Chris Christie: Ein Schwergewicht der US-Politik

24. Dezember 2013, 17:27
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Der Gouverneur von New Jersey rechnet sich gute Chancen beim Kampf um Präsidentenwahl 2016 aus

Mitt Romney nannte ihn Kugelfisch. Als der Geschäftsmann einen Kandidaten fürs Vizepräsidentenamt suchte, ein Schlachtross, das mit ihm in den Wahlkampf ziehen sollte, gehörte Chris Christie zu den Aussichtsreichsten. Romneys Stab, der den Geeigneten auswählen sollte, gab ihm den kuriosen Decknamen aus der Welt der Meerestiere.

"Gouverneur Christie deutet an, dass er zu kämpfen hat mit seiner Leibesfülle", hieß es in einem einst vertraulichen Dossier, nachzulesen im Buch Double Down, der Reporter Mark Halperin und John Heilemann. Falls es Kugelfisch werden solle, müsse er seine aktuellen Krankenakten einreichen, notierten die Personalprüfer mit erhobenem Zeigefinger.

Einmal saß er bei David Letterman im Studio, und als ihn der Satiriker auf seine Taille ansprach, biss er demonstrativ in einen Donut. Kurz darauf ließ er sich ein Band um den Magen legen. Es soll bewirken, dass er weniger essen kann. Was Christie vorher wog, hat er nie verraten, Schätzungen reichten von 140 bis 160 Kilo. Seither hat er ein wenig abgenommen, er sehe nicht mehr aus wie ein Grizzly, eher wie ein Pandabär, schrieb ein Magazin.

Das alles wäre reine Privatsache, wäre Christie nicht einer der Mitfavoriten fürs nächste Rennen ums Weiße Haus. In dem Fall möchten die Amerikaner schon wissen, ob jemand, der dereinst vielleicht Weltkrisen zu managen hat, fit genug ist, um eine volle Präsidentschaft durchzustehen.

Eine Frage der Fitness

Dass Christie 2016 antritt, bezweifelt niemand mehr. Seine Anhänger erklären ihn schon zum Retter der Republikaner, die sich nicht zuletzt mit der Tea-Party-Rebellion zu einem Klub gealterter, weißhäutiger Herren zu entwickeln schienen. Christie ist frei von der Nostalgie der Gestern-war-alles-besser-Fraktion. Und als Kommunikator ein Naturtalent. Die Erwartungen an ihn erklären das Interesse an den Kilos.

Der Mann ist wie New Jersey, der Staat, der darunter leidet, im Schatten der Megacity New York zu stehen. Christie ist direkt und angriffslustig, kann laut und profan sein, bodenständig und herzlich, gibt den Helden der Arbeiterklasse, obwohl er sich bester Kontakte zu Großspendern erfreut.

Bruce Springsteen, der über Amerikas vergessene Malocher singt, verehrt er wie eine Ikone. Rund 130 Konzerte hat er besucht und vor Freude geweint, als ihn der "Boss" auf der Bühne umarmte, nachdem er ihm jahrelang die kalte Schulter gezeigt hatte. Das war nach Hurrikan Sandy. Obwohl das Duell ums Oval Office damals, Oktober 2012, in die Zielgerade ging, hatte Christie die Katastrophenhilfe Obamas gelobt.

Seither gilt der "Kugelfisch" als ein Politiker, der Brücken über Parteigräben zu bauen versteht. Ein republikanischer Gouverneur in einem demokratischen Bundesstaat. In vielen Punkten vertritt er stramm konservative Positionen, trotzdem hat er Erfolg. Er lehnt die Homo-Ehe ab, will das Abtreibungsrecht einschränken und predigt niedrige Steuern. Beim Waffenrecht und Einwanderungsparagrafen ist er dagegen flexibler als der harte Kern seiner Partei.

Als Gouverneur erwarb er sich den Ruf eines kompromisslosen Sanierers, der sich resolut mit der Lehrer-Gewerkschaft anlegte, um seinen Sparkurs durchzusetzen. Als ihn eine Wählerin fragte, wie er es rechtfertigen könne, staatlichen Schulen die Mittel zu kürzen, während er seine eigenen Kinder auf eine Privatschule schicke, fertigte er sie nach typischer Manier ab: "Weißt du was, Mädchen, das geht dich nichts an." (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 24.12.2013)

  • Nach langem Schweigen über sein Gewicht ließ sich New Jerseys Gouverneur Chris Christie ein Band um den Magen legen. Die Kilos sollen einer Präsidentschaftskandidatur nicht im Weg stehen.
    foto: reuters/jonathan ernst

    Nach langem Schweigen über sein Gewicht ließ sich New Jerseys Gouverneur Chris Christie ein Band um den Magen legen. Die Kilos sollen einer Präsidentschaftskandidatur nicht im Weg stehen.

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