Chodorkowski: Kann wegen Geldstrafe nicht zurück nach Russland

22. Dezember 2013, 13:13
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Der Kreml-Kritiker will nicht in die Politik gehen - In einer derzeit laufenden Pressekonferenz erläutert er seine Zukunftspläne

Berlin/Moskau - "Nach zehn Jahren jetzt ist das ein unglaubliches Gefühl der Freiheit", sagte der freigelassene Michail Chodorkowski in einem kurzen Anruf bei der kreml-kritischen Zeitschrift "The New Times" in Moskau, für die er aus dem Straflager heraus als Autor gearbeitet hatte. "Das Wichtigste ist jetzt: Freiheit, Freiheit, Freiheit." Chodorkowski schloss in diesem Interview ein künftiges politisches Engagement aus. Er wolle auch nicht die Anteile seiner ehemaligen Firma Yukos zurückerkämpfen.

Geldstrafe von 400 Millionen Euro

Chodorkowski kann nach eigenen Angaben vorerst nicht nach Russland zurückkehren. Chodorkowski sagte am Sonntag vor russischen Journalisten in Berlin, der Grund dafür sei eine gegen ihn verhängte und noch gültige Geldstrafe in Höhe von umgerechnet gut 400 Millionen Euro. Das bedeute, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland womöglich nicht mehr ausreisen dürfe, sagte Chodorkowski laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax.

"Fußballvereine werde ich nicht kaufen"

Die russische Opposition gegen Putin will der Ex-Milliardär jedenfalls nicht finanzieren. "Ich kenne meine finanziellen Verhältnisse derzeit nicht", meinte Chodorkowski. "Das Geld reicht mir zum Leben. Fußballvereine werde ich nicht kaufen."

Pressekonferenz am Sonntagnachmittag

Chodorkowski sucht die Öffentlichkeit: Nach zehn Jahren Haft stellt sich der Kreml-Kritiker erstmals der internationalen Presse. In der deutschen Hauptstadt Berlin will er sich zu seinen Zukunftsplänen äußern. Das Medien-Interesse ist enorm. Mehrere Fernsehsender wollen die Pressekonferenz des Erzrivalen von Russlands Präsident Wladimir Putin live übertragen - auch nach Russland. Der TV-Sender phoenix wird via Livestream berichten.

Putin hatte Chodorkowski am Freitag in einem spektakulären Schritt aus humanitären Gründen begnadigt. Nach seiner Freilassung aus einem russischen Straflager reiste der 50-Jährige gleich nach Berlin, wo er am Samstag auch seine Eltern und seinen ältesten Sohn in die Arme schließen konnte.

Jahres-Visum für Deutschland

Über die weiteren Pläne des einst reichsten Mannes Russlands ist bisher nichts bekannt. Der 50-Jährige hat ein Visum, das ihn dazu berechtigt, ein Jahr in Deutschland zu bleiben. Chodorkowskis Frau Inna lebt in der Schweiz. Das Paar hat gemeinsame Kinder. Der älteste Sohn Pawel stammt aus seiner ersten Ehe.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht nun eine gute Grundlage für weitere Gespräche mit Russland. "Unabhängig davon, was die Motive waren, es sind gute Entscheidungen, die in Moskau in den letzten Tagen gefallen sind", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Laut Medienberichten hat der ehemalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher die Freilassung des Kreml-Kritikers und Ex-Oligarchen in zwei Geheimtreffen mit Putin vorbereitet. (APA, 22.12.2013)

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