Chodorkowski traf in Berlin seine Familie

21. Dezember 2013, 17:08
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Treffen mit Sohn und Eltern - Sonntag Pressekonferenz

Berlin - Der begnadigte russische Regierungskritiker Michail Chodorkowski hat einen Tag nach seiner Freilassung am Samstag in Berlin seinen ältesten Sohn und seine Eltern wiedergetroffen. "Meine Familie ist endlich wieder vereint, und wir sind sehr, sehr glücklich, nach den zehn Jahren Trennung wieder zusammen zu sein", sagte Chodorkowskis Sohn Pawel am Nachmittag vor dem Hotel Adlon. Am Mittag waren nach Angaben des Chodorkowski-Informationszentrums auch die Eltern des 50-Jährigen in Berlin eingetroffen. Am Sonntag will er sich auf einer Pressekonferenz an die Weltöffentlichkeit wenden. Mit Spannung wird erwartet, ob er Auskunft über seine Pläne geben wird.

"Sie können sich wohl vorstellen, welches Wechselbad der Gefühle mein Vater gerade durchmacht", sagte sein Sohn Pawel, der in den USA lebt, den wartenden Journalisten. Daher könne er sich auch noch nicht "mit ihnen allen" treffen. Am Sonntag werde er sich aber auf einer Pressekonferenz allen Fragen stellen. Chodorkowskis Sohn bedankte sich auch im Namen seines Vaters erneut für die weltweite Unterstützung in den vergangenen Jahren.

Der ehemalige Ölmagnat war nach zehnjähriger Haft in einem Straflager am Freitag von Russlands Präsident Wladimir Putin überraschend begnadigt worden und gleich nach der Freilassung nach Berlin geflogen. Chodorkowski hatte nach seiner Ankunft in Berlin erklärt, er habe Putin "angesichts familiärer Umstände" um Gnade ersucht. Damit sei aber kein Schuldeingeständnis verbunden.

Chodorkowskis Mutter ist an Krebs erkrankt. Der ehemalige Oligarch hatte vergangenen Monat die Befürchtung geäußert, er werde sie womöglich nie wiedersehen. Nach den Worten des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher, der in die jahrelangen Bemühungen um die Freilassung eingeschaltet war und der den 50-Jährigen auf dem Flughafen Schönefeld begrüßte, wusste Chodorkowski nicht, dass seine Mutter nach einer Behandlung in Deutschland inzwischen nach Russland zurückgekehrt war. Sie hatte sich am Freitag in Moskau überrascht über die Freilassung ihres Sohnes gezeigt. "Ich will ihn einfach in die Arme nehmen. Ich weiß jetzt noch gar nicht, was ich ihm sagen werde", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters.

Steinmeier: Gute Gundlage für Gespräche

Dem ehemals reichsten Mann Russlands wurde unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen. Kritiker sprachen dagegen von politisch motivierten Prozessen, weil der einstmals reichste Mann Russlands Putin herausgefordert hatte. Er sollte eigentlich erst in acht Monaten frei kommen. Politische Beobachter werten die Wende im Fall Chodorkowski als Versuch Putins, der Kritik am Umgang mit Menschenrechten rund einen Monat vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Sotschi den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte dazu: "Unabhängig davon, was die Motive waren, es sind gute Entscheidungen, die in Moskau in den letzten Tagen gefallen sind." Chodorkowski sei schon frei, und Tausende Gefangene kämen infolge der jüngsten Amnestie bald auf freien Fuß. Das sei eine "anständige Grundlage für weitere Gespräche" mit Russland, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Klitschko rief Präsident Viktor Janukowitsch auf, dem Beispiel Putins zu folgen und die ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko zu begnadigen. "Präsident Janukowitsch sollte sich zumindest in diesem Fall ein Beispiel an seinem Freund Putin nehmen und Timoschenko endlich freilassen", schrieb Klitschko in der "Bild"-Zeitung. (Reuters, 21.12.2013)

  • Chodorkowski im Berliner Hotel Adlon.
    foto: ap photo/newtimes.ru)

    Chodorkowski im Berliner Hotel Adlon.

  • Chodorkowski mit der deutschen Grün-Politikerin Marieluise Beck in Berlin.
    foto: epa/stefan kaminski / alliance 90/the greens / handout

    Chodorkowski mit der deutschen Grün-Politikerin Marieluise Beck in Berlin.

  • Chodorkowski und Genscher am Flughafen Berlin-Schöneberg.
    foto: dpa - bildfunk

    Chodorkowski und Genscher am Flughafen Berlin-Schöneberg.

  • Marina Chodorkowskaja, die Mutter des am Freitag freigelassenen Regierungskritikers, auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2010.
    foto: ap photo/dpa, rainer jensen, file

    Marina Chodorkowskaja, die Mutter des am Freitag freigelassenen Regierungskritikers, auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2010.

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  • Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger deutscher Außenminister (FDP), spielte bei der Freilassung Chodorkowskis eine entscheidende Rolle.
    foto: michael kappeler/dpa

    Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger deutscher Außenminister (FDP), spielte bei der Freilassung Chodorkowskis eine entscheidende Rolle.

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