Die dritte Gruppe neben Sunniten und Schiiten

23. Dezember 2013, 15:28
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Die omanische Ibadiya ging aus der ersten radikalen Sekte des Islam hervor - und ist besonders gemäßigt

Auch wenn sie es nicht demonstrativ vor sich hertragen, fühlen sich die meisten Omanis doch einer eigenen Gruppe innerhalb des Islam zugehörig, der Ibadiya. Ihre Ursprünge liegen im frühislamischen Schisma zwischen Sunniten und Schiiten: Es gab noch eine dritte Gruppe, die Kharijiten, aus denen sich die Ibaditen entwickelt haben. Ideologisch haben sie heute mit dieser Strömung, die oft als die erste radikale im Islam bezeichnet werden, aber absolut nichts zu tun. Die Ibadiya vertritt einen gemäßigten Islam, dementsprechend groß ist das Misstrauen gegen die Ausbreitung des Wahhabismus auf der arabischen Halbinsel.

Sunniten und Schiiten spalteten sich nach dem Tod von Prophet Muhammad (632) an der Frage, wer die islamische Gemeinde führen soll. Laut Sunniten sollte es der Fähigste sein - wozu sich Angehörige des mächtigen, erst spät zum Islam konvertierten Clans der Umayya aufschwangen. Die Schiiten (Schiat Ali, Partei Alis) meinten, dass die Nachkommen Muhammads mit besonderen Fähigkeiten zur spirituellen Führung ausgestattet waren. Ali war dessen Cousin und noch dazu mit dessen Tochter Fatima verheiratet, also Vater seiner Enkel.

Nach Uthmans Ermordung (656) wurde Ali zum 4. Kalifen gewählt, daraufhin brach der schwelende Konflikt voll aus: In der Schlacht von Siffin standen sich der Umayyade Muawiya und Ali gegenüber, Muawiya war am Verlieren, erzwang doch ein Schiedsgericht, das Ali akzeptierte.

Dagegen - und gegen Ali, der 661 von einem von ihnen ermordet wurde - wandte sich eine Gruppe seiner früheren Anhängern, die "Ausziehenden", die Kharijiten (Khawarij). Ihr Anspruch an den Herrscher war, dass er der beste Muslim sein musste. Ein Merkmal, das die Kharijiten mit späteren Radikalen teilen ist, dass Sünde mit dem Abfall vom Islam gleichgesetzt wird.

Aus den Kharijiten gingen diverse Gruppen hervor, die Dynastien bildeten (etwa auch in Nordafrika). Die wichtigste überlebende ist die Ibadiya im Oman, die sich auf Abdullah Ibn Ibad al-Murri al-Tamimi bezieht. Seine Partei wurde die Muhakkima genannt, nach dem bei Siffin ausgerufenen Motto "La hukma illa lillah" (kein Urteil außer dem Gottes).

Das ibadische Imamat hatte seinen Sitz im omanischen Nizwa. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verschmolz es vollständig mit dem von der Familie Said regierten Sultanat Maskat. (guha, DER STANDARD, 23.12.2013)

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