Kinder auch in Europa "Sklaven unserer Zeit"

Kommentar der anderen23. Dezember 2013, 18:53
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Das romantische Bild von Weihnachten als einem Fest nicht zuletzt der Kinder blendet eine grausame Wirklichkeit aus: Immer noch und auch innerhalb der Europäischen Union sind Kinder Opfer des modernen Menschenhandels

Es ist ein Skandal, dass Kinder innerhalb der EU-Staaten noch immer grausam als "Sklaven unserer Zeit" ausgebeutet werden. Der jüngst veröffentlichte Bericht über Menschenhandel ("Trafficking in Human Beings Report") zeigt die Anzahl der identifizierten Opfer von Menschenhandel innerhalb der EU, die zwischen den Jahren 2008 und 2010 um 18 Prozent gestiegen ist. Dieser Anstieg gibt einen ersten Hinweis auf die Verbesserung des Datenerfassungssystems.

Der Bericht verdeutlicht, dass innerhalb der EU 68 Prozent der Opfer von Menschenhandel Frauen sind, 17 Prozent Männer, zwölf Prozent Mädchen und drei Prozent Burschen. Das bedeutet, dass Kinder rund 15 Prozent der identifizierten Opfer von Menschenhandel ausmachen, ein relativer Prozentsatz, der sich nicht wesentlich geändert hat über die letzten drei Referenzjahre des Reports.

Die Europäische Union hat viele begrüßenswerte Aktivitäten entwickelt, um aktiv gegen den Menschenhandel vorzugehen, unter anderem: die EU-Anti-Trafficking-Richtlinie im Jahr 2011, die Umsetzung in Nationalgesetze der Mitgliedsstaaten, die Bestellung eines EU-Anti-Trafficking-Koordinators und die Übernahme der neuen EU-Anti-Trafficking-Strategie im Jahr 2012.

In der EU-Anti-Trafficking-Strategie wird dem Menschenhandel von Kindern spezielle Aufmerksamkeit geschenkt. Unter anderem sieht sie den Schutz von Kinderopfern des Menschenhandels durch die Entwicklung von Richtlinien und durch die Verstärkung der Kinderschutzrichtlinien in den einzelnen Mitgliedsstaaten vor, konzentriert sich stärker auf Maßnahmen für schutzbedürftige Gruppen, einschließlich Kindern, und die Forschung bezüglich besonders gefährdeter Gruppen, einschließlich der sogenannten "home alone children", deren Eltern zu Arbeitszwecken abgewandert sind.

Als Kinderhilfsorganisation begrüßt World Vision natürlich die Unterstützung und den Fokus auf Kinder in der EU-Strategie, gibt aber zu bedenken, dass es noch immer viele Schwachstellen gibt, denen man sich widmen muss.

Am wichtigsten ist, dass die EU sich nicht nur auf Wege zur Reduzierung der Zahl von Kinderopfern des Menschenhandels innerhalb der EU konzentriert, sondern auch das Gesamtbild vor Augen hat. Der Bericht über den weltweiten Menschenhandel im Jahr 2012 vom Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zeigt auf, dass der Prozentanteil der Kinderopfer von Menschenhandel in europäischen Ländern bei 15 liegt, während er in Afrika, Südasien und im Mittleren Osten viel höher ist. In einigen Teilen der Welt machen Kinder etwa 68 Prozent der Opfer von Menschenhandel aus.

Die EU, als Verfechterin von Gerechtigkeit und Entwicklung, darf ihre Augen vor den Millionen von Kindern, die über die Grenzen der EU hinaus Opfer von Menschenhandel sind, nicht verschließen.

Ein guter Ansatz wäre, den Grundsatz der Richtlinienübereinstimmung für Entwicklung auf den Bereich des Kinderhandels anzuwenden. Jede vorhandene oder neue EU-Richtlinie, jedes EU-Programm sollte auf die Effekte für den Menschenhandel mit Kindern geprüft werden, sowohl global als auch innerhalb der EU.

Auf diese Weise ginge die EU systematisch vor, um sicherzustellen, dass schutzbedürftige Kinder sowohl innerhalb der EU als auch global vor diesem Verbrechen geschützt werden. (Marius Wanders, DER STANDARD, 24.12.2013)

Zur Person

Marius Wanders ist der Repräsentant von World Vision International bei der EU in Brüssel.

  • Marius Wanders
    foto: der standard

    Marius Wanders

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