Ägypten: Autobombe tötet zwölf Polizisten

24. Dezember 2013, 21:46
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Muslimbruderschaft als "Terrororganisation" eingestuft - Ex-Regierungschef Kandil festgenommen

Kairo - Bei einem Autobombenanschlag auf ein Polizeiquartier im Norden Ägyptens sind mindestens 13 Menschen getötet und rund hundert verletzt worden. Laut Innenministerium wurden bei dem Anschlag in Mansura am Dienstag in der Früh zwölf Polizisten und ein Zivilist in den Tod gerissen. Daraufhin bezeichnete Ägyptens Premier Hasem Beblawi die islamistische Muslimbruderschaft als "Terrororganisation".

Die Behörden hatten zunächst von 14 Toten gesprochen und ihre Angaben später korrigiert. Der bei dem Anschlag verletzte Polizist Mostafa Hadi berichtete im Krankenhaus , die Detonation sei sehr heftig gewesen. "Ich habe eine enorme Explosion gehört, bin durch die Luft geschleudert worden und habe das Bewusstsein verloren", sagte er. Ein Teil des Gebäudekomplexes in der etwa hundert Kilometer nördlich von Kairo gelegenen Provinzhauptstadt stürzte durch die Wucht der Explosion ein, ein gepanzertes Polizeifahrzeug wurde zerstört.

Polizeichef getötet

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen war die Druckwelle der Explosion noch in 20 Kilometer Entfernung zu spüren. Auf Fernsehbildern waren zerstörte Gebäudefassaden und zahlreiche Rettungswagen zu sehen. Unter den Verletzten befindet sich nach Angaben aus seinem Umfeld auch der Chef der Sicherheitskräfte der Provinz, Sami el-Mihi. Zwei seiner Assistenten seien getötet worden. Noch am Dienstag wurden die Opfer beigesetzt.

Die Muslimbruderschaft verurteilte das Attentat, dennoch wurde ihr die Tat zugeschrieben. Regierungschef Beblawi bezeichnete die Muslimbruderschaft laut einem Sprecher als "Terrororganisation", wie die Nachrichtenagentur Mena berichtete. Beobachter werteten dies als Hinweis darauf, dass die Behörden vor dem anstehenden Verfassungsreferendum möglicherweise noch härter gegen die Organisation vorgehen würden. Das ägyptische Militär, das den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi Anfang Juli abgesetzt hatte, bewirbt den zur Abstimmung vorbereiteten Verfassungsentwurf als ersten großen Schritt hin zur Demokratie.

Innenminister Mohamed Ibrahim sagte in Mansura, der Anschlag sei "ein Versuch, die Ägypter vor dem Referendum zu terrorisieren". Es gebe jedoch Vorkehrungen für die Sicherheit während des Referendums, und dieses werde wie geplant im Jänner stattfinden. Das Verfassungsreferendum ist nach derzeitigem Stand für den 14. und 15. Jänner geplant. Wird die Verfassung vom Volk angenommen, sollen bis Jahresmitte Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.

Kandil festgenommen

Die ägyptische Polizei hat den früheren Regierungschef des abgesetzten islamistischen Präsidenten Mohammed Morsi festgenommen. Hashim Kandil sei am Dienstag festgenommen worden, als er sich in Begleitung von Schmugglern durch die Berge in den Sudan absetzen wollte, teilte das Innenministerium in Kairo mit. Kandil war Ende September zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er ein Gerichtsurteil über die Aufhebung der Privatisierung einer Staatsfirma nicht umgesetzt hatte.Der Grund für die Festnahme war vorerst nicht bekannt. (APA, 24.12.2013)

  • Die Autobombe detonierte vor einem Gebäude der ägyptischen Sicherheitskräfte
    foto: reuters/mohamed abd el ghany

    Die Autobombe detonierte vor einem Gebäude der ägyptischen Sicherheitskräfte

  • Nach dem Anschlag griffen Demonstranten die Parteizentrale der Muslimbrüder in Mansoura an
    foto: epa/mahmoud hefnawy

    Nach dem Anschlag griffen Demonstranten die Parteizentrale der Muslimbrüder in Mansoura an

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