran und Jason Ulmer gehören zum Besten, das die Liga offensiv zu bieten hat.

Aktuell deutet wenig darauf hin, dass der Höhenflug der Black Wings ein baldiges Ende nehmen könnte. In Blickrichtung Play-Offs wirft die Linzer Performance jedoch noch einige Fragen auf: In den Special Teams (Rang sieben im Powerplay, Platz sechs im Penalty Killing) ist man lediglich Ligadurchschnitt, die Defensive lässt gerade in Duellen mit Topteams Stabilität vermissen. Gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte kassiert Linz um 56 Prozent mehr Gegentreffer als gegen Klubs, die unterhalb des "Strichs" rangieren.

Südtiroler Erfolgsgeschichte

Als sportliche Bereicherung hat sich bisher der im Sommer neu in die EBEL gekommene HC Bozen erwiesen. Die erst knapp vor Saisonbeginn zusammengestellte Mannschaft hat sich rasch gefunden und prächtig entwickelt, Trainer Tom Pokel hat ein Team geformt, das geradliniges Eishockey pflegt und keine großen Schwächen aufweist. Spielerisch können die Füchse zwar nicht ganz mit den Topklubs der Liga mithalten, als ausbalanciertes Kollektiv marschieren die Südtiroler aber geradewegs in Richtung oberer Gruppe der Zwischenrunde.

Wie gut sich Bozen im neuen Umfeld zurechtfindet, zeigt auch der Vergleich mit EBEL-Neueinsteigern aus der Vergangenheit. Seit der ersten Saison nach der Liganeugründung im Jahr 2000 kamen insgesamt zehn Klubs neu in die mittlerweile grenzübergreifende Meisterschaft, keiner konnte im Premierenjahr mehr Punkte pro Spiel einfahren als die Südtiroler. Auch bei der Anzahl der erzielten bzw. kassierten Treffer weist der HCB in der Gegenüberstellung mit anderen Debütanten stark überdurchschnittliche Werte auf.

Vom Südtiroler Publikum werden die starken sportlichen Leistungen noch nicht gänzlich honoriert: Zwar stieg Bozens Zuschauerschnitt im Vergleich zum letztjährigen Grunddurchgang in der italienischen Meisterschaft um gleich 67,5 Prozent, 1.930 Fans pro Heimspiel entsprechen dennoch dem drittschwächsten Wert der Liga.

Meister auf Rang neun abgerutscht

Beim KAC dürfte dieser Tage kaum ausgelassene Festtagsstimmung aufkommen, der Meister hat in elf seiner letzten zwölf Spiele Punkte abgegeben und liegt nach den jüngsten Niederlagen gegen die Nachzügler aus Ljubljana und Innsbruck nur noch auf Tabellenrang neun. In das weitestgehende unqualifizierte Gepoltere gegen Schiedrichter und DOPS-Entscheidungen, ausgesendet vom VIP-Balkon, haben sich längst auch kritische Töne die Arbeit von Trainer Christer Olsson betreffend gemischt - dubiose Fristsetzung ("Leistungssteigerung im Derby-Doppel") inklusive.

Die spannendste Frage über die Feiertage ist in Klagenfurt also erneut jene, ob der Rekordmeister auch im dritten Jahr in Serie mitten in der Saison den Trainer wechselt. Gleichzeitig könnte aber auch die Position von Sportdirektor Emanuel Viveiros wackeln, der einige problematische personelle Entscheidungen der jüngeren Vergangenheit zu verantworten hat. Im Jänner 2011, damals noch als Trainer, setzte er gegen vereinsinterne Widerstände einen völlig überdimensionierten Langzeitvertrag für Mike Siklenka (Laufzeit über fünf Jahre, damals bestbezahlter Importspieler der Liga) durch, den er keine zwei Jahre später, dann als Sportdirektor, wieder auflösen wollte. Ebenfalls auf das Konto von Viveiros geht der sich über drei Jahre erstreckende Kontrakt von Patrick Harand, der im Vergleich zu jenen anderer österreichischer Spieler ähnlicher Qualität unverhältnismäßig hoch dotiert ist und vom Sportdirektor gegen den Willen des damaligen Trainers abgeschlossen wurde.

Außerhalb der Ligagrenzen

Auf einen Platz in der Platzierungsrunde, der die vorzeitige Qualifikation für die Play-Offs bedeuten würde, fehlen dem KAC aktuell acht Zähler, es bleiben nur noch neun Spiele, um diesen Rückstand aufzuholen. Eingeläutet werden soll die sportliche Trendumkehr im post-weihnachtlichen Doppel gegen den Lokalrivalen, sowohl am 26. als auch am 28. Dezember geht es für den Rekordmeister gegen Villach.

Auf die beiden Kärntner Traditionsklubs wartet nach dem Jahreswechsel jedoch noch ein weiteres Großereignis, das Icefest in Sarajevo. Wenn Olimpija Ljubljana anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Olympischen Winterspiele von 1984 für zwei Heimspiele in die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina übersiedelt, werden der VSV (10.1.) und der KAC (12.1.) die Gäste sein. In der gut 8.000 Fans fassenden Olympiahalle Zetra finden dann erstmals zwei EBEL-Spiele in einem Staat jenseits der Grenzen der Liga-Landkarte statt. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 24.Dezember 2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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