Reality-TV am Münchner "Tatort": Hauptsache feste Gehälter - Top oder Flop?

Ansichtssache22. Dezember 2013, 17:49
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Zugegeben: Man kann schon einmal die Nerven verlieren gegen Jahresende, wenn Weihnachten und Silvester nahen. Besonders schlimm hat es die Münchener getroffen - den Eindruck bekam man zumindest am Sonntag beim Tatort: Allmächtig.

foto: orf/br/bernd schuller

Ermordet wurde der Star einer Reality-Sendung. Das bedeutet in diesem Fall: Er stellte andere Menschen in seinen Videoclips bloß. Das Mordopfer trug den Namen Albert A. Anast, der Nachname unschwer zu erkennen als Anagramm von Satan.

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Man hat es eindeutig auf die neuen Medien abgesehen. Deren Protagonisten werden als oberflächlich, menschenverachtend und maximal unsympathisch gezeichnet. "Was für ein präpotenter Depp", schimpft Leitmayr einmal. Und mit Blick auf die Oberarme des Gegenüber: "Sie trainieren, gell?" Scheint, als wollte auch dieser Tatort seine Muskeln spielen lassen.

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Aufgeboten wird alles, was an Themen gerade greifbar war. Marx zum Beispiel, und wie die Produktionsbedingungen im Agenda-2010-geplagten Land die Menschen moralisch völlig verderben. "Ich will doch nicht meinen Job verlieren." Die Polizisten hätten ja ihre "festen Gehälter". Schweine. So kann man natürlich auch erklären, warum junge Menschen oft nicht mit der Staatsgewalt kooperieren wollen.

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Um die Zuseher mit Blick auf die Vergänglichkeit besinnlich zu stimmen, bekommt man dazu Maden auf Leichen serviert und Fliegen, die durch Bild und Ton schwirren. Auch ein katholischer Pfarrer darf nicht fehlen und dessen Anwärter, der sich der Teufelsaustreibung verschrieben hat.

"Mittelalter", vermuten die Kommissare. Wir tippen bei diesem hochbarocken Ensemble eher auf Neuzeit. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 23.12.2013)

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"Der Münchner "Tatort" nimmt das tödliche Geschäft des Sensationsfernsehens ins Visier. Eine etwas grob gestrickte Medienkritik der ARD an den Mitbewerbern - die vom Regisseur jedoch mit feinen Spitzen gegen den eigenen Sender versehen wird", schreibt Christian Buß im "Spiegel".

Holger Gertz urteilt in der "Süddeutschen" so: "Die meisten Münchner 'Tatorte' sind Pflichtprogramm, diesen kann man sich sparen."

Wie hat Ihnen dieser "Tatort" gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 22.12.2013)

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