Meeresschnecken stibitzen die Fähigkeit zur Photosynthese

25. Dezember 2013, 19:52
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Sackzüngler haben einen einzigartigen Trick auf Lager: Sie lassen die Photosynthese ihrer pflanzlichen Nahrung zu ihrem Nutzen weiterlaufen

Bonn - Die Sackzüngler (Sacoglossa), eine Gruppe von Meeresschnecken, haben einen ganz besonderen Überlebenstrick entwickelt: Sie können über längere Zeit hinweg ohne eigene Nahrungsaufnahme weiterleben, indem sie die Photosynthese-tauglichen Organellen ihrer pflanzlichen Nahrung weiterarbeiten lassen, wie das Bonner Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere berichtet.

Die Angehörigen dieser, soweit bislang bekannt, knapp 300 Arten umfassenden Gruppe saugen Algen aus, verdauen sie aber nicht komplett. Stattdessen lagern sie deren funktionelle Chloroplasten - also die Photosynthese betreibenden Organellen in den Zellen der Pflanzen - in Zellen ihres Verdauungstraktes ein. Die Chloroplasten bleiben bei diesem Vorgang photosynthetisch aktiv. Die Schnecken können auf Grund dieser noch funktionierenden "Kleptoplasten" Wochen bis Monate ohne weitere Nahrungsaufnahme auskommen. Ein angepasstes Verhalten der Schnecken führt dazu, dass die Chloroplasten außerhalb ihres ursprünglichen Lebewesens lange Zeit als Nahrungsreservoir funktionstüchtig gehalten werden.

"Kühlschrank" mit Wachstumsbonus

Noch sind viele Fragen offen, wie diese im Tierreich einzigartige Erscheinung funktionieren kann. Zwei Teams unter der Leitung der Bonner Forscherin Heike Wägele bzw. unter William F. Martin von der Universität Düsseldorf wollen klären, wie genau es zur Langlebigkeit der Chloroplasten und Schnecken kommt. Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass das Verhalten der Tiere, insbesondere die Vermeidung von zu viel Licht, zu einer Schonung der Chloroplasten beiträgt. 

"Ich gehe bereits seit einiger Zeit davon aus, dass die Chloroplasten eher wie ein Nahrungsdepot funktionieren" sagt Wägele. Sie vergleicht die Einlagerung mit einem reich gedeckten Tisch. Auch wir können nur eine begrenzte Menge essen - wenn allerdings die nicht verbrauchten Lebensmittel in einem Kühlschrank eingelagert werden (oder wie bei den Schnecken nicht sofort im Verdauungstrakt verdaut werden), dann reicht der Vorrat länger. Und anders als in einem Kühlschrank wächst der Vorrat hier sogar noch, da die Chloroplasten mittels Photosynthese laufend weitere Speicherstoffe aufbauen. (red, derStandard.at, 24. 12. 2013)

 

  • Die im Mittelmeer lebende Schnecke Elysia timida kann die mehrere Monate ohne Nahrungsaufnahme auskommen, wenn sie aktive Chloroplasten im Verdauungstrakt eingelagert hat.
    foto: heike wägele, zfmk

    Die im Mittelmeer lebende Schnecke Elysia timida kann die mehrere Monate ohne Nahrungsaufnahme auskommen, wenn sie aktive Chloroplasten im Verdauungstrakt eingelagert hat.

  • Die pazifische Art Plakobranchus ocellatus hält sogar acht Monate lang durch, ohne zu fressen.
    foto: heike wägele, zfmk

    Die pazifische Art Plakobranchus ocellatus hält sogar acht Monate lang durch, ohne zu fressen.

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