Facebook weiß, was man doch nicht postet

25. Dezember 2013, 11:20
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Das soziale Netzwerk sammelt Informationen über nicht-abgeschickte Statusmeldungen und Kommentare

Wohl jeder Facebook-Nutzer kennt das kurze Zögern vorm Absenden eines Kommentars oder Status, in dem das Getippte noch einmal kurz auf dessen Angemessenheit überprüft wird: „ Ist dieses Posting zu intim? Ist der Kommentar verletzend? Ist meine Statusmeldung witzig oder wird sie mich meine Karriere kosten?"  Nicht selten entscheidet man sich, lieber doch nicht zu posten. Das alles geschieht jedoch unter den Argusaugen von Facebook, das solche Vorgänge als „Selbstzensur" bezeichnet – und alles darüber wissen möchte.

Denn gemäß der Logik des sozialen Netzwerks ist jedes abgebrochene Posting eine Katastrophe, da es einen Verlust von Informationen und potenziellen Interaktionen darstellt.

Studie legt offen, dass Facebook Metadaten speichert

Rein technisch ist es für Facebook kein Problem, Daten über Selbstzensur zu erheben. Das beweisen beispielsweise diverse Email-Services, die automatisch und fortlaufend getippte, aber noch nicht abgesandte Emails im „Entwürfe"-Ordner speichern. Dieselbe Technologie wird auch von Facebook verwendet – im Unterschied zu Emaildiensten ist allerdings nicht klar, welchen Nutzen dies aus Userperspektive haben soll.  Eine neue Studie, in der ein Facebook-Mitarbeiter als Co-Autor aufscheint, bestätigt nun, dass Facebook Selbstzensur beobachtet. Laut den Studienautoren werde allerdings nur gespeichert, ob Selbstzensur ausgeübt wurde, jedoch nicht, was getippt und dann verworfen wurde. Erhoben werden also die Metadaten des Nicht-Postings.  Für ihre Studie hatten die Autoren Zugriff auf Daten von rund 5 Millionen englischsprachigen Facebooknutzern.

Facebook: Durch Datenverwendungsrichtlinie rechtlich abgedeckt

Rechtlich abgedeckt soll dieses Vorgehen durch ein Kapitel in Facebooks Datenverwendungsrichtlinien werden. Dort heißt es: „Jedes Mal, wenn du Facebook nutzt oder aufrufst, erhalten wir Daten über dich, beispielsweise wenn du die Chronik einer anderen Person aufrufst, (...) Inhalte anklickst, aufrufst oder auf sonstige Art mit ihnen interagierst, eine Facebook-Handy-App nutzt oder Dinge über Facebook erwirbst."  Selbstzensur falle nun unter das „Interagieren sonstiger Art", argumentiert Facebook auf Nachfrage des amerikanischen Onlinemagazins „Slate".  Dass es ausschließlich beim Sammeln von Metadaten bleiben dürfte, ist unwahrscheinlich. So merken die Studienautoren an, dass es in einem nächsten Schritt wichtig wäre, zu verstehen, was und warum sich User selbst zensieren.  Dies lässt sich nicht allerdings nicht allein aus Metadaten ablesen, sondern benötigt den Inhalt des verworfenen Postings. Es lohnt sich also, künftig schon vor dem Tippen zu überlegen, was man (Facebook) wirklich mitteilen möchte. (red, 25.12. 2013)

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    foto: apa
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