Vatikanbank soll wieder zur Bank der Missionen werden

23. Dezember 2013, 18:39
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Papst drängt auf Reform: Verwaltung von Klingelbeutel-Cash und Finanzierung der Armen angestrebt

Vatikanstaat, Porta Sant Anna, 12 Uhr mittags. Der Eingang zum Vatikanstaat ist scharf überwacht. Die Schweizer Wache fordert Ausweispapiere und die Empfehlung eines Vatikan-Mitarbeiters, um Eintritt zu gewähren. Kein Wunder. Denn keine drei Minuten von der Porta Sant Anna entfernt befindet sich das Ford Knox des Heiligen Stuhls, die einst verruchte Vatikanbank Istituto per le Opere di Religione (IOR).

Die Bank ist in einem mittelalterlichen Wachturm untergebracht. Hier soll nicht nur das Vermögen des Kirchenstaates, sondern angeblich auch von ausländischen Diktatoren, Terroristen und Mafiosi deponiert sein. Eine Festung, an die bislang niemand herankam. Nun versucht Papst Franziskus die Barrieren zu brechen. Ein Fünftel der insgesamt 125 Bankbeamten beschäftigt sich inzwischen mit Kontrollfunktionen. Eine detaillierte Kundenkartei gewährt zumindest der vom Schweizer René Brülhart geleiteten Vatikan-Finanzaufsicht AIF Einsicht in das Kundenportefeuille.

Konten geschlossen

Papst Benedikt XVI. hat im Jahr 2010 ein Rahmengesetz gegen Geldwäsche erlassen. Sein Nachfolger Papst Franziskus hat weitere Maßnahmen, etwa die Errichtung von Kontrollbehörden, veranlasst, um Einsicht in die Bankgeschäfte zu erhalten. "Bankbeamte können nun verdächtige Transaktionen sofort weiterleiten, die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür sind vorhanden", meinte ein Bankbeamter. Früher soll man nicht gewusst haben, ob und wem etwaige verdächtige Transaktionen zu melden waren. Von den 18.900 Kunden wurden inzwischen rund tausend aufgefordert, ihre Konten zu schließen: "Sie hatten mit dem Vatikan nichts zu tun." Nur Personen mit einer bestehenden Geschäftsbeziehung zum Vatikan, die hier akkreditierten Botschaften und Mitarbeiter des Vatikans dürfen Konten haben.

Mit Frömmigkeit hat die Vatikanbank traditionell nicht viel im Sinn - obwohl ihr Name, Institut für die religiösen Werke, genau eine solche Haltung suggeriert. Seit Jahrzehnten machen dem Heiligen Stuhl nicht nur dubiose Finanzgeschäfte zu schaffen. Manche Vorgänge in der Geschichte der 1944 gegründeten Bank muten vielmehr regelrecht wie Teufelswerke an. Die Bank stand unter anderem in Verdacht der Geldwäsche. Der im vergangenen Sommer aufgedeckte Geldwäscheskandal rund um Monsignor Nunzio Scarano hat keineswegs zur Imageverbesserung beigetragen. Nachdem Scarano inhaftiert wurde, wurden mehrere IOR-Manager gekündigt. "Andere Fälle Scarano sind nicht auszuschließen", zeigt man sich in IOR-Kreisen besorgt. Und Vatikan-Kenner Gianluigi Nuzzi kommentiert: Änderungen können nur schrittweise erfolgen.

Fortschrittsbericht positiv

Der erste Erfolg für den vor knapp einem Jahr eingesetzten IOR-Präsidenten, den Investmentbanker Ernst von Freyberg, kam in diesen Tagen von Moneyval. Der Europaratsausschuss Moneyval hat sich in dem Mitte Dezember veröffentlichten Fortschrittsbericht positiv zu der Entwicklung beim IOR geäußert. Neue gesetzliche Rahmenbestimmungen, Zusammenarbeit mit internationalen Behörden wie etwa dem deutschen Bundeskriminalamt beweisen die Trendwende. "Es sind deutliche Bemühungen zu erkennen, die rechtlichen Bestimmungen des Vatikans zu stärken", heißt es im Bericht.

Papst Franziskus hat ernsthafte Versuche unternommen aufzuräumen. Trotzdem scheint er zu zweifeln, ob IOR in Zukunft weiterbestehen soll. Freyberg meint dazu: "Meine Aufgabe ist es, dem Papst Optionen vorzuschlagen." Im Februar 2014 soll die eingesetzte Kommission dem Papst ihre Entscheidung wissen lassen, ob und in welcher Form ein Fortbestand sinnvoll wäre. "Die Zentralbank des Vatikans ist die APSA. IOR wurde gegründet, um den Missionen in aller Welt, der "armen" Kirche zu helfen. Dann ist aus dem IOR das geworden, was wir heute kennen", meinte der Papst im Interview mit der Tageszeitung La Stampa. Offensichtlich will er das IOR wieder zu seiner ursprünglichen Funktion "als Bank für die Armen" zurückführen. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 24.12.2013)

  • Papst Franziskus will aus dem IOR eine saubere Hausbank machen.
    foto: reuters/alessandro bianchi

    Papst Franziskus will aus dem IOR eine saubere Hausbank machen.

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